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Norddeutschland Oldtimer als Wertanlage besser als der Dax
Nachrichten Norddeutschland Oldtimer als Wertanlage besser als der Dax
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19:13 28.09.2018
Frank Urban ist begeistert von seinem Jeep, den er einem Hamburger Abenteurer abgekauft hat. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Oldtimer als Wertanlage – die Idee ist nicht neu, doch sie gewinnt immer mehr Freunde. Im Gegensatz zu Neuwagen verlieren die Nostalgie-Gefährte kaum an Wert, im Gegenteil. Der Oldtimer-Index (OTX) legte in den vergangenen Jahren mehr zu als der Dax. In den letzten zehn Jahren wuchs die Zahl der Autos, die älter als 30 Jahre sind und sich daher Oldtimer nennen dürfen. Auch im Norden hüten viele ihre vierrädrigen Schätze.

Die Augen von Frank Urban (70) aus Ovendorf (Ostholstein) leuchten, wenn er von seinem Oldtimer spricht. „Das ist ein Jeep von 1951“, schwärmt er. Er steht in der angemieteten Garage, die dem gelbolivfarbenen Ungetüm als Zuhause dient. Ein Auto, das reduziert ist auf das Wesentliche, statt einem richtigen Dach nur eine Plane hat. Und eine Seilwinde vorne, für alle Fälle. „Die Winde allein wird mit 6000 Dollar gehandelt“, weiß Urban.

Der Jeep eines Abenteurers

Den Jeep als solchen habe er 1976 gekauft, von einem Hamburger Afrika-Abenteurer, für 7500 Mark. „Der brauchte wohl Geld.“ Urban zögerte nicht lange. Er investierte viel Zeit und Arbeit, auch Werkstattkosten. Zusammengerechnet hat er es nicht, doch es war nicht zu viel: Der Wert des Wagens betrage heute laut Liste rund 20 000 Euro. Urban indes winkt ab. „Verkaufen: kein Interesse“, stellt er kategorisch fest. „Den kriegt mein Sohn mal.“

Ein Jahr nach dem Kauf habe noch der frühere Besitzer angerufen. „Der wollte ihn zurückhaben. Aber ich hab’ gesagt: Nö.“ Von so einem Auto werde er sich nicht mehr trennen, bekräftigt der ehemalige Krankenhaus-Manager. Er zeigt begeistert den Schnorchel, mit dem der Motor auch unter Wasser noch Luft bekommt, für den Auspuff gibt es einen entsprechenden Aufsatz. Früher habe er das mal getestet, doch geeignete Gelände dafür zu finden, werde immer schwieriger. So nimmt Urban, der im Oldtimerverein DAVC ist, lieber an Oldtimerrallyes teil. Im Sommer, versteht sich. „Im Winter ist es dafür zu kalt.“

Auch Vereinskollege Günter Hulboj (74) aus Lübeck schont seinen museumsreifen BMW 700 Cabrio von 1964 im Winter lieber. „Wenn es regnet und er nass wird, wische ich ihn ab. Und einmal im Jahr wird er richtig gewachst“, verrät der ehemalige Vertreter einer Ölfirma. Beruflich sei er viel unterwegs gewesen. So habe er auch den BMW gefunden. „So einen ähnlichen hatte ich früher schon mal, aber nicht als Cabrio.“

Verliebt in ein Cabrio

Das schnuckelige Wägelchen, das von einem Motorrad-Boxermotor mit 500 Kubik und 40 PS angetrieben wird, stand bei einem Autohändler in der Lüneburger Heide. „Der wollte es erst nicht hergeben.“ Doch der Öl-Deal war zu wichtig, und Hulboj machte ihn listig vom BMW-Verkauf abhängig. Stolze 30 000 Mark bezahlte er für das damals schon sehr seltene Gefährt. Heute ist es rund 35 000 Euro wert. In die Erhaltung habe er nicht viel investieren müssen, freut sich Hulboj. Insofern eine prima Wertanlage, wobei auch Hulboj schwört: „Den verkauf’ ich nicht.“

Lübecker Oldtimer-Besitzer zeigen, was ihnen lieb und teuer ist.

Kfz-Meister Stefan Jans (38), der in seiner Lübecker Werkstatt alte Autos restauriert, findet das nachvollziehbar. „Im Grunde muss der Idealismus vorne stehen“, stellt er fest. Der Wertzuwachs der Oldtimer sei „ein angenehmer Nebeneffekt“. Immer verursache die Erhaltung ja auch Kosten. Das Auto müsse bewegt werden, man brauche eine Garage. Jans, der schwerpunktmäßig historische Citroens wartet, zeigt einen komplett restaurierten D-Super von 1972. „Dieser kostet 30 000 Euro und ist schon verkauft.“ Gebaut wurden die legendären Limousinen bis Mitte der Siebziger Jahre, zu D-Mark-Zeiten waren sie leicht für rund 10 000 Mark zu bekommen. „Je nach Zustand und Ausstattung“, schränkt Jans ein. Das sei bei jedem Modell so. „Irgendwann ist es nur ein altes Auto. Und dann drehen sich die Leute danach um.“ Das sei der Beginn der Wertsteigerung.

Marcus Stöcklin

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