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„Nichts rauscht, nichts knistert“

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Wer braucht das Digitalradio DAB+? NDR-Hörfunkdirektor Joachim Knuth wirbt für die Technik.

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„Wir bekommen sehr gute Reaktionen auf NDR Plus, das neue Schlagerradio.“ Joachim Knuth

Quelle: dpa

Lübecker Nachrichten: Herr Knuth, im Gegensatz zum digitalen Antennenfernsehen kämpft das digitale Radio per Antenne seit 20 Jahren mit Akzeptanzproblemen. Was ist Ihre Erklärung dafür?

Joachim Knuth: Das liegt vor allem daran, dass es sehr viele Beteiligte gibt, die bisher nicht an einem Strang gezogen haben. Da ist nicht nur die ARD, da ist die Privatradioszene, da sind die Landesmedienanstalten. Bis heute gibt es keinen DAB-Chip in allen neu verkauften Radios. Und die Automobilindustrie verlangt für DAB-Radios in Neuwagen immer noch Aufpreise.

LN: Für DAB+ soll das klassische UKW abgeschaltet werden. Warum eigentlich? Läuft doch.

Knuth: Unsere Daten zeigen: Die, die schon DAB+ hören, sagen, dass es viel einfacher ist als UKW-Radio.

LN: DAB+-Radios haben deutlich bessere Verkaufszahlen als vor einigen Jahren. Bundesweit hat etwa jeder zehnte Haushalt ein DAB+-taugliches Gerät. Aber braucht Deutschland überhaupt digitales Antennenradio? Internetradio erfüllt im Prinzip doch denselben Zweck.

Knuth: Wir machen ja beides. Und wir brauchen auch beides – unter anderem aus Sicherheitsgründen. Die digitale terrestrische Versorgung ist zum Beispiel in Krisenzeiten sehr robust, wenn viele auf ihr Radio zurückgreifen. Wir wissen alle, dass das Netz bei Überlastung gerne mal zusammenbricht. Es gibt weitere Vorteile: Die Technik ist günstiger als UKW, es gibt mehr Platz für Sender.

LN: Beim Fernsehen hat die Digitalisierung für knackscharfe Bilder und astreinen Ton gesorgt – was bringt DAB+ dem Kunden?

Knuth: Es gibt mehr Sendervielfalt und Zusatzinfos auf dem Display, von Verkehrsnachrichten bis Musikinfos, vom Programmführer bis zu Veranstaltungstipps. Und das in CD-Qualität: Nichts rauscht, nichts knistert.

LN: Glauben Sie wirklich, dass Zusatzinfos die Hörer über den Verlust ihres UKW-Radios hinwegtrösten?

Knuth: Ich gebe Ihnen recht. Der entscheidende Punkt wird sein: Gibt es da Dinge zu hören, die ich über UKW nicht hören kann? Wir bekommen zum Beispiel sehr gute Reaktionen auf NDR Plus, das neu gestartete Schlagerradio, das es per Antenne nur über DAB+ zu hören gibt.

LN: Wann UKW abgeschaltet wird, ist politisch umstritten. Deutschlandradio-Intendant Willi Steul findet, wenn 50 Prozent aller Hörer über neue Geräte verfügen, könne man den Schalter umlegen.

Knuth: 50 Prozent werden nicht reichen. Wir müssten schon bei 80 Prozent liegen. Wenn wir in den nächsten vier Jahren die Weichen insofern gestellt haben, dass DAB+ nicht mehr aufzuhalten ist – dann denke ich, dass der Umstieg etwa zehn Jahre dauern wird. Aber bevor UKW abgeschaltet wird, müssen wir sicher sein, dass ge- nug Geräte im Markt sind und das Netz ausgebaut ist.

LN: Viele Privatsender sehen in DAB+ offenbar keinen Sinn. In Schleswig-Holstein, wo das Digitalradio bislang in Kiel und Lübeck angeboten wird, ist bisher kein einziger der regionalen Privatsender per DAB+ zu empfangen.

Knuth: Ich habe in der Tat nicht zwingend den Eindruck, dass die Privaten in Norddeutschland mitmachen, wenn es keine Unterstützung gibt. 600 Millionen Euro sind eine Menge Geld, um dem Radio ein unabhängiges Sendenetz zu erhalten. Die DAB+-Debatte erinnert an die Versuche, Whatsapp zu bekämpfen, indem man das SMS-System modernisiert.

 Interview: Imre Grimm

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