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Norddeutschland Osteuropäische Autoknackerbande vor Gericht
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16:13 05.09.2016
In Schleswig müssen sich neun Männer verantworten, die unter anderem in Schleswig-Holstein mehrere Autos gestohlen haben sollen. Quelle: dpa
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Kiel/Schleswig

Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen hat am Montag in Schleswig ein Prozess gegen eine litauische Autoknacker-Bande begonnen. Die Kieler Staatsanwaltschaft wirft den neun Angeklagten vor, in wechselnder Beteiligung zahlreiche Einbrüche begangen und teure, gestohlene Autos nach Osteuropa verschoben zu haben. Die Männer sollen von Dezember 2013 an unter anderem in Schleswig-Holstein aktiv gewesen sein. Nach langwierigen Ermittlungen nahmen Beamte einer Sonderkommission im Herbst 2015 zeitgleich in Litauen und in vier Bundesländern mutmaßliche Bandenmitglieder fest.

Die 10. Große Strafkammer des Kieler Landgerichts tagte aus Platzgründen im Gebäude des Schleswiger Oberverwaltungsgerichts. Für zwei Justizbeamte für jeden der neun Angeklagten, Verteidiger, zwei Staatsanwälte und sechs Dolmetscherinnen war im Kieler Landgericht kein Raum groß genug. Der Vorsitzende Richter bat die Verteidiger, aus Sicherheitsgründen in den Verhandlungspausen auf ihren Plätzen zu bleiben, bis die Angeklagten aus dem Saal geführt worden sind. Die Angeklagten wurden ermahnt, nicht miteinander zu reden. Um Absprachen zu verhindern, sind die neun Männer derzeit auf Gefängnisse in Flensburg, Kiel, Neumünster, Itzehoe und Lübeck verteilt. Die Verfahren gegen fünf ihrer mutmaßlichen Komplizen laufen gesondert.

Bei der Verlesung der insgesamt 213 Anklagepunkte wechselten sich die beiden Vertreter der Staatsanwaltschaft ab. Die Angeklagten wirkten oft gelangweilt, manche legten die Kopfhörer ab und kappten so die Verbindung zu den Simultandolmetscherinnen.

Wenn die Männer gestehen, sollen Haftstrafen zwischen 26 Monaten bis zu sechs Jahren verhängt werden - darauf hatten sich Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidiger bereits im Vorfeld geeinigt. Angesichts einer solchen Verständigung könnten bereits am vierten Verhandlungstag die Plädoyers gehalten und das Urteil verkündet werden, sagte der Vorsitzende Richter.

Den Gesamtschaden bezifferten die Ankläger auf rund 1,5 Millionen Euro. Die Angeklagten ließen auf ihren Beutezügen alles mitgehen, was nicht niet- und nagelfest war, durchsuchten bei aufgebrochenen Autos sogar die Aschenbecher. Neben Billig-Werkzeug aus einem Baumarkt listeten die Staatsanwälte als Beute unter anderem eine Kiste Bier und eine Packung Kaffee auf, dazu einen Schulranzen, einen Christbaumständer sowie alte Reifen.

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