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Neue Technik, damit Gülle nicht so stinkt

Futterkamp Neue Technik, damit Gülle nicht so stinkt

Wie kommt die Gülle geruchsarm und umweltschonend aufs Feld? Im Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp (Kreis Plön) wurden am Donnerstag die neuesten technischen Verfahren präsentiert. Unter anderem gibt es mittlerweile "Injektionsmaschinen", die den Dünger direkt in den Boden spritzen.

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Über eine Breite von zwölf Metern ritzt der Injektionsschlepper den Boden auf, um den Dünger dann punktgenau an den Wurzeln einzubringen.

Quelle: Fotos: Lutz Roessler

Futterkamp. Hintergrund ist die neue Düngeverordnung, die bereits zum Herbst in Kraft tritt. Etwa 300 Landwirte waren der Einladung der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein gefolgt, um sich etwa Injektionsmaschinen und Gülleverschlauchung anzusehen.

LN-Bild

Düngeverordnung verschärft – Landwirtschaftskammer stellt umweltschonende Verfahren vor.

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„Prallteller, die die Gülle von oben auf die Felder spritzen, sind out“, sagte Claus Heller, Präsident der Landwirtschaftskammer, zur Begrüßung. Stattdessen sollen die Nährstoffe künftig direkt in den Boden eingebracht werden. Dafür schneiden messerscharfe Scheiben die Grasnarbe ein bis zwei Zentimeter tief ein. Aus kleinen Tüllen wird der Dünger dann in die Furchen im Boden gespritzt. Versuche der Landwirtschaftskammer hätten gezeigt, dass der in den Wirtschaftsdüngern enthaltene Stickstoff von den Pflanzen bis zu 20 Prozent besser ausgenutzt werde und somit nicht als Ammoniakemissionen in die Luft gelange, berichtet Lars Biernat, Dünge-Referent der Landwirtschaftskammer. Zudem würden keine organischen Reste in die Silage gelangen. Das sei gut für die Tiergesundheit.

Solche bodennahen Ausbringungstechniken werden mit der neuen Düngeverordnung ab 2020 auf Ackerland, und ab 2025 auch auf dem Grünland Pflicht. Ziel ist es, Nährstoffverluste in Form von Emissionen in die Luft und auch Verunreinigungen von Gewässern zu verringern. „Maßnahmen zum Schutz der Gewässer und des Grundwassers dominieren die agrarpolitische Diskussion“, sagt Peter Levsen Johannsen, Geschäftsführer der Landwirtschaftskammer. Sie empfiehlt den Einsatz der Technik aber schon heute.

Um den Boden zu schonen, kann die Gülle per Schlauch aufs Feld gebracht werden. Holger Thomsen vom gleichnamigen Lohnunternehmen aus Uphusum (Kreis Nordfriesland) präsentierte einen Puffertank, der 30 000 Liter Gülle fasst, die dann durch einen dicken Schlauch zum Injektionsgerät gepumpt wird. „Das bietet beste Möglichkeiten, auch im nassen Frühjahr aufs Feld zu fahren“, erklärt Thomsen, der sich das System ausgedacht hat. „Wir haben geguckt, was uns stört, und was man besser machen kann“, erzählt er. Dadurch könne zudem Bodenverdichtung vermieden werden.

Noch recht neu ist die Technik der Separation, bei der Dünger in seine festen und flüssigen Bestandteile getrennt wird. Ohne Flüssigkeit könne der organische Dünger leichter und auch kostengünstiger transportiert werden, erklärt Referent Biernat. Das sei vor allem für typische Ackerbauregionen wie das Herzogtum Lauenburg und Ostholstein interessant, in denen weniger Nährstoffe anfallen als in Regionen mit großem Viehbestand. Nährstoffüberschüsse könnten vermieden werden, bestenfalls könnte Mineraldünger eingespart werden. Die Feststoffe hätten außerdem eine höhere Nährstoffkonzentration, ergänzt Robin Kolb von der Hans Thun GmbH in Oldenhütten bei Neumünster und zeigt den trockenen Dung. Damit könnte er auch in Biogasanlagen zur Energiegewinnung eingesetzt werden, während der flüssige Teil auf den Feldern landet.

„Die Düngeverordnung wird die Betriebe enorm beschäftigen“, sagt Klaus Blanck, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Ostholstein-Lübeck. Das Problembewusstsein bei den Kollegen sei da. Jedoch seien zumeist große Investitionen erforderlich. So kostet allein der Schleppanbau zur Dünge-Injektion 70 000 bis 120 000 Euro. Zusammen mit dem Gülle-Tank und dem Schlauchsystem werden da schon mal schnell 300 000 Euro fällig. „Die Betriebe müssen die Anforderungen auch finanzieren können. Man muss ihnen auch die Chance geben, Geld verdienen zu können“, so Blanck. Gerade die Milchviehhalter aber haben schwere Zeiten hinter sich. Er fürchtet, dass mit der neuen Verordnung noch einmal einige Betriebe aufgeben werden. Blanck: „Das ist eine erhebliche Herausforderung für die Landwirtschaft.“

Landwirtschaft in Zahlen

In Schleswig-Holstein werden 393000 Milchkühe gehalten, dazu 90 000 Zuchtsauen und 690 000 Mastschweine. In einem durchschnittlichen Betrieb mit 100 Kühen fallen pro Jahr etwa 2500 Kubikmeter Wirtschaftsdünger an; 100 Mastschweine produzieren im Jahr rund 150 Kubikmeter Dünger. Rindergülle enthält je Kubikmeter 3,5 Kilogramm Stickstoff, 1,4 Kilogramm Phosphat sowie 3,4 Kilogramm Kalium sowie weitere Spurenelemente. Im nördlichsten Bundesland wird eine Million Hektar landwirtschaftlich genutzt.

 Julia Paulat

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