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Obamas 3-D-Brille kommt aus Lübeck

Lübeck Obamas 3-D-Brille kommt aus Lübeck

Das Foto ging um die Welt: Obama und Merkel mit 3-D-Brillen auf der Hannover Messe. Was kaum jemand weiß: Die Software stammt vom Lübecker Start-up-Unternehmen Gestigon. Das Design entwarf eine Kieler Studentin.

Industriedesign-Studentin Angelina Barkschat (26) präsentiert das Card Board, eine 3-D-Brille, die sie im Praktikum bei der Firma Gestigon in Lübeck entworfen hat.

Quelle: Lutz Roeßler

Lübeck. Auf der Hannover Messe probierten Obama und Merkel Anfang der Woche eine 3-D-Brille aus. Was kaum jemand wusste: Das Produkt wurde in Lübeck entwickelt — beim Start-up-Unternehmen Gestigon. Für das Design zeichnet Praktikantin Angelina Barkschat verantwortlich. Die 26-Jährige ist Studentin an der Kieler Kunsthochschule.

LN-Bild

Software stammt vom Start-up-Unternehmen Gestigon — Kieler Studentin entwarf das Design.

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Die Mitarbeiter des Software-Unternehmens können ihr Glück kaum fassen. „Das Foto schafft es, eine Technologie, die bisher nur wenige kennen, auf ein präsidiales Level zu heben. Das ist unbezahlbar“, sagt Geschäftsführer Sascha Klement (37) begeistert. Bei Gestigon im Lübecker Hochschulstadtteil stapeln sich die Zeitungen: Frankfurter Allgemeine, Handelsblatt, Bild, Lübecker Nachrichten, Berliner Morgenpost, Tagesspiegel — sie alle hatten den amerikanischen Präsidenten und die Bundeskanzlerin mit einer lustigen 3-D-Brille mit Kulleraugen gezeigt. „Das zeigt wunderbar, dass die Technologie begeistern kann“, meint Klement. Auf einigen Aufnahmen reichen sich die beiden Politiker die Hände. „Die Bilder zeigen auch noch die Interaktion, die mit der 3-D-Brille möglich ist.“ Dahinter steckt die Software von Gestigon, die es schafft, die Daten aus der integrierten 3-D-Kamera zu verarbeiten. So können Formen und Gesten erkannt werden. „Wir sind weltweit die ersten, die so etwas gemacht haben“, erklärt Klement.

Vor etwa zwei Monaten kam Angelina ins Spiel. Im Rahmen eines Praktikums entwarf die Industriedesign-Studentin mit Schwerpunkt Interface Design die Brille aus festem Karton, die auf dem Google-Cardboard basiert. Das ursprüngliche Design wurde um eine Kamerahalterung ergänzt, ist deutlich stabiler und hat einen höheren Tragekomfort. Eingeklebte Linsen ermöglichen ein dreidimensionales Bild, Klettverschlüsse fixieren ein Smartphone, auf dem man 3-D-Spiele spielen kann. Der Clou aber sei die Tiefenkamera der Firma PMD Technologies AG, die Interaktion ermögliche.

Sie misst, wie lange das Licht auf dem Weg zur Linse benötigt. Das erlaubt — anders als bei gewöhnlichen Fotos — ein Vermessen von Gegenständen und Abständen. Nur so sei der Händedruck zwischen Angela Merkel und Barack Obama möglich gewesen, erklärt Klement.

Entstanden ist das Produkt ursprünglich für einen sogenannten Hackathon, einen Entwickler-Wettbewerb, der kommendes Wochenende in New York stattfindet. Dazu hat Gestigon gemeinsam mit der PMD Technologies AG die Virtual-Reality-Brille entwickelt, wie es korrekt heißen müsste. Dass dieses Produkt dann schon auf der Hannover Messe präsentiert werden konnte, dass Obamas Route genau am PMD-Stand entlang führte, dass er sich ausgerechnet diese Brille genauer ansah und sie aufprobierte — purer Zufall.

Die Gestigon-Mitarbeiter entdeckten am Montag die ersten Fotos ihrer Brille im Netz. „Das fanden wir schon gut. Aber erst viel später haben wir realisiert, dass es d a s Motiv von Obamas Auftritt in Hannover war“, erzählt Klement. Freunde und Familienmitglieder haben zunächst gar nicht glauben können, dass es ein Gestigon-Produkt war. „Mein Professor ist total stolz auf meine Arbeit“, berichtet Angelina Barkschat. Sie selbst hatte einen freien Tag und bekam von dem ganzen Rummel nichts mit. Erst abends riefen Freunde an und empfahlen ihr, den Fernseher einzuschalten.

Das Design spielt schon eine große Rolle, meint der Geschäftsführer. „Die Augen tragen dazu bei, dass eine Nähe zum Betrachter entsteht.“ Dazu hatte Angelina verschiedene Varianten erstellt. Auch die Augenpartie der Zeichentrickfiguren Minions war im Rennen — wurde aber verworfen. Am Ende wurden Kulleraugen aufgeklebt.

50 Card Boards werden derzeit für den Hackathon produziert. Eine gute halbe Stunde dauert der Bau der Brille aus Buchbinderkarton, der mit dem Lasercutter geschnitten und danach zusammengesteckt wird. Unklar ist aber, ob das reichen wird. „Die Anmeldungen für den Hackathon sind gestiegen“, berichtet Thomas Klähn, verantwortlich für die Software der 3-D-Brille.

Bei dem Wettbewerb sollen innerhalb von 24 Stunden Anwendungen für die Brille entwickelt werden. Ihr Einsatz sei denkbar am Arbeitsplatz, bei 360-Grad-Videos, bei Spielen, aber auch in der Mitarbeiterqualifizierung, erklärt Konrad Köppe, der den Bereich „Virtual Reality“ verantwortet. So könnte das Bedienen neuer Maschinen beispielsweise mit der Virtual-Reality-Brille trainiert werden.

Inzwischen 32 Mitarbeiter

2011 wurde Gestigon von Sascha Klement, Thomas Martinetz und Erhardt Barth gegründet, ein halbes Jahr später stieg Moritz von Grotthuss als Mitgründer ein. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Lübeck und ein Büro im Silicon Valley. Mittlerweile beschäftigt Gestigon 32 Mitarbeiter, den Großteil davon in Lübeck. Das Unternehmen entwickelt Software zur berührungslosen Steuerung von Geräten auf der Basis von 3-D-Daten. Die Software lässt sich vor allem in Fahrzeugen einsetzen, etwa zur Überwachung des Fahrers oder auch zur Steuerung des Radios — durch einfache Wischbewegungen. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.gestigon.com

Von Julia Paulat

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