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Norddeutschland Opfer ruft vergeblich um Hilfe
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22:21 05.11.2013
Die Feuerwehr leuchtet den Tatort im Barsbütteler Soltausredder für die Polizei aus. Mit mehreren Messerstichen wurde hier ein 38 Jahre alter Mann um kurz nach Mitternacht getötet. Quelle: Fotos: Leimig, Burmester
Barsbüttel

Ein dramatischer Todeskampf hat sich in der Nacht zu gestern in einem Barsbütteler Wohngebiet (Stormarn) abgespielt. Blutspuren, rings um mehrere Wohnhäuser auf Wänden und Gehwegen verteilt, zeugen am Tag danach davon. Mit schweren Stichverletzungen hatte ein 38-jähriger Mann verzweifelt versucht, durch Klopfen und Klingeln auf sich aufmerksam zu machen.

Doch als ein Anwohner ihn endlich entdeckte, war er bereits tot.

Gegen 0.30 Uhr, teilte die Polizeidirektion Lübeck gestern mit, war es in der Straße Soltausredder zu einem Streit zwischen fünf Beteiligten gekommen. Alle Männer sollen einen russischen Migrationshintergrund haben. Worum es bei ihrem Streit ging, sagen Polizei und Staatsanwaltschaft bislang nicht. Zwischen zwei von ihnen sei der Streit dann in eine blutige Konfrontation eskaliert.

„Der Tatverdächtige hat dabei offenbar mehrfach auf sein Opfer eingestochen“, erklärt Polizeisprecher Stefan Muhtz.

Der gebürtige Russe mit Wohnsitz in Geesthacht schleppte sich nach dem Angriff stark blutend in die Wohnsiedlung Solkowskyweg. Dort klopfte und klingelte der Verletzte offenbar an mehreren Häusern, bis er in einen Kelleraufgang fiel und dort — am Ende seiner Kräfte — leblos liegen blieb. Als Anwohner den Mann gegen 1 Uhr schließlich fanden und den Notarzt alarmierten, konnte der nur noch den Tod des 38-Jährigen feststellen. Noch in der Nacht nahm die Polizei zwei Männer vorläufig fest, zwei weitere stellten sich bei der Polizei in Barsbüttel. Unter den beiden Letzteren ist auch der Hauptverdächtige, ein 33 Jahre alter Mann aus Barsbüttel, ebenfalls gebürtiger Russe. Er soll dem Opfer die tödlichen Stiche beigebracht haben. Der Mann wird heute im Laufe des Tages dem Haftrichter in Lübeck vorgeführt. „Wir verdächtigen ihn wegen Totschlags“, sagt der Lübecker Oberstaatsanwalt Günter Möller. Ob der Mann geständig ist, ließen die Ermittlungsbehörden aus den obligatorischen „ermittlungstaktischen Gründen“ gestern noch offen.

Die Menschen, die in der Nähe des Tatorts leben, wagen es derweil nur, sich hinter vorgehaltener Hand zu dem Fall zu äußern. Kaum jemand hat etwas gesehen, kaum jemand hat etwas gehört. Eine Bewohnerin des Mehrfamilienhauses, vor dem die Tat geschehen ist: „Ich habe zweimal jemanden etwas rufen hören. Aber es hat nicht nach Streit geklungen.“ Später habe sie sich zwar über den Lärm vor dem Haus gewundert, sich aber nichts dabei gedacht.

Auch eine ältere Dame, die in einem der Einfamilienhäuser mit gepflegtem Vorgarten wohnt, hat erst etwas mitbekommen, als die Polizei mitten in der Nacht bei ihr geklingelt hat, erzählt sie. Von den verzweifelten Versuchen des Mannes, um Hilfe zu bitten, merkte sie offenbar nichts.

Auch ein Nachbar, der gerade Einkäufe aus dem Kofferraum seines Autos holt, habe nur gesehen, dass die Polizei in der Nacht alles abgesperrt hat. „Die Feuerwehr hat alles hell erleuchtet“, sagt der Barsbütteler, der wie alle anderen Befragten unerkannt bleiben möchte. Zu den möglichen Tätern könne er nichts sagen. Er habe Angst. Dafür möge man doch bitte Verständnis haben.

Tötungsdelikte im Strafgesetzbuch (StGB)

§ 227 StGB: Körperverletzung mit Todesfolge. „Verursacht der Täter durch die Körperverletzung den Tod einer Person, so ist die Strafe Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren.“
§ 212 StGB: Totschlag. „Wer einen Menschen tötet, ohne Mörder zu sein, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren bestraft.“

§ 211 StGB: Mord. „Mörder ist, wer aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen, heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln oder um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken, einen Menschen tötet. Der Mörder wird mit lebenslanger Freiheitsstrafe bestraft.“

Oliver Vogt und Jens Burmester

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