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Norddeutschland Neuer Prozess um Tod von Jenny Böken
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19:22 13.05.2016
Jenny Böken (18) starb ab 4. September 2008 auf See. Quelle: Uwe Böken/dpa
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Lübeck/Aachen

Nachdem die Eltern der 18-Jährigen im Oktober 2014 mit einer Entschädigungsklage gegen die Marine vor dem Verwaltungsgericht Aachen gescheitet waren, ließ das Oberverwaltungsgericht in Münster jetzt die Berufung zu. In dem neuen Prozess, der am 14. September beginnen wird, soll erstmals der damalige Kapitän der „Gorch Fock“, Norbert Schatz, befragt werden.

Jenny Böken war am 4. September 2008, ein Tag vor ihrem 19. Geburtstag, während der Nachtwache an Deck über Bord gegangen und vermutlich ertrunken. Ihre Eltern hatten danach die mangelnde Aufarbeitung der Ereignisse kritisiert, versuchten sogar beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe erfolglos die Aufnahme strafrechtlicher Ermittlungen gegen die Führungsmannschaft der „Gorch Fock“ zu erzwingen. Denn aus ihrer Sicht und der ihres Aachener Rechtsanwaltes Rainer Dietz war es kein Unfall, sondern eine Kette sträflicher Versäumnisse, die zum Tode ihrer Tochter geführt haben.

In dem Prozess am 14. September geht es aber zunächst nur um die bisher verweigerte Entschädigungszahlung in Höhe von 40 000 Euro. Die wird Angehörigen zugesprochen, wenn Soldaten im Dienst unter „besonderer Lebensgefahr“ sterben. Diese „besondere Lebensgefahr“ hatten aber weder Marine noch in erster Instanz das Verwaltungsgericht erkannt.

„Das Geld spielt aber keine Rolle, gleich ob es um einen Euro oder zehn Millionen gehen würde“, betont Rechtsanwalt Dietz. Das Berufungsverfahren soll vor allem neue Erkenntnisse über die Todesnacht bringen – die unter Umständen auch in einem neuem Strafverfahren gegen die Führungsoffiziere münden könnten, sagt Dietz.

So werde Kapitän Schatz sich Fragen stellen müssen, warum er für die Wachmannschaft weder das Tragen von Sicherheitswesten noch das „Einpicken“, also das Festmachen an Bord mittels Karabinerhaken angeordnet, habe. Zwar sei in der ersten Meldung nach dem Unfall von „17 Grad und ruhiger See“ die Rede gewesen. Zeugen hätten später allerdings ausgesagt, es seien 15 Grad bei zwei Meter hohen Wellen gewesen.

Befragt werden soll im September auch der Schiffsarzt. Denn laut Dietz hätten Mannschaftskameraden ausgesagt, dass Jenny Böken während des Dienstes bei vielen Gelegenheiten einfach eingeschlafen sei, sogar im Stehen. Davon wolle der Arzt nach eigenen Aussagen aber nichts gewusst haben. Angesichts solcher gesundheitlicher Probleme hätte die 18-Jährige ihre Nachtwache womöglich gar nicht antreten dürfen. Dietz: „Ich denke, es wird im September auf jeden Fall viele neue Erkenntnisse geben.“

Oliver Vogt

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