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Norddeutschland „Paradise Papers“: Carstensen im Fokus
Nachrichten Norddeutschland „Paradise Papers“: Carstensen im Fokus
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07:17 10.11.2017
Schleswig-Holsteins Ex-Ministerpräsident Peter Harry Carstensen. Quelle: dpa
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Kiel

Demnach fungiert Carstensen als einer von drei Direktoren der in Holland registrierten Peloponnesus B.V. Das sei, so berichtet der NDR, ausweislich der Dokumente aus dem holländischen Handelsregister eine Briefkastenfirma Paulsens, der das von ihm gestiftete „Museum Kunst der Westküste“ auf Föhr gehört. Carstensen übernahm den Posten Anfang 2013, kaum ein halbes Jahr nach seinem Rückzug aus der Politik. Laut Bilanz der Peloponnesus erhielten die drei Direktoren allein 2014 zusammen 90000 Euro.

Museums-Eröffnung 2009 auf Föhr: Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (l.) neben dem Unternehmer Frederik Paulsen.

Pikant: Die öffentlichen Fördergelder für den Museumsbau wurden im Oktober 2005 durch das Amt für Ländliche Räume Husum und das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume bewilligt – ein halbes Jahr nachdem Carstensen Ministerpräsident geworden war. Carstensen habe dem NDR in einem Gespräch sogar gesagt, er selbst habe Paulsen damals geraten, sich um die Fördermittel zu bewerben. Insgesamt zahlten EU und Land 2,7 Millionen Euro für das Museum.

Paulsen und Carstensen kennen sich gut. Der Pharmaunternehmer war Trauzeuge bei Carstensens zweiter Eheschließung 2010. Und: Zwischen 2002 und 2010 soll Paulsen nach Informationen von NDR und „Süddeutscher Zeitung“ über seine Firma „Ferring“ und aus privaten Mitteln 568000 Euro an die CDU gespendet haben. Eine kleine Summe für den Milliardär, der einst die Firma „Ferring“ übernahm.

Sein von Föhr stammender, vor den Nazis geflohener Großvater hatte sie einst in Schweden gegründet. Jetzt lebt Paulsen in der Schweiz. Sein Vermögen wird von Forbes auf 7,6 Milliarden US-Dollar geschätzt. Im März 2007 hatte Carstensen Paulsen auch persönlich das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse überreicht, für das er ihn zuvor selber vorgeschlagen hatte.

Die deutsche Zentrale von Ferring sitzt in Kiel. Die „Paradise Papers“ allerdings belegen laut NDR, dass Paulsen seine Firmen- und Vermögensangelegenheiten über ein weit verzweigtes Netz hunderter ineinander verschachtelter Firmen abwickele. An der Spitze stehe eine Stiftung auf der Kanalinsel Jersey, einem Steuerparadies. Das diene aber nur dazu, „größtmögliche Flexibilität bei der internationalen Verleihung von Kunstgegenständen und der jeweiligen Sammlungen zu gewährleisten“, habe Paulsen dem NDR auf Anfrage mitgeteilt. Carstensen sei für ihn ein „geschätzter Ansprechpartner und Berater“. Und das nicht nur in Sachen Kunstmuseum. Er fungiere auch noch als Aufsichtsrat eines Weinguts Paulsens in Georgien.

Paulsen selber ließ über seinen Anwalt jeglichen Verdacht zurückweisen, es handle sich bei Carstensens Posten um eine „Entlohnung für politische Gefälligkeiten“, berichtet der NDR. Was die öffentlichen Zuschüsse zum Bau des Museums angehe, habe Carstensen weder Einfluss auf die Beantragung noch auf die Vergabe der Gelder gehabt, so der Anwalt. Carstensen selber kann an alldem auch nichts finden. Ja, Paulsen unterhalte auf Jersey eine Stiftung, bestätigt er gestern gegenüber den LN. Aber: „Wenn er sie in Deutschland hätte, würde er genauso wenig Steuern zahlen, nämlich gar keine.“ Das sei schließlich der Sinn einer Stiftung.

Es treffe auch zu, dass er einer der drei Direktoren der Peloponnesus B.V. sei, er habe aber „kein schlechtes Gewissen“, sagt der ehemalige CDU-Ministerpräsident. „Ich habe alle Gelder, die ich erhalten habe, vollständig beim Finanzamt angegeben.“ Sein Steuerberater habe den Auftrag, „dass es dort null Ärger gibt“. Sein persönliches Salär wollte Carstensen aber nicht beziffern: „Das geht nur mich und mein Finanzamt etwas an.“

Es gehe wohl nur darum, ihm etwas ans Bein zu flicken, so Carstensens Fazit. Und das Kunstmuseum sei von Paulsen ja schließlich auch aus schon versteuerten Geldern bezahlt worden. „Im Grunde hat er uns ein Geschenk gemacht.“

Von Wolfram Hammer und Curd Tönnemann

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