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Norddeutschland Ötzi-Figur als neuer Museums-Star
Nachrichten Norddeutschland Ötzi-Figur als neuer Museums-Star
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20:47 22.06.2017
Die einzige Nachbildung des Ötzi außerhalb Bozens ist in Wittenburg im Mehl-Welten-Museum ausgestellt. Der „Mann aus dem Eis“ gilt als erster Mensch, von dem bekannt ist, dass er Getreide gegessen hat. Quelle: Fotos: Jens Büttner/dpa
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Wittenburg

. Was einst als Sammlung von Mehlsäcken begann, ist heute auf dem Weg zum „Wissensforum Getreide“: das Museum „Mehl-Welten “ in Wittenburg (Landkreis Ludwigslust-Parchim). Für das Museum eine Autostunde von Hamburg entfernt wurde mit Ötzi ein echter Promi gewonnen. Die einzige Nachbildung des Ötzi außerhalb Bozens in Italien – sozusagen eine Kopie der Kopie – steht im Eingangsbereich der neuen, zweiten Ausstellungsetage des Museums, die gestern eröffnet wurde.

Schau zur Geschichte des Getreides: Die „ Mehl-Welten“ in Wittenburg erweitern Ausstellungsfläche.

„Ötzi kann die Geschichte des Getreides erklären, die vor etwa 10000 Jahren begann“, sagte Museumsgründer Volkmar Wywiol. Der „Mann aus dem Eis“, dessen 5300 Jahre alte Mumie 1991 in den Ötztaler Alpen gefunden worden war, gilt als erster Mensch, von dem bekannt ist, dass er Getreide gegessen hat. In den Resten seines Fellmantels seien zwei Körner des damals kultivierten Einkorns gefunden worden, sagte der Geschäftsführer der Stern-Wywiol- Gruppe Hamburg, der seit 1998 Mehlsäcke sammelt und ihnen vor zehn Jahren ein Museum widmete.

Die Direktorin des Südtiroler Archäologiemuseums in Bozen, Angelika Fleckinger, bestätigte, dass auch in Ötzis Magen und Darm Getreide gefunden wurde. „Es wurde wahrscheinlich auch schon Brot gebacken. Darauf weisen Kohlepartikel hin“, erläuterte sie. Diese Verbindung zum Getreide habe sie bewogen, der Kopie des Ötzi in Norddeutschland zuzustimmen. Einziger Unterschied: der Wittenburger Ötzi trägt ein Beil mit Kupferklinge, wie es im Umfeld der Mumie entdeckt worden war, der Bozener trägt Pfeil und Bogen. Die 1,60 Meter große Figur wurde in Manila aus Harz und Gummi gefertigt, die Hose ist aus Ziegenfell. Außerdem trägt er Lendenschurz und Bastschuhe.

Die weiteren neuen Ausstellungsräume des Museums zeigen die Geschichte des Getreides und seinen Einfluss, den es auf die Kultur des Menschen genommen hat, wie Kurator Oliver Seifert erläuterte. „Die Kultivierung des Wildgetreides hat alles verändert für den Menschen. Mit dem Anbau ist er sesshaft geworden.“ Zudem habe erst der Getreideanbau das Wachstum der Menschheit und letztlich das Entstehen von Hochkulturen ermöglicht, sagte der Kunsthistoriker. Weitere Ausstellungsteile sollen die Themen Getreide und Mehl in den Religionen der Völker sowie die technische Entwicklung in Landwirtschaft und Müllerei darstellen.

Die untere Etage des Museums umfasst eine Sammlung von 3400 Mehlsäcken aus 137 Ländern. Sie bestehen aus Papier oder Polyethylen, seltener aus Leinen oder Baumwolle. Geordnet wurden sie nach den Motiven, mit denen sie bedruckt sind. Häufig sind es solche, die Lebenskraft symbolisieren, aber auch moderne Technik, Glückssymbole oder nostalgische Darstellungen und sogar Waffen.

Für das Museum habe er von der Stadt das frühere Wittenburger Amtsgerichtsgebäude angeboten bekommen, berichtete Wywiol. Sein Unternehmen, die Mühlenchemie GmbH als Unternehmen für die Mehlbehandlung, sei eng mit der weltweiten Müllerei verbunden. „Unser Anliegen ist es, die Bedeutung des Mehls ins Zentrum der Kunst und des Wissens zu stellen.“ Wywiol versicherte, dass das Museum künftig häufiger als bisher geöffnet haben werde.

Zumindest von März bis Oktober soll an jedem Sonntag und jedem zweiten Samstag geöffnet sein, in den Wintermonaten nur jeden zweiten Sonntag. Nach Absprache könne das Haus auch in der Woche besichtigt werden, etwa von Schulklassen. Mit Ötzi als Zugpferd hofft Wywiol jetzt vor allem aus Besucher aus Hamburg und Umgebung.

Birgit Sander

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