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Norddeutschland Neue Schutzgebiete in Kraft: Kutterkapitäne entsetzt – „Angelverbot überleben wir nicht“
Nachrichten Norddeutschland Neue Schutzgebiete in Kraft: Kutterkapitäne entsetzt – „Angelverbot überleben wir nicht“
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23:50 27.09.2017
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Berlin/Fehmarn

Mit der gestrigen Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt sind die neuen Regeln bereits in Kraft getreten. Danach ist Angeln in den Schutzzonen verboten. 

In Schleswig-Holstein hatte es im Vorfeld massive Proteste gegen ein Angelverbot im Fehmarnbelt gegeben. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte den Kutterkapitänen bei ihrem Wahlkampfauftritt am 14. Juli in Heiligenhafen (Kreis Ostholstein) versprochen, das brisante Thema noch einmal im Kabinett zu besprechen. Geändert hat es nichts. Ab sofort ist das Angeln in der Ostsee im Fehmarnbelt, der Kadetrinne und der Pommerschen Bucht (Rönnebank) untersagt. In der Nordsee sind die Gebiete Sylter Außenriff, östliche Deutsche Bucht und Borkum Riffgrund betroffen. Lediglich die Doggerbank in der Nordsee fiel aus den Plänen für ein Verbot heraus.

„Ich weiß nicht, wie wir das überleben sollen“, reagierte Kutterkapitän Willi Lüdtke gestern auf die Hiobsbotschaft aus Berlin. Er ist einer von 30 Mitgliedern des Verbandes der Bäder- und Hochseeangelschiffe mit Sitz auf Fehmarn.

Scharfe Kritik kam gestern auch vom Deutschen Angelfischerverband. „Das sind unbegründete Verbote“, sagte DAFV-Präsidentin Christel Happach-Kasan. Durchaus schützenswerte Riffstrukturen würden durch Freizeitangler in keiner Weise geschädigt. Durch Angelverbote werde der Schutz der Meere nicht vorangebracht. Happach-Kasan kündigte an, die Verordnungen genau zu prüfen. Danach werde entschieden, ob gegen die Schutzgebietsverordnungen aus Berlin vor dem Verwaltungsgericht geklagt werde. Auch Kutterkapitän Lüdtke will mit Kollegen beraten, ob geklagt wird.

Die von Hendricks zwei Tage vor der Wahl unterzeichnete Verordnung sei gegen den erbitterten Widerstand des für Fischerei zuständigen Landwirtschaftsministeriums erlassen worden, berichtete der ostholsteinische Bundestagsabgeordnete Ingo Gädechens (CDU). Er sprach von „eiskalter Wählertäuschung der SPD“. Hendricks’ Unterschrift sei so terminiert gewesen, dass Wähler erst nach dem Urnengang davon erfahren.

Ostholsteins SPD-Bundestagsabgeordnete Bettina Hagedorn verteidigte den gefundenen Kompromiss als „fair“. Hendricks sei den Freizeitfischern mit der Reduzierung der Angelverbotszonen auf 24 Prozent der ursprünglichen Fläche weit entgegengekommen. Hendricks selbst sprach von einem „räumlich und zeitlich abgestuften Schutzkonzept“, das einen Interessenausgleich zwischen Meeresschutz und Anglern gewährleiste. Umweltverbände sprachen in einer gemeinsamen Erklärung von „einem wichtigen ersten Schritt zum Schutz der Artenvielfalt an unseren Küsten“. Es sei richtig, dabei auch Freizeitfischer in die Pflicht zu nehmen.

Von Reinhard Zweigler und Curd Tönnemann

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