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Norddeutschland Neue Schleuse wird erst 2024 fertig
Nachrichten Norddeutschland Neue Schleuse wird erst 2024 fertig
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19:16 11.10.2018
Blick auf die Schleusen am Nord-Ostsee-Kanal in Brunsbüttel: Der Bau der neuen, fünften Schleusenkammer verzögert sich bis mindestens 2024. Quelle: Rehder/dpa
Berlin/Kiel

Schon wieder verzögert sich ein Infratsruktur-Großprojekt: Die dringend benötigte fünfte Schleuse des Nord-Ostsee-Kanals in Brunsbüttel wird frühesten 2024 fertig, vier Jahre später als geplant. Das musste CSU-Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer jetzt einräumen. Politiker im Norden sind empört.

Nord-FDP: CSU-Bundesminister ist am Kanal desinteressiert

„Es rächt sich für den Norden erneut, dass das Bundesverkehrsministerium immer wieder als Beruhigungspille an die CSU gegeben wird“, schimpft der FDP-Fraktionschef im Kieler Landtag, Christopher Vogt. Der Liberale ist sich sicher: „Wenn es sich um ein Großprojekt in Bayern handeln würde, wäre ein solches Desinteresse der Hausspitze undenkbar.“ Anstatt sich „mit der unsinnigen PKW-Maut zu beschäftigen“, solle sich Scheuer besser um sein Kerngeschäft kümmern.

CSU-Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer muss einräumen, dass die neue Schleuse des Nord-Ostsee-Kanals vier Jahre später fertig wird. Dafür hagelt es scharfe Kritik aus dem Norden. Quelle: dpa

„Der Schleusenausbau muss endlich zur Chefsache werden“, fordert auch der Grünen-Abgeordnete Bernd Voß. Die Bauverzögerungen seien bedenklich. Die fünfte Schleuse sei für den Betrieb des Nord-Ostsee-Kanals lebensnotwendig, insbesondere, weil die schon bestehenden Schleusen über 100 Jahre alt seien und ebenfalls dringend saniert werden müssten. Dabei seien wichtige Wirtschaftsstandorte im Land wie Brunsbüttel, Rendsburg und Kiel von funktionsfähigen Schleusen abhängig.

Die SPD warnt vor einem Desaster wie beim Flughafen BER

„Die Schleuse in Brunsbüttel darf kein zweiter Berliner Flughafen BER werden“, warnt auch der SPD-Verkehrspolitiker Kai Vogel. Der CSU-Bundesverkehrsminister unterschätze die Wichtigkeit dieser Baumaßnahme offenbar. Der Kanal habe als meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt eine weit über Schleswig-Holstein herausgehende Bedeutung. Viele hundert Arbeitsplätze in Schleswig-Holstein und im Hamburger Hafen hingen von ihm ab. CDU-Ministerpräsident Daniel Günther müsse sich jetzt im Bund für den Bau der Schleuse stark machen. Und auch die Kostensteigerungen seien ja noch nicht einmal absehbar.

Der Fraktionschef der Kieler Landtags-FDP Christopher Vogt wirft CSU-Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer Desinteresse am Ausbau des Nord-Ostee-Kanals vor. Quelle: dpa

Tatsächlich soll der Bau der Schleusenkammer um mindestens 260 Millionen Euro teurer als geplant werden. Auch das geht aus dem Bericht von Scheuers Bundesverkehrsministerium an den Haushaltsausschuss des Bundestages hervor. Demnach kalkuliere man nun mit Gesamtkosten von 800 Millionen Euro. „Die Preissteigerung beruht wie so oft bei Großprojekten auf alten Schätzwerten“, ärgert sich der Grüne Bernd Voß.

Der Nord-Ostseekanal

Der Nord-Ostsee-Kanal, international „Kiel Canal“ genannt, verbindet auf knapp 100 Kilometer Länge die Elbmündung mit der Kieler Förde. Er ist die meistbefahrene künstliche Wasserstraße für Seeschiffe der Welt. Ihn passieren pro Jahr rund 30 000 Schiffe. Der Kanal wurd von 1887 bis 1895 gebaut. Bis 1948 hieß er Kaiser-Wilhelm-Kanal. In Brunsbüttel und Kiel-Holtenau hat der Kanal jeweils vier Schleusenkammern, je zwei große und zwei kleine. Weil es bei Defekten der alten Schleusen und den Reparaturarbeiten schnell zu einem Schiffsrückstau kommt, wurde in Brunsbüttel der Bau einer fünften Schleuse geplant. Sie sollte eigentlich 2020 eröffnet werden.

Das Ministerium selber macht Auseinandersetzungen zwischen Auftragnehmer und Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung, nicht vorhersehbare Sondierungen und Räumungen von Kampfmitteln sowie Neuplanungen wegen des schwierigen Baugrunds für die Verzögerung verantwortlich.

Nur verhaltene Kritik der Nord-CDU am Berliner CSU-Minister

„Das Hauptproblem ist die vorangegangene Kampfmittelräumung, die viel mehr Bomben zum Vorschein brachte, als erwartet“, sagt auch der CDU-Landtagsabgeordnete und Verkehrspolitiker Hans-Jörn Arp. Mit Kritik an seinem Berliner Unions-Kollegen Scheuer tut er sich schwer. Aber doch so viel: Es dürfe jetzt keine weiteren Kostensteigerungen und Zeitverzögerungen geben. „Ab jetzt muss gebaut werden“, sagt Arp. Der Nord-Ostsee-Kanal dürfe nie zum Nadelöhr für die Schifffahrt werden.

Wolfram Hammer

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