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Neuer Versuch: Länder wollen Wildtiere im Zirkus verbieten

Berlin/Kiel Neuer Versuch: Länder wollen Wildtiere im Zirkus verbieten

Elefanten, Giraffen, Nilpferde oder Affen sollen nach dem Willen der Länderkammer nicht mehr in Zirkussen auftreten dürfen. Die schleswig-holsteinische Landesregierung wird jetzt im Bundesrat für einen entsprechenden Antrag aus Hessen stimmen.

Quelle: AFP/Archiv

Berlin/Kiel. Mit ihrem Beschluss wollen die Länder die Bundesregierung zu einem Verbotsgesetz drängen. Doch was Tierschützer mit Wohlwollen erfüllt, bringt Zirkusfreunde und -unternehmen auf die Palme.

 

LN-Bild

„Das wird den hohen Ansprüchen an die Haltung von Wildtieren nicht gerecht.“ Robert Habeck (Grüne) über Gehege und Wagen für Zirkustiere

„Eine art- und verhaltensgerechte Unterbringung von Wildtieren ist im Zirkus nicht möglich. Die Bundesregierung hat nun erneut die Chance, dazu beizutragen, das Leiden zahlreicher Tiere im Zirkus zu beenden“, sagt der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder. Er verweist auf bestehende Verbote in Nachbarländern wie Dänemark oder den Niederlanden.

Auch einige deutsche Kommunen haben beschlossen, keine öffentlichen Plätze mehr an Zirkusse mit Wildtieren zu vergeben, so etwa Bad Bramstedt, aber auch München, Stuttgart und vor wenigen Tagen erst Schwerin und Leipzig. Auch Lübeck und Ahrensburg hatten solche Regeln durchzusetzen versucht, wegen rechtlicher Bedenken davon aber wieder Abstand genommen. Denn bei ähnlichen Fällen hatten Gerichte meist zugunsten von Zirkusunternehmen geurteilt, deren Grundrecht auf freie Berufsausübung dadurch verletzt worden wäre.

Auch im Bundesrat konnten sich solche Initiativen 2003 und 2011 nicht durchsetzen. Die Bundesregierung hatte die Beschlüsse der Länderkammer einfach nicht umgesetzt. Der Kieler Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) drängt nun erneut, das „triste Dasein“ von Wildtieren, die in einfachen Gehegen und Transportwagen hausten, zu beenden. „Das wird den hohen Ansprüchen an die Haltung von Wildtieren nicht gerecht. Deshalb sollten wildlebende Tiere nicht in Zirkussen gehalten werden. Hier ist der Bund am Zuge.“ Habeck hat mit dieser Haltung die Fraktionen im Landtag voll hinter sich. FDP, CDU, Grüne, SPD und Piraten unterstützen ein Wildtierverbot bereits seit langem.

Doch im aktuellen Fall steht der Bund auf der Bremse. So sieht Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) „verfassungsrechtlich hohe Hürden“, sagte er den LN. Ein Wildtierverbot greife in das Grundrecht der Zirkusbetreiber auf Gewerbefreiheit ein. Entsprechende Verbote seien nur möglich, „wenn die Tiere der jeweiligen Art an wechselnden Orten nur unter erheblichen Schmerzen, Leiden oder Schäden gehalten“ würden. Der Präsident der Gesellschaft für Zirkusfreunde, Helmut Grosscurth, hält ein Haltungsverbot sogar für „völlig überflüssig“. Viele Zirkusse gingen längst über die gesetzlichen Anforderungen an die Tierhaltung hinaus. „Ein Verbot bestimmter Tierarten würde die Existenz zahlreicher Zirkusunternehmen infrage stellen.“

Ginge es nach Landtags-Piratin Angelika Beer würde ein Verbot sogar auf alle Tierarten ausgeweitet werden, da Artgerechtigkeit unter den Umständen eines Zirkusbetriebes nicht zu gewährleisten sei.

Beer spricht sich aber dafür aus, die jetzt noch in den Zirkussen lebenden Tiere auch dort zu belassen, das Verbot auf Neuanschaffungen zu beschränken. Die Tiere seien dieses Leben gewohnt. „Man kann ein Zirkuspferd, das jahrelang in der Manege gearbeitet hat, nicht einfach auf eine Weide stellen“, sagt die Abgeordnete.

Von R. Zweigler und O. Vogt

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