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Norddeutschland Personalnot im Flüchtlingsamt: Doch Bewerber werden vertröstet
Nachrichten Norddeutschland Personalnot im Flüchtlingsamt: Doch Bewerber werden vertröstet
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19:34 12.12.2015
Das BAMF kommt nicht einmal bei der Personaleinstellung hinterher. Quelle: dpa

Monatelange sich hinziehende Asylverfahren, Antragsstau, Bearbeitungsstau: Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) wollte mit mehr Personal gegenhalten. Man arbeite mit Hochdruck daran, neues Personal einzustellen, um auf die steigende Zahl der Flüchtlinge reagieren zu können, hieß es. Jetzt stellt sich heraus: Das Flüchtlingsamt unter Regie von CDU-Bundesinnenminister Thomas de Maizière kommt nicht einmal mehr bei der Personaleinstellung hinterher.

Es ist eine Mailantwort auf die Stellenanzeige FK-01-2016 des BAMF, die den LN vorliegt und die Überforderung des Amtes dokumentiert. Volljuristen, Wirtschafts- und Geisteswissenschaftler wurden gesucht – Bewerbungsschluss 1. November, Auswahlverfahren im Dezember, Arbeitsbeginn Januar 2016. Die junge Frau aus Schleswig-Holstein wollte helfen, bewarb sich von ihrer sicheren Stelle aus. Als jetzt sechs Wochen nach Bewerbungsschluss eine Mail der Abteilung „Personalgewinnung“ des Bundesverwaltungsamtes kam, rechnete sie mit einer Einladung zum Vorstellungsgespräch. Stattdessen: Eine Standard-Rundmail. Man danke für ihr Interesse an einer Mitarbeit beim Bundesamt, aber „aufgrund der sehr großen Anzahl an Bewerbungseingängen ist die Vorauswahl noch nicht ganz abgeschlossen“. Und dann das: Die Auswahlverfahren würden sich „bis in die erste Jahreshälfte 2016 ziehen“.

LN-Nachfrage beim Bundesverwaltungsamt: Wie erklärt sich diese Verzögerung von über einem halben Jahr? Doch dort winkt man ab. Man sei nur Dienstleister des BAMF, habe die Anfrage weitergeleitet. Beim Bundesamt bestätigt eine Sprecherin: Es lägen insgesamt 31 000 Bewerbungen vor, deren Bearbeitung eben Zeit brauche. 4000 Stellen dürfe das Bundesamt im kommenden Jahr zusätzlich besetzen, wachse dann von 3300 auf 7300 Mitarbeiter. Derzeit kümmerten sich 600 „Vollentscheider“ um die Asylanträge, dazu 600 „Sonderentscheider“ in vier „Entscheidungszentren“, dazu kämen 1200 Sekretariats-Kräfte. Künftig sollen es 1100 „Vollentscheider“ sein und 1900 Sekretariats-Kräfte. Der „Zwischenbescheid“ an die Bewerberin sollte darüber informieren, „dass die Abwicklung eines so großen Verfahrens noch eine Zeitlang dauern wird“, heißt es am Abend in einer zweiten Stellungnahme eines BAMF-Sprechers. Immerhin noch das: Das Auswahlverfahren beginne noch „im Dezember“. Von einer Einstellung im Januar kein Wort mehr.

In Schleswig-Holstein wird diese allzu langwierige Personalsuche des Bundesamtes besonders kritisch beäugt. Der Norden ist Schlusslicht bei der Dauer der Asylverfahren – schon im Sommer lag die Dauer bei 7,9 Monaten, in Mecklenburg-Vorpommern waren es nur 3,3, bundesweit 5,3 Monate. Dazu kommt mittlerweile eine Monate lange Wartezeit, bis die Flüchtlinge überhaupt einen Asylantrag einreichen können. Im Kieler Innenministerium macht man dafür schon jetzt Personalengpässe des BAMF in seiner Außenstelle in Neumünster verantwortlich. Wolfram Hammer

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