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Norddeutschland Neuer CDU-Vorstoß: Deutschland-Flagge auf dem Schulhof
Nachrichten Norddeutschland Neuer CDU-Vorstoß: Deutschland-Flagge auf dem Schulhof
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13:12 22.03.2016
Quelle: fotolia
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Hamburg/Kiel

Die Aufregung um den Vorstoß der Kieler Landtags- CDU für eine Schweinefleischpflicht in Kantinen hat sich gerade gelegt, da prescht die Union in der Hamburgischen Bürgerschaft mit einer neuen Idee vor. Alle Schulen sollen demnach täglich auf dem Schulhof die Deutschland- und die Europaflagge hissen. Die Elb-CDU sieht dies als Beitrag zur demokratischen Wertevermittlung und damit besseren Integration von Flüchtlingen, schreibt das „Hamburger Abendblatt“. In Schleswig-Holstein wollen Parteien und Pädagogen aber nicht so recht mitziehen.

Ja, man könne das machen — „aber muss Wertevermittlungen nicht an ganz anderen Fragen stattfinden?“, fragt Iris Portius, Schulleiterin des Carl-Maria-von-Weber- Gymnasiums in Eutin. Werte würden zwischen Mensch und Mensch vermittelt werden, nicht zwischen Mensch und Fahne. Und die demokratischen Grundwerte seien natürlich jetzt schon Thema im Unterricht. „Europa lassen wir die Schüler zudem ganz praktisch erleben — mit 14-tägigen Unternehmenspraktika in Polen, Spanien oder Rumänien zum Beispiel.“

Rein rechtlich wären die Kommunen als Schulträger dafür zuständig, die schwarz-rot-goldene und blau-goldene Dauerbeflaggung anzuordnen. In Bad Oldesloe würde man einem solchen Wunsch der Schulen wohl nachkommen und auch für die notwendigen Fahnenmasten sorgen, sagt Hauptamtsleiter Malte Schaarmann. Dass die Schulen das wünschen, könne er sich aber kaum vorstellen. Ihm persönlich würde dabei zudem die blau- weiß-rote Schleswig-Holstein- Flagge fehlen, die im Norden dazugehöre und die Verbundenheit mit dem Land repräsentiere. Schon jetzt würden die Flaggen an allen landes- und bundesweiten Feier- oder Gedenk- und Trauertagen an allen städtischen Gebäuden wehen, dazu an besonderen Tagen für Oldesloe, zur Bürgermeisterwahl zum Beispiel und natürlich am Vogelschießertag.

Den SPD-Bildungspolitiker Martin Habersaat erinnert das Ganze an die Schweinefleisch- Debatte. Er sagt nur so viel zu dem Vorstoß der Hamburger CDU: „Das ist auf dem Niveau von Mettwurstbrötchen.“

Selbst die Nord-CDU ist skeptisch. Wie beflaggt werde, sei dem Träger überlassen, „und das sollte auch so bleiben“, sagt deren Bildungspolitikerin Heike Franzen. „Alle Welt schaut mit Sorge auf den Zerfall Europas und die Zunahme nationalen Denkens — nur die CDU nicht“, sagt Grünen-Fraktionschefin Eka von Kalben. „Anscheinend hat die Hamburger CDU nichts von den Erfahrungen der schleswig-holsteinischen CDU aufgrund der Schweinefleisch-Debatte gelernt.“

Die FDP sieht das differenzierter. „Natürlich ersetzt das Hissen einer Flagge noch keine moderne Integrationspolitik“, sagt deren Landeschef Heiner Garg. „Aber ich rate zu einem offeneren Umgang mit den Symbolen unseres freiheitlich demokratischen Rechtsstaates, als das manchmal in Deutschland der Fall ist.“ Insbesondere die Kombination aus Deutschland- und Europaflagge symbolisiere das Zusammenleben in Europa in Frieden und Freiheit. Garg: „Wir können von Menschen, die zu uns kommen, nicht erwarten, dass sie sich mit unseren Werten identifizieren, wenn wir selbst noch nicht einmal symbolisch bereit sind, im wahrsten Sinne des Wortes ‚Flagge zu zeigen‘.“

Die Hamburger CDU-Politikerin Karin Prien bleibt dabei: Schulen sollten nicht zum Hissen der Flagge verpflichtet, aber ermuntert werden. Die Erfahrungen anderer Einwandererländer wie der USA hätten gezeigt, dass Flaggen wie auch die Nationalhymne „eine zusätzliche emotionale Identifikation bewirken können“. Und die könne „bei der Abwehr von Bedrohungen unserer offenen Gesellschaft helfen“.

Von W. Hammer

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