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Norddeutschland Ostseebäder enttäuscht - Neues Gesetz verbietet Bauten am Meer
Nachrichten Norddeutschland Ostseebäder enttäuscht - Neues Gesetz verbietet Bauten am Meer
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20:27 28.04.2016
In Mecklenburg-Vorpommern, wie hier auf der Insel Usedom, gibt es ebenfalls eine entsprechende Bau-Regelung für die Küstenlinie. Quelle: dpa

Wesentliche Erweiterungen bestehender Gebäude sind künftig ebenfalls untersagt. „Wir sind geschockt. Bei uns ist die gesamte Strandstraße auf einer Länge von mehreren Kilometern von der Gesetzgebung betroffen“, sagt Dorit Klees, Bauamtsleiterin der Gemeinde Scharbeutz. Was Klees besonders aufstößt: Kiel habe es geschickt verstanden, das Bauverbot nicht an die große Glocke zu hängen. Immerhin kann im Ortsteil Haffkrug wie geplant ein Hotel gebaut werden. Die Gemeinde hatte nach Bekanntwerden der Regierungspläne einen Bebauungsplan erlassen. Wo rechtsverbindliche B-Pläne vorliegen, greift das Bauverbot nicht.

„Wir fühlen uns sehr betroffen“, sagt Olaf Dose-Miekley, Touris mus chef in Grömitz. Gerade an der Küstenlinie gebe es Renovierungsbedarf, um attraktiv zu bleiben. Das werde jetzt erschwert. Für das Großprojekt „Dünenpark“ auf dem ehemaligen Freibadgelände direkt an der Strandpromenade setzt Dose-Miekley auf eine zugesagte Ausnahmeregelung.

Das Kieler Umweltministerium kann die Aufregung nicht verstehen. Es verweist auf eine Reihe von Ausnahmeregelungen und eine fünfjährige Übergangsfrist im neuen Gesetz. In diversen Fällen könnten Naturschutzbehörden das Bauverbot innerorts aufheben. Das gelte zum Beispiel, wenn das geplante Vorhaben „das Ortsbild oder die Stadtgestalt prägt oder von städtebaulicher Bedeutung ist“.

„Ich bin da nicht so entspannt und locker“, bekennt Joachim Nitz, Tourismuschef in Timmendorfer Strand. Wenn man mal die 150 Meter abschreite, sei die komplette Promenade betroffen, jedes Gebäude, sagt er. Auch alle Maßnahmen in Strandnähe wie WC- Häuschen, DLRG-Stationen und die Seebrücke fielen in den Küstenschutzstreifen. „Die touristische Entwicklung wird dadurch nicht leichter“, beklagt Nitz. Die CDU-Landtagsopposition wittert ein „massives Hemmnis“ für Hotels, Cafés, Campingplätze und Stegbesitzer. Heiligenhafen macht deshalb Dampf bei der Entwicklung seines Fischereihafens. Es gilt, in der fünfjährigen Übergangsfrist Nägel mit Köpfen zu machen.

Travemündes Kurdirektor Uwe Kirchhoff bezeichnet es dagegen als wichtig, dass der Küstenstreifen auch künftig freigehalten wird. „Damit sichern wir Qualität. Das ist aus touristischer Sicht gut.“ Beim Regionalverband, dem Regionalverband Ostsee-Holstein- Tourismus (OHT) heißt es, man könne mit der Gesetzgebung leben. „Eine Katastrophe ist das nicht.“

Tourismusminister Reinhard Meyer (SPD) fällt dem grünen Kabinettskollegen Robert Habeck nicht in den Rücken. Naturschutz und Tourismus seien im neuen Gesetz bestens vereinbar. Ein naturnaher Tourismus setze zweifellos den Schutz der Natur voraus. Und: Gemeinden hätten schließlich fünf Jahre Zeit, ihre Flächennutzungspläne entsprechend zu gestalten. Im Übrigen habe auch Mecklenburg-Vorpommern eine entsprechende Regelung für seine Küstenlinie.

Von Curd Tönnemann und Julia Paulat

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