Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Nix mit Nachwuchs: Pinguin-Paar ist schwul
Nachrichten Norddeutschland Nix mit Nachwuchs: Pinguin-Paar ist schwul
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:17 14.04.2016

Noch watscheln „Stan“ und „Olli“ etwas unbeholfen durch die Eismeerwelt des Hamburger Tierparks Hagenbeck. Ihre Mitbewohner, die Eselspinguine, sind jetzt mitten in der Brut und keifen die „Neuen“ an, wenn sie zu nah ans Nest kommen. Sichtlich irritiert recken die deutlich größeren Königspinguine mit dem markanten gelben Latz den Hals und suchen sich eine ruhigere Ecke ihres auf drei bis vier Grad gekühlten Geheges. Bis vor wenigen Tagen waren „Stan“ und „Olli“ noch im Zoologischen Garten Berlin und galten dort als Paar.

Die Königspinguine „Stan“ (oben) und „Olli“ haben bislang nur Augen füreinander. Quelle: Fotos: Dpa

„Sie sind relativ monogam.“ „Hagenbeck-Tierärztin Adriane Prahl

„Schwul? Schwer zu sagen“, Hagenbeck-Tierärztin Adriane Prahl zuckt mit den Schultern. „Sie sind ja erst ein paar Tage hier.“ Besonders in Zoos könne dies auch an der geringen Auswahl der potenziellen Partner liegen. Königspinguine leben in der Antarktis, werden bis zu knapp einen Meter groß und sind damit die zweitgrößte Pinguin-Art. „Sie sind relativ monogam“, sagt die Tierärztin.

Einmal im Jahr legt das Weibchen ein Ei, das dann von beiden „Eltern“ abwechselnd ausgebrütet wird.

Bei Hagenbeck ist man sich noch nicht so sicher, ob man bei den Namen „Stan“ und „Olli“ bleibt. „Wir nennen sie jetzt erstmal ,Kalle‘ und ,Grobi‘“, sagt Pinguin-Pfleger Dave Nelde. „Kalle“, geboren 1988, finde die Eselspinguine schockierend. „Die wuseln ihm zu schnell um ihn herum.“ „Stan“ und „Olli“ sind Teil des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms EEP. Damit versuchen Tierparks für bestimmte Tierarten gesunde Genpools zu bilden. Der Koordinator, in diesem Fall der Zoo im schottischen Edinburgh, legt fest, wer wann wohin wechseln muss.

„Wir sind mit den Königspinguinen erst seit drei Jahren beim EEP dabei“, sagt Tierärztin Prahl. „Da bekommt man erst einmal nur die Tiere, die überzählig sind. Und es gibt einen großen Überschuss an Männchen.“ In Berlin haben sich „Stan“ und „Olli“ bislang konsequent ihrer Aufgabe als Mitglieder des Erhaltungsprogramms entzogen. Die Weibchen in der Berliner Kolonie haben sie nicht interessiert. „Die sind schwul, soweit wir wissen“, sagt Zoo-Sprecherin Christiane Reiss. „Die haben nie gebrütet. Wenn es an die Balz ging, haben die beiden nur miteinander gebalzt.“

„Stan“ und „Olli“ sind im Tierreich kein Einzelfall. Zahllose Berichte beschreiben homosexuelle Geier, Grauwale, Schafe, Delfine, Möwen oder Zwergkakadus. Das Naturhistorische Museum in Oslo widmete dem Phänomen vor einigen Jahren eine international beachtete Ausstellung. Unter Pinguinen hätten Forscher zehn Prozent homosexuelle Paare ausgemacht, hieß es damals. Zu den berühmtesten Vertretern schwuler Tierpaare zählen „Roy“ und „Silo“, ein Pinguin-Paar im Zoo von New York. Sie brüteten ein Ei aus, das ihnen die Tierpfleger untergeschoben hatten und heraus kam ein Pinguin-Mädchen, „Tango“.

Daraus entstand sogar ein preisgekröntes Kinderbuch „Zwei Papas für Tango“. Nach einigen Jahren wechselte „Silo“ allerdings die Seite und tat sich mit dem Weibchen „Scrappy“ zusammen.

Mit einer Neuorientierung von „Stan“ und „Olli“ in Hamburg ist nicht zu rechnen — bei Hagenbeck gibt es bei den Königspinguinen ausschließlich Männchen, quasi eine Junggesellengruppe. „Wir hoffen, dass wir bald auch Weibchen bekommen“, sagt Tierärztin Prahl.

Von Matthias Benirschke

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Mutter: „Ich werde mir nie verzeihen“.

14.04.2016

Treffen in Henstedt-Ulzburg — Kann der Krach im Vorstand beigelegt werden?.

14.04.2016

Schleswig-Holsteins Initiative setzt sich bei Verkehrsministerkonferenz durch — Kritik von der CDU.

14.04.2016
Anzeige