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Norddeutschland Nordkirche fordert neue Asylpolitik
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11:31 21.09.2013
„Die europäische Flüchtlingspolitik ist gescheitert.“ Bischöfin Kirsten Fehrs
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Lübeck

Die noch junge Nordkirche ist erstmals mit einem starken politischen Signal an die Öffentlichkeit getreten. Im Travemünder Maritim Hotel forderte die Synode auf ihrer dritten Tagung gestern eine neue und humanitäre Lösung der europäischen Flüchtlingsfrage.

Mit dem Beschluss, der mit nur einer Gegenstimme und zwei Enthaltungen nahezu einstimmig gefasst wurde, stellt sich die Nordkirche demonstrativ an die Seite der Flüchtlingsorganisationen in Europa.

„Die bestehende Asylpolitik ist gescheitert“, sagte Kirsten Fehrs, Bischöfin für Hamburg und Lübeck. Die Politik werde in dem Beschluss aufgefordert, „eine Aufnahmepolitik zu schaffen, die ein Zusammenleben mit Flüchtlingen in Europa ermöglicht“. Zudem müsse die Abschottungspolitik beendet werden, die in erster Linie Flüchtlingsabwehr an den EU-Außengrenzen betreibe, fordern die 156 Synodalen. Appelliert wird in dem Beschluss auch an die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), sich mit Nachdruck für dieses Ziel auf europäischer Ebene einzusetzen.

Fehrs warb überdies für ein größeres Verständnis für Asylsuchende aus Südosteuropa, die hierzulande oft als „Wirtschaftsflüchtlinge“ gelten. „Niemand gibt ohne Grund seine Heimat auf“, sagte die Bischöfin. Daher sei es geboten, diesen Menschen mit Augenmaß und Humanität zu begegnen statt mit restriktiven Gesetzten.

St.-Pauli-Pastor Sieghard Wilm, der in seiner Kirche derzeit 80 afrikanischen Flüchtlingen Unterschlupf gewährt, appellierte an die 1000 Gemeinden der Nordkirche, ebenfalls Flüchtlinge aufzunehmen.

Gegenüber den LN zeigte sich der 48-Jährige begeistert darüber, dass es die Nordkirche in ihrem noch jungen Dasein geschafft habe, so schnell zu einem so eindeutigen Votum zu kommen. „Die Nordkirche hat ihre Handlungsfähigkeit bewiesen. Vor einigen Monaten hätte ich das noch nicht erwartet.“

Weitere Themen auf der Synode, die heute zu Ende geht, sind das Diakoniegesetz und ein Gesetzesentwurf zur Geschlechtergerechtigkeit innerhalb der Nordkirche. Eine gute Nachricht für die Synodalen lieferte Finanzdezernent Wichard von Heyden: Die Einnahmen durch die Kirchensteuer werden 2013 um zwölf auf 420 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr anwachsen.

Nur am Rande der Synode, aber noch nicht offiziell auf der Tagesordnung, war auch die „Lebensformdebatte“ ein Thema. Wie die LN erfuhren, wollen sich die Synodalen auf ihrer nächsten oder übernächsten Sitzung mit Fragen nach Segnungsgottesdiensten für schwule und lesbische Paare sowie dem Zusammenleben gleichgeschlechtlicher Partner in Pfarrhäusern befassen.

Oliver Vogt

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