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Norddeutschland Neue Vorschriften: Angst um die Traditionsschiffe
Nachrichten Norddeutschland Neue Vorschriften: Angst um die Traditionsschiffe
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21:21 16.09.2016
Hans Fuhrmann, Eigner der „Ellen“, blickt mit Sorge in die Zukunft. Die Vorschriften für die Traditionsschiffe ändern sich. Quelle: Ulf-K. Neelsen
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Lübeck

Die „Ellen“ hat im Lübecker Hansahafen festgemacht. Am Abend geht es nach Travemünde, heute entern Gäste den 78 Jahre alten Gaffelkutter. Mit gelegentlichen Törns sichert Eigner Hans Fuhrmann das Überleben seines Traditionsschiffes. „Der Unterhalt für die ,Ellen‘ liegt etwa bei 22 500 Euro im Jahr“, sagt der 66-Jährige.

Kommentar zum Thema: Sicherheit geht vor

Damit die Sicherheit der Passagiere an Bord der historischen Schmuckstücke gewährleistet ist, will das Bundesverkehrsministerium die Anforderungen nun neu festlegen. Bislang mussten die Besatzungsmitglieder von Traditionsschiffen erleichterte Auflagen für Sicherheits- und Befähigungszeugnisse erfüllen.

„Mit der Neuregelung der Schiffssicherheitsverordnung sorgen wir dafür, dass Sicherheitsmaßnahmen an Bord gestärkt werden und mit dem kulturellen und touristischen Interesse am Erhalt der Fahrzeuge in Einklang gebracht werden“, sagt Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium.

Die Gemeinsame Kommission für Historische Wasserfahrzeuge (GSHW) ist alarmiert. Der Entwurf gefährde die Zukunft der 100 Traditionsschiffe in Deutschland massiv. „90 werden davon garantiert negativ betroffen sein“, sagt Nikolaus Kern, stellvertretender GSHW- Vorsitzender. Für ihn stellt der Entwurf für die neue Sicherheitsrichtlinie, der sich zurzeit in der Länder- und Verbändeabstimmung befindet und zum 1. Januar 2017 in Kraft treten soll, insgesamt eine unverhältnismäßige Verschärfung dar.

Auf 146 Seiten werden darin Vorgaben an die bauliche Beschaffenheit, den Brandschutz und die Ausrüstung mit Rettungsmitteln festgelegt. Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums berücksichtigt der Referentenentwurf Empfehlungen der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung, die auf den Untersuchungen von Unfällen mit Traditionsschiffen basieren.

Nikolas Kern kritisiert vor allem die neuen Vorschriften an die baulichen Anforderungen wie die Pflicht von Stahlunterkonstruktionen für Holztreppen. „Das ist ein riesiger Arbeitsaufwand“, sagt der stellvertretende Vorsitzende des Dachverbands für Traditionsschiffe. „Das übersteigt die finanzielle Kapazität der Schiffe.“ Alarmierend seien zudem die höheren Anforderungen an die Besatzung. So muss es Personen an Bord geben, die eine Ausbildung für das Tragen von Pressluftatmern absolviert haben. Die meist ehrenamtlichen Mitglieder der Traditionsschiffe könnten diese Vorgaben nicht erfüllen, kritisiert die GSHW.

Professor Georg Conradi, der Mitglied im Verein Museumshafen in Lübeck ist, hat sich den Entwurf angeschaut und sieht auch Positives. So würden unwesentliche bauliche Veränderungen gegenüber dem Ursprungszustand bei der Anerkennung als Traditionsschiff keine Rolle mehr spielen. Hans Fuhrmann blickt mit Sorge auf die neuen Entwicklungen: „Wenn wir keine Abnahme bekommen, dann kann man das Schiff eigentlich nur verbrennen.“ Ohne Gäste sei der Betrieb nicht zu finanzieren.

 Julia Konerding

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