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Norddeutschland Ortstermin im umstrittenen Jugendheim
Nachrichten Norddeutschland Ortstermin im umstrittenen Jugendheim
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20:21 19.05.2016
Manuel Feldhues (r.), Inhaber der Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung Rimmelsberg: Sein neuer Geschäftsführer Volker Clemens soll eine korrekte Betreuung sicherstellen.

Der Inhaber der umstrittenen Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung Rimmelsberg bei Flensburg, Manuel Feldhues, hat pädagogische Missstände in seiner Einrichtung „Hof Seeland“ zugegeben. Man habe das Haus aber seit Januar umgekrempelt, alte Mitarbeiter entlassen und neue Betreuer und neues Leitungspersonal eingestellt. Gestern lud die Einrichtung die Presse zum Ortstermin.

Rimmelsberg-Betreiber öffnet seine Türen und räumt Versäumnisse ein – Viele Veränderungen seit Januar.

Skandal begann 2015

Als der im Juni 2015 durch die Presse öffentlich gemacht wurde, nahm die Heimaufsicht auch andere Jugendeinrichtungen genauer unter die Lupe. So geriet auch die Einrichtung „Rimmelsberg“ nach einer Reihe von Beschwerden Jugendlicher in den Fokus der Heimaufseher des Kieler Sozialministeriums. Der Betreiber gelobt jetzt Besserung.

Ein militärischer Tonfall, entwürdigende Erziehungsmaßnahmen, ein Strafpunktesystem, Kontaktverbote: Die Vorwürfe Jugendlicher gegen die Einrichtung waren zuletzt massiv. „Es sind Fehler gemacht worden, das wird hier niemand schönreden“, sagt auch der neue Geschäftsführer Volker Clemens. Das umstrittene Punktesystem, mit dem Kinder für schlechte Leistungen noch bis 2015 bestraft wurden, sei aber inzwischen gestoppt worden. „Die damalige pädagogische Leitung war überlastet, und es hat keine Kontrolle gegeben“, sagt Clemens. Es sei zu häufig Nein gesagt worden, sagt Christina Reddmann, die seit Januar neue pädagogische Leiterin ist. Sie ist studierte Sozialpädagogin, ihre Vorgängerin habe lediglich eine Erzieherinnen-Ausbildung vorweisen können. Außerdem habe sie jetzt eine Assistentin an ihrer Seite, könne die einzelnen Häuser und Gruppen oft und unangemeldet besuchen und kontrollieren. Zuvor konnten die Haus- und Gruppenleiter offenbar recht unkontrolliert machen, was sie wollten, soll das wohl heißen.

Feldhues übernahm die insgesamt acht Rimmelsberg-Häuser im Jahr 2012 von seiner Mutter. Der gelernte Erzieher berichtet, er habe sich vorher überwiegend wie ein Hausmeister lediglich um die handwerkliche Seite des Betriebs gekümmert.

Wuchs ihm dann als Chef alles über den Kopf? Feldhues antwortet auf solche Fragen ausweichend. Er sei zum Beispiel sehr damit beschäftigt gewesen, neue Genehmigungen einzuholen, sagt er. Auch wirtschaftliche Probleme räumt er ein. Er habe „einen Scherbenhaufen vorgefunden“, als er den Rimmelsberg übernahm. Der Kontakt auch in diesen Fragen mit der Heimaufsicht der Kieler Sozialministeriums sei aber eng.

Die Schlagzeilen der vergangenen Wochen hätten leider auch dazu geführt, dass Jugendämter Jugendliche aus der Einrichtung heraus geholt hätten, auch sechs minderjährige unbegleitete Flüchtlinge, sagt Geschäftsführer Volker Clemens. Derzeit sind im Hof Seeland nur vier der 16 Plätze für Jungen belegt. Ein Unternehmensberater bereite zudem gerade die Umwandlung der „Kinder- und Jugendhilfe Rimmelsberg“ in eine gemeinnützige GmbH vor. Eigentlich war das schon für den September 2016 vorgesehen gewesen. Jetzt rechne man damit nicht vor Anfang des Jahres 2017.

Und die Heimaufsicht? Die sei vor Sommer 2015 selten da gewesen, heißt es in der Einrichtung. Nach dem Öffentlichwerden des Friesenhof-Skandals in Dithmarschen durch Presseberichte kamen die Prüfer dann plötzlich aber öfter auch nach Rimmelsberg. Geschäftsführer Volker Clemens beschreibt das Verhältnis zur Heimaufsicht inzwischen als gut. „Wir fordern die Heimaufsicht auch für Beratung an“, sagt er.

Seit Juli 2015 gab es nach Angaben der Heimaufsicht elf örtliche Prüfungen in verschiedenen Einrichtungen des Trägers. Anlass seien 13 Meldungen und Beschwerden gewesen, die zwischen Juli 2015 und Anfang Mai 2016 im Sozialministerium eingegangen seien.

Wolfram Hammer

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