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Norddeutschland Party, Sex, Waffen: Eklat bei der Polizei
Nachrichten Norddeutschland Party, Sex, Waffen: Eklat bei der Polizei
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12:33 28.06.2017
Der "Levo-Park" in Bad Segeberg. Quelle: Bodo Marks/dpa
Bad Segeberg/Hamburg

Wegen skandalösen Benehmens sind 220 Berliner Polizisten, die auf dem G-20-Gipfel in Hamburg eingesetzt werden sollten, nach Hause geschickt worden. Die jungen Beamten hatten in ihrer Containerunterkunft auf dem Gelände der ehemaligen Lettow-Vorbeck-Kaserne in Bad Segeberg exzessiv gefeiert und sich dabei total danebenbenommen. Zwei Personen sollen auf dem Gelände an einem Zaun Geschlechtsverkehr gehabt haben, eine Polizistin soll im Bademantel mit einer Dienstwaffe hantiert haben. Mehrere Männer sollen nach einem Saufgelage und einer lautstarken Party in der Öffentlichkeit uriniert haben. Die Berliner Polizei kündigte Konsequenzen an. Polizisten hätten eine Vorbildfunktion.

„Wenn sich die Vorwürfe bestätigen, ist das erschreckend und rückt die Polizei in ganz Deutschland in ein schlechtes Licht“, sagte Torsten Jäger, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Schleswig-Holstein. Die Reaktion, die Berliner Polizisten umgehend vom ihrem geplanten Einsatz beim Gipfel abzuziehen, sei richtig.

„Wir dachten, dass es mit der Polizei hier noch sicherer ist als je zuvor. Nun das. Wir distanzieren uns entschieden davon“, reagierte Sven Borchers, Geschäftsführer des benachbarten Levo-Gewerbeparks, auf die Vorfälle, die sich bereits am Sonntag abspielten.

Vor zwei Wochen waren die letzten Flüchtlinge aus dem Containerdorf weitergereist. Nach LN-Informationen kommen demnächst aus anderen Bundesländern weitere Polizeihundertschaften in das Containerdorf am Levo-Park.

„Es ist einfach nur peinlich, wie sich die Kollegen dort verhalten haben“, sagte der Berliner Polizeisprecher Thomas Neuendorf. Wie viele Polizisten genau an den Exzessen beteiligt waren, stand gestern noch nicht fest.

Das Kieler Innenministerium verwies auf die Zuständigkeit der Hamburger Polizei. Dort hieß es, der Polizeiführer für den Gipfel habe entschieden, die Berliner Kräfte, die bislang noch nicht in Hamburg eingesetzt waren, „mit sofortiger Wirkung“ aus ihrem Einsatz zu entlassen. Er habe deutlich gemacht, dass „ein derartiges Verhalten von Polizeibeamten nicht akzeptabel ist.“ Die Berliner Polizei werde darüber hinaus „Untersuchungen einleiten, um den Sachverhalt lückenlos aufzuklären“. Vom Ergebnis dieser Untersuchungen hängt ab, in welchem Umfang es zu Konsequenzen für die beteiligten Beamten kommt. Die Polizisten sind inzwischen wieder in Berlin.

Hamburgs Polizeipräsident Ralf Martin Meyer bedauerte die Vorfälle, sprach aber zugleich eine Mahnung aus: „Jeder weiß jetzt, die Hamburger Polizei fackelt nicht lange und schickt Einsatzkräfte wieder zurück.“ Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) erklärte: „Polizeibeamte haben eine Vorbildfunktion – das gilt in Berlin genauso wie in anderen Städten.

Hamburg ist zum Gipfel am 7./8. Juli auf die Hilfe anderer Bundesländer angewiesen. Insgesamt sollen 15 000 Landespolizisten und 3800 Bundespolizisten die hochrangigen Politiker schützen.

Curd Tönnemann und Wolfgang Glombik

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