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Norddeutschland Neue Regeln auf der Reeperbahn
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19:12 01.07.2017
Hamburg

. Leila (26) verdient ihr Geld als Prostituierte in einem Bordell nahe der Hamburger Reeperbahn, einem der bekanntesten Rotlichtviertel der Welt. „Ich finde es zwar gut, dass wir stärker geschützt werden sollen, aber die neuen Regelungen bewirken genau das Gegenteil“, sagt sie. Denn das „horizontale Gewerbe“ ist in Aufruhr. Leila hält nicht viel von dem neuen Gesetz, das Prostituierte besser vor Ausbeutung und Zwang schützen soll. „Ich habe in Deutschland keine Meldeadresse, also kann ich mich auch gar nicht bei der Behörde registrieren“, sagt die Bulgarin. So wie ihr gehe es vielen Frauen in dem Gewerbe. „Wenn wir ohne den Anmeldeschein erwischt werden, drohen uns Bußgelder. Das macht uns Angst.“

Die Bußgelder müssten sie wieder abarbeiten. Sie überlege, in einen abgelegeneren Stadtteil abzuwandern.

In der Branche sehen viele das neue Prostitutionsschutzgesetz, das gestern bundesweit in Kraft trat, mit Skepsis. Dabei scheinen die Ziele sinnvoll: Das Bundesfamilienministerium nennt die Stärkung der sexuellen Selbstbestimmung und den Schutz vor Zwangsprostitution und Ausbeutung.

Dazu sieht das Gesetz unter anderem eine Meldepflicht für Sex- Arbeiterinnen vor. Die Anmeldebescheinigung, die regelmäßig verlängert werden muss und mit Namen, Meldeadresse und einem Foto versehen sein soll, müssen die Prostituierten allerdings mit sich führen – und damit ihre Anonymität aufgeben. In der Szene wird die Bescheinigung deshalb nur „Hurenpass“ genannt. Zudem werden die Frauen verpflichtet, regelmäßige gesundheitliche Beratungsgespräche wahrzunehmen.

Der Verein Doña Carmen, der sich für die Rechte von Prostituierten einsetzt, hat in Karlsruhe eine Verfassungsbeschwerde gegen das neue Gesetz eingereicht. Sex- Arbeiterinnen würden „einem System entwürdigender Kontrollen unterworfen“ und ihrer „Grundrechte beraubt“, kritisiert der Verein.

Thorsten Eitner, der Betreiber des Laufhauses „Pink Palace“ auf der Reeperbahn, weiß noch nicht, was im Einzelnen auf seinen Betrieb zukommen wird. Sicher sei nur, dass er ein Schild mit einem Hinweis zur Kondompflicht an der Tür anbringen müsse.

Lady Jana, die ein Dominastudio betreibt, erzählt, es sei „ein Schock“ für sie gewesen, als sie von den geplanten Regelungen erfahren habe. Obwohl die zweifache Mutter, wie bei Dominas üblich, keinen Geschlechtsverkehr mit ihren Gästen hat, muss sie trotzdem künftig regelmäßig zur Gesundheitsberatung. „Das ist diskriminierend“, findet sie. Kritik gibt es auch von der Fachberatungsstelle „Sperrgebiet“. Zwangsprostitution werde durch das neue Gesetz kaum verhindert.

„Wir wissen, dass viele Prostituierte noch immer eine Offenlegung ihrer Tätigkeit bei Behörden scheuen, weil sie gesellschaftliche Ausgrenzung befürchten“, sagt Marcel Schweitzer, Sprecher der Hamburger Sozialbehörde. Die Stadt habe sich daher auch gegen die Einführung dieser Anmeldepflicht eingesetzt. Allerdings wird es die verpflichtende Gesundheitsberatung von Oktober an auch in der Hansestadt geben.

W. Dã¶rdrechter

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