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Norddeutschland Patienten-Servicestelle: Telefone stehen auf einmal nicht mehr still
Nachrichten Norddeutschland Patienten-Servicestelle: Telefone stehen auf einmal nicht mehr still
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21:51 29.06.2017
Bad Segeberg

Am stärksten nachgefragt bei der Terminservicestelle (TSS) sind Neurologen (35,3 Prozent) und – neuerdings – Psychotherapeuten (16,7 Prozent). Termine bei Psychotherapeuten vermittelt die KVSH erst seit April dieses Jahres, jedoch nur für Erstgespräche und Akutbehandlungen, nicht für einen Therapieplatz. Dieses neue Angebot bringt die Hotline offenbar urplötzlich in Schwung. Die Zahl der Anrufe explodiert geradezu.

Im Mai hat sich die Zahl der Anrufe (2744) und Vermittlungen (1165) im Vergleich zum Vorjahresmonat mehr als verdreifacht. „Es war uns klar, dass in diesem Bereich eine hohe Nachfrage besteht“, räumt KVSH-Sprecher Marco Dethlefsen ein.

Seit dem Start der Terminservicestelle im Januar 2016 haben mehr als 16000 Kassenpatienten angerufen, doch 4355 legten bereits während der Bandansage auf. Offenbar entnervt. Von den verbliebenen 11800 persönlich von TSS-Mitarbeitern entgegengenommenen Anrufen hätten gerade mal 6379 Anrufer „die gesetzlichen Vorgaben zur Nutzung der TSS“ erfüllt und zu einer Terminvermittlung geführt, teilte die KVSH auf Anfrage mit. Ein krasses Missverhältnis. Die Vertretung der niedergelassenen Ärzte hatte die ihr von der Bundesregierung vorgeschriebene Servicestelle nie wirklich gewollt.

Die KVSH betont deshalb auch anderthalb Jahre nach Start dieses Patientenservice, für wie überflüssig sie die Einrichtung hält. Pro Jahr gebe es in Schleswig-Holsteins Praxen rund 18 Millionen ambulante Behandlungsfälle. Statistisch gesehen stünden also einem einzigen durch die TSS zustande gekommenen Termin etliche Tausend Arztbesuche gegenüber, die direkt zwischen Patient und Praxis vereinbart worden sind, teilt Dethlefsen mit. Im Übrigen seien von den vermittelten Patienten 308 zum vereinbarten Termin nicht in der Praxis erschienen. 347 Patienten hätten den mit der Praxis vereinbarten Termin abgesagt. Nach Angaben des Deutschen Ärzteblatts hat die Terminservicestelle in SchleswigHolstein im vergangenen Jahr Kosten in Höhe von rund 200000 Euro verursacht.

„Viele Patienten sind ahnungslos. Es wurde seitens der Ärzte bewusst wenig Aufklärung betrieben“, kritisiert Thorben Krumwiede, Geschäftführer der Unabhängigen Patientenberatung. Auch seien die Hotlines viel zu eingeschränkt erreichbar.

Die AOK Nordwest hält die Terminservicestelle nach wie vor für ein wichtiges Instrument. „Wir sind sicher, dass die KVSH weiter daran arbeitet, ihr Angebot zu optimieren mit dem Ziel, Wartezeiten zu verringern“, bleibt Vorstandschef Tom Ackermann im Ton diplomatisch.

Die KVSH weist darauf hin, dass Patienten bei der Vermittlung von Terminen keinen Anspruch auf einen Wunschtermin bei einem bestimmten Arzt oder Therapeuten haben. „Das kann auch weitere Anfahrtswege zur Praxis bedeuten.“ Als zumutbar gelte die Zeit, die der Patient bis zum Aufsuchen der nächstgelegenen geeigneten Praxis benötige – plus 30 Minuten. Einen Termin innerhalb weniger Tage könne die Servicestelle auch nicht garantieren, erklärte der Verbandssprecher. Gesetzlich vorgeschrieben darf die Wartezeit nicht mehr als vier Wochen betragen.

Hier gibt es den Termin

Die Terminservicestelle ist unter der Segeberger Rufnummer 04551/ 30404931 erreichbar, und zwar montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr sowie montags, dienstags und donnerstags zwischen 13 und 17 Uhr. Ein Patient benötigt für die Terminvermittlung eine Überweisung seines Hausarztes, die einen zwölfstelligen Code enthalten muss. Dieser attestiert die Dringlichkeit der Behandlung. Der Hinweis darauf schreckt viele Anrufer offenbar ab. Für Frauen- und Augenärzte ist keine Überweisung nötig.

 Curd Tönnemann

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