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Norddeutschland Nordische Filmtage: Preisregen für „Gegen den Strom“
Nachrichten Norddeutschland Nordische Filmtage: Preisregen für „Gegen den Strom“
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22:44 03.11.2018
Vier Mal durfte Juan Camillo Roman Estrada, Darsteller in „Gegen den Strom“, auf die Bühne, um Preise abzuholen – umrahmt von den Laudatorinnen Quelle: Olaf Malzahn
Lübeck

Es ist bei den Nordischen Filmtagen bisher nicht vorgekommen, dass ein Film gleich vier Auszeichnungen bekam. Die Komödie „Gegen den Strom“ des isländischen Regisseurs Benedikt Erlingsson hat es geschafft und nicht nur die beiden wichtigsten Preise gewonnen, den mit 12 500 Euro dotierten NDR Filmpreis und den LN-Publikumspreis (5000 Euro), sondern dazu auch den Baltischen Filmpreis (2500 Euro) und den Kirchlichen Filmpreis Interfilm (5000 Euro).

Bei den Nordischen Filmtagen wurden am Sonnabend in Lübeck Preise vergeben. Auf dem roten Teppich trafen die Stars des Festivals auf geladene Gäste.

Verkleideter Moderator

Doch vor der Preisvergabe erinnerten sich zwei alte Herren zunächst an die Anfänge der Filmtage: Rolf Hiller (90), der 1956 das Filmfestival erfand, und Moderator Yared Dibaba, als charmanter Tattergreis verkleidet. „Ich hab’ alles alleine gemacht, heute sind es sechs“, sagte Hiller. Das korrigierten die „jungen“ aktuellen Filmtage-Chefs Linde Fröhlich und Florian Vollmers dann allerdings und dankten den 60 Mitarbeitern des Filmtageteams.

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Als erstes durfte die Kinderjury ihren Preisträger verkünden: 5000 Euro gehen an Ted Kjellssson aus Schweden für seinen Film „Allein im All“ – er bedankte sich mit einer witzigen Videobotschaft. Später folgte ein wahrer Preisregen für „Gegen den Strom“ – völlig zu Recht. „Ein Film, der Mut macht in einer Zeit, in der es an positiven Erzählungen mangelt“, urteilte die NDR-Jury. „Mit filmischem Augenzwinkern, unterhaltsam und spannend, mit Einfallsreichtum, einer brillanten Protagonistin und der überwältigen isländischen Natur, wird der Zuschauer mitreißend, emotional und humorvoll mit globalen Problemen konfrontiert.“

Preisgekrönter Film behandelt Umweltfragen

„Gegen den Strom“ behandelt Umweltfragen, die derzeit viele Menschen bewegen. Mit Halla, hinreißend verkörpert von Halldóra Geirharðsdóttir, haben die Drehbuchautoren Benedikt Erlingsson und Ólafur Egill Egilsson zudem eine Hauptfigur geschaffen, die in mehrfacher Hinsicht als Identifikationsfigur tauglich ist. Unerschrocken geht die 49-Jährige gegen die ungezügelte Industrialisierung des Landes vor. Dass sie Stromleitungen kappt, ist allerdings alles andere als legal. Halla erscheint aber auch als einsamer Mensch. Vor vier Jahren schon hatte sie beantragt, ein Kind zu adoptieren. Nun endlich soll sie ein Mädchen aus der Ukraine, das beide Eltern verloren hat, zu sich nehmen dürfen.

Alle Preisträgerfilme

Die Gewinner der 60. Nordischen Filmtage sind:

NDR-Filmpreis, Publikumspreis der „Lübecker Nachrichten“, Kirchlicher Filmpreis Interfilm, Baltischer Filmpreis gehen an: „Gegen den Strom“, Regie: Benedikt Erlingsson, Island/Frankreich/Ukraine

Der in diesem Jahr erstmals ausgelobte Preis des Freundeskreises für das Beste Spielfilmdebüt geht an: „Die kleine Genossin“, Regie: Moonika Siimets, Estland

Dokumentarfilmpreis der Lübecker Gewerkschaften: „Die das Licht brachten“, Regie: Antti Haase, Finnland

Eine Lobende Erwähnung geht an: „Rodeo“, Regie: Raimo Joerand, Kiur Aarma; Estland / Finnland

CineStar-Preis: „Tracing Addai“, Regie: Esther Niemeier, Deutschland

Kinder- und Jugendfilmpreis: „Sommerkinder“, Regie: Gudrun Ragnarsdóttir, Island / Norwegen

Preis der Kinderjury: „Allein im All“, Regie: Ted Kjellsson, Schweden

Eine Lobende Erwähnung geht an: „Espen und die Legende vom Bergkönig“, Regie: Mikkel Brænne Sandemose, Norwegen / Irland / Tschechien

Am heutigen Abschlusstag des Festivals laufen nochmals alle Filme aus dem Spielfilmwettbewerb, darunter auch der Publikumspreisgewinner.

Weitere Informationen zu den Preisträgern und Jurybegründungen unter: www.nordische-filmtage.de

Es ist ein Vergnügen, Halla zu begleiten, wenn sie dagegen anzugehen versucht, dass unsere Welt immer reicher, aber auch unwirtlicher und kälter wird. Es kann einem dabei aber auch mulmig werden, zum Beispiel, wenn sie schließlich von einem internationalen Ermittlerteam gejagt wird. Das Übertriebene und Überzogene entlarvt die Wahrheit, die darin steckt. Seine Wärme, sein Witz, skurriler, Humor, sein Tiefgang, sein Witz, seine Kurzweiligkeit und nicht zuletzt die großartigen Landschaftsaufnahmen zeichnen den Film aus.

Erstmals Preis für bestes Spielfilmdebüt verliehen

Regisseurin Moonika Siimets gewann mit dem Eröffnungsfilm des Festivals, „Die kleine Genossin“, den zum ersten Mal ausgelobten Preis für das Beste Spielfilmdebüt, der mit 7500 Euro dotiert ist. Über den Kinder- und Jugendfilmpreis, dotiert mit 5000 Euro, freute sich Gudrun Ragnarsdóttir. Die Isländerin gewann mit „Sommerkinder“. Den mit 2500 Euro dotierten Dokumentarfilmpreis der Lübecker Gewerkschaften nahm Regisseur Antti Haase für seinen Film „Die das Licht brachten“ entgegen. Über den seit 2018 mit 5000 Euro ausgestatteten CineStar Preis für einen Kurzfilm im Filmforum freute sich die Berliner Regisseurin Esther Niemeier, deren Film „Tracing Addai“ gewann.

Zum Bühnenjubel passte der Sound: Die Bigband Salt Peanuts und das Damen-Duo Franz Albers & Käpt’n Kruse machten ordentlich Stimmung.

Petra Haase, Liliane Jolitz, Peter Intelmann und Regine Ley

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