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Norddeutschland Pauken bis zum Abschluss: Schüler unter Druck
Nachrichten Norddeutschland Pauken bis zum Abschluss: Schüler unter Druck
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21:16 27.01.2016
Nachhilfe-Lehrer Olav Mühlsiegl erklärt Michelle Karbowski (18, l.) und Kristina Blunk (20) Mathematik-Formeln. Quelle: Fotos: Lutz Roeßler

Der Schultag ist zwar zu Ende, doch für Michelle Karbowski (18) und Kristina Blunk (20) geht‘s direkt weiter mit dem Pauken: Sie stehen vor dem Abitur, deshalb werden beim „Lernstudio Lübeck“ Extraschichten geschoben. In einem Fach hapert es besonders: Mathe. „Es ist das Fach, was am meisten gefragt ist“, sagt Diplom-Sozialpädagoge Olav Mühlsiegl vom Nachhilfedienst. Damit sind die Gymnasiastinnen aber nicht alleine. Laut einer Bertelsmann-Studie setzen 61 Prozent der Schüler in Deutschland auf Förderung im Fach Mathematik. Insgesamt nehmen bundesweit mehr als eine Million Schüler Nachhilfe.

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Nachhilfe-Lehrer Olav Mühlsiegl erklärt Michelle Karbowski (18, l.) und Kristina Blunk (20) Mathematik-Formeln.

Mindestens einmal die Woche brüten sie mit Nachhilfe-Lehrer Olav Mühlsiegl über den Büchern. „Mir gibt Nachhilfe besonders mentale Stabilität. Hier kann man alle offenen Fragen nochmal besprechen“, sagt die 20-jährige Kristina Blunk. Die Lübeckerinnen schieben Zusatzstunden, um den Lernstoff zu schaffen. „Es wird immer wichtiger werden, gute Noten und Abschlüsse vorzuweisen, um den Anschluss zu behalten“, sagt Studienforscher Klaus Klemm. Der Leistungsdruck wächst. „Die psychische Belastung durch Schule hat zugenommen“, sagt Mühlsiegl.

Auch Emmeline Smid (14) hat Schwierigkeiten in Mathe. Die Neuntklässlerin aus Ahrensbök muss sich sehr anstrengen, um manchen Lehrern zu folgen. „Viele Lehrer haben ihren eigenen Weg, Dinge zu erklären“, sagt die 14-Jährige. Deshalb ist sie froh, dass ihre Nachhilfelehrerin ihr den Stoff zu Hause nochmal genau erklärt. „Da kann ich auch mal doofe Fragen stellen“, sagt die Ahrensbökerin.

Jörn Sanftleben aus Lübeck würde seinen Sohn auch zur Nachhilfe schicken, wenn er in der Schule nicht mehr folgen kann. „Wenn es notwendig ist, dann würde ich das tun“, so der 41-Jährige. Er glaubt, dass die Eltern auch ihren Beitrag zur Schulbildung leisten müssen. „Eltern haben die Tendenz, vieles auf die Schule abzuwälzen“, so Sanftleben. Landes-Elternbeiratsvorsitzende Katrin Engeln widerspricht: „Förderung muss im System Schule stattfinden.“

In der Bertelsmann-Studie heißt es, viele Schulen seien noch nicht ausreichend auf die Vielfalt in ihren Klassenzimmern eingestellt. Dabei sei es eine Kernaufgabe der Schulen, die Potenziale von Jugendlichen so zu fördern, dass private Nachhilfe nicht mehr nötig sei, ergänzt Klemm. Für eine Stärkung der Ganztagsschulen plädiert auch Engeln. Vor allem gebundene Ganztagsschulen mit fachgerechter Förderung durch Lehrer am Nachmittag müssten zunehmen, sagt Gustaf Dreier, Schulrat in Lübeck.

Michelle Karbowski und Kristina Blunk sind froh, dass ihnen Olav Mühlsiegl beim Lernen zur Seite steht. Ende März stehen bei den Thomas-Mann-Schülerinnen die Mathe-Prüfungen an. Ende Mai halten sie hoffentlich ihr Abiturzeugnis in den Händen. Dann hat der Druck endlich ein Ende.

Beke Zill

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