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Norddeutschland Ostsee-Aal: Die Reusen bleiben leer
Nachrichten Norddeutschland Ostsee-Aal: Die Reusen bleiben leer
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21:14 10.06.2016

Sorge um den Aal: Die Umweltstiftung WWF empfiehlt, den Fisch komplett vom Speiseplan zu streichen, weil er so selten geworden ist. Tatsächlich wird der Aal in der Ostsee kaum noch gefangen.

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Jürgen Reisdorf (54) vom Fischereihof Hemmelsdorf (Kreis Ostholstein) räuchert täglich frisch – darunter auch Aal aus Aquakultur.

Nach drei Wochen hat Bodo Willert aufgegeben. „Ich hatte 30 Körbe draußen, aber es war kein einziger Aal drin“, berichtet der Nebenerwerbsfischer aus Sierksdorf. Jetzt hat er die Reusen eingeholt.

Schon in den vergangenen Jahren sei der Rückgang der Aale deutlich erkennbar gewesen, erzählt Willert, der den Fischereiverein Haffkrug-Sierksdorf-Scharbeutz führt. Noch vor 20 bis 30 Jahren war das anders. Allein in Haffkrug gab es bis zu acht Aalräuchereien. Heute gibt es dort keine mehr. „Weil der Ostsee-Aal nicht mehr da ist“, meint Heinz Brockmann, der seinen Laden nach 50 Jahren aus Altersgründen aufgegeben hat.

Der WWF rät vom Verzehr von Aal ebenso ab wie von Hai, Schnapper, Granatbarsch und Blauflossenthunfisch. Ihre Bestände seien massiv dezimiert. „Aale sind sogar vom Aussterben bedroht“, sagte WWF-Fischereiexpertin Catherine Zucco jetzt bei der Präsentation des neuen Fisch-Ratgebers. „Jeder Aal, der hier gegessen wird, hat nicht zum Erhalt seiner Art beigetragen“, ergänzt WWF-Sprecherin Britta König. Denn die Tiere laichen nur einmal kurz vor ihrem Tod in der Sargassosee im westlichen Atlantik. Empfohlen werden hingegen Heringe und Sprotten. Allgemein empfiehlt der WWF, Fisch nur in Maßen zu genießen. Wildfisch sei eine begrenzte Ressource, betonte Zucco.

Die Aalfischerei unterliegt schon seit 2007 einer Reglementierung durch die EU. Auch die Fischer in Schleswig-Holstein müssen täglich an die Obere Fischereibehörde melden, wie viele Reusen sie aufgestellt und wie viele Aale sie darin gefangen haben. Hintergrund ist die dramatische Abnahme des Glasaals an den Europäischen Küsten. Vor allem in Ländern wie Spanien und Frankreich sollen die jungen Fische jahrelang in großen Mengen weggefangen worden sein. Ihr Aufkommen beträgt heute nach Auskunft des Kieler Umweltministeriums nur noch rund ein bis zwei Prozent der ursprünglichen Menge.

Berufsfischer Bruno Wellm aus Neustadt geht davon aus, dass die Aalfischerei wie bereits in Norwegen auch in Deutschland verboten wird. „In etwa zwei Jahren ist Schluss damit“, sagt der 2. Ältermann des Fischeramtes Neustadt von 1474. „Der Fisch ist rapide zurückgegangen“, so seine Beobachtung. Die Empfehlung des WWF hält er für richtig. „Wenn nichts mehr da ist, muss der Aal runter vom Speiseplan.“

Imbisse, Restaurants und Fischräuchereien, die Aal anbieten, haben ihn in der Regel zugekauft. So auch der Fischereihof Hemmelsdorf. „Wir bekommen ihn aus Aquakulturen“, erklärt Anne Verhoven. In der Räucherkate wird der frische Fisch über Nacht in Salzlake eingelegt, zum Trocknen aufgehängt und schließlich langsam im Buchenholzfeuer gegart. „Das wird alles noch von Hand gemacht, nach eigener Erfahrung“, betont Mitarbeiter Jürgen Reisdorf und präsentiert den frischen Räucherfisch.

Der WWF sieht den Aalgenuss dennoch kritisch. „Denn auch diese Tiere stammen aus Wildfängen“, so Sprecherin Britta König.

Kinderstube in der Sargassosee

Der Europäische Aal (Anguilla anguilla) kommt im Atlantik, in der Sargassosee (in der Nähe der Bahamas) zur Welt. Später schwimmen die Tiere teils in Schwärmen zu den europäischen Küsten und weiter flussaufwärts in die Binnengewässer des Landesinneren, wo sie heranwachsen. Mit der Geschlechtsreife (Weibchen nach zwölf bis 15 Jahren) wandern sie an ihren Geburtsort zurück. Dabei werden innerhalb eines Jahres teilweise Strecken von über 5000 Kilometern zurückgelegt. Nach dem Laichen sterben die Aale.

Nach Angaben des WWF ist der Bestand des Europäischen Aals in den vergangenen Jahrzehnten um 90 Prozent eingebrochen. Als Gründe dafür werden die Fischerei, aber auch verbaute Flüsse gesehen, die den Tieren das Wandern erschweren. Der Einkaufsratgeber unter www.wwf.de

Julia Paulat

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