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Norddeutschland Pferdeklappe: Schon über 1100 Tiere abgegeben
Nachrichten Norddeutschland Pferdeklappe: Schon über 1100 Tiere abgegeben
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11:23 24.12.2018
Bei Petra Teegen, Initiatorin von Deutschlands erster Pferdeklappe, können Pferdebesitzer ihre Tiere anonym und ohne Anmeldung abgeben. Quelle: DPA
Norderbrarup

Irgendwo zwischen Norderbrarup und Süderbrarup liegt die Ruruper Straße. Dort, auf dem Hof von Petra Teegen im Kreis Schleswig-Flensburg gibt es ein Projekt, das deutschlandweit einmalig ist. Wahrscheinlich sogar in ganz Europa. Während man in einer Babyklappe Neugeborene abgeben kann, können bei ihr in der Pferdeklappe eben Pferde abgegeben werden. Die Einrichtung gibt es jetzt seit fünf Jahren, in der Zeit wurden inzwischen über 1100 Pferde gebracht. Ein Zahl, die für Laien unglaublich klingt.

Nicht für Petra Teegen. Die 65-Jährige kann etliche Geschichten erzählen, von Menschen, die in Not geraten sind, und nicht mehr wissen, wohin mit ihrem Tier. Manchmal sind es gesundheitliche Probleme, meist sind es finanzielle Sorgen der Menschen. Denn Pferde sind teuer. Mit 300 bis 400 Euro im Monat muss man in der Regel rechnen. Wenn ein Sommer so heiß ist, wie in diesem Jahr, sogar mehr. Durch die lange Dürre sind die Preise für Futter in die Höhe geschossen. Und damit auch die Zahlen in der Pferdeklappe: 256 Tiere waren es schon Anfang diesen Monats.

Alles begann mit einem Unfall

Dabei ist die Geschichte, wie alles begann, eigentlich keine besonders schöne. „Ein Pferd ist über mich rübergelaufen“, erzählt Petra Teegen. Dabei habe sie sich das Genick gebrochen. 2009 war das. Sie, die Krankenschwester, wollte nach überstandenen Operationen und Reha wieder nach dem Hamburger Modell anfangen zu arbeiten. Doch wegen Gefühlsstörungen in den Händen bildeten sich Arthrosen, es ging einfach nicht. Zum Glück war der Hof da schon abbezahlt. So konnte sie das Projekt starten, das ihr am Herzen lag.

Petra Teegen hat Deutschlands erste Pferdeklappe in Saustrup Quelle: NEELSEN

Denn, und auch das gehört zum unschönen Teil dieser Geschichte, Petra Teegen weiß aus eigener Erfahrung, wie es ist, in Not zu sein. Ihr Mann hatte sich auf die Philippinen abgesetzt, ließ sie mit drei Kindern zurück. Die Familie hatte drei Ponys und ein Pferd. Durch Hilfe von Freunden und Bekannten konnte die Familie immerhin zwei der geliebten Tiere behalten. „In dieser Zeit ist mir die Idee für die Klappe gekommen. Es ist einfach ein tolles Gefühl, wenn man Menschen in der Not hilft.“

Tiere kommen aus ganz Europa – und Afghanistan

Die Menschen können die Tiere entweder anonym auf die Koppel stellen, müssen dann aber eine Abtretung unterschreiben und im Briefkasten hinterlassen. Lieber ist es Teegen aber, wenn die Tiere einfach auf den Hof gebracht werden. Der Großteil der Menschen macht das auch. Ganz zu Beginn haben Teegen und ihre Mitstreiter der Klappe die Tiere auch noch abgeholt. Zum Beispiel „Fabro“, den sie eigentlich „Fabro, den Ersten“ nennen – weil er am 1. Juli 2013, dem ersten Tag der Klappe, auch prompt das erste Pferd war, das aufgenommen wurde. Sein Besitzer war krank, sie holten „Fabro“ aus Köln ab. Inzwischen funktioniert dieses Modell nicht mehr, die Pferde müssen es irgendwie auf den Hof schaffen.

Auf Spenden angewiesen

Zwischen 6000 und 7000 Euro kostet die Pferdeklappe im Monat. Die Klappe, die von einem gemeinnützigen Verein geführt wird, ist auf Einzelspenden und Stiftungen angewiesen. Inzwischen hat die Pferdeklappe auch einen Tierheim-Status, ist also auch das einzige Pferde-Tierheim der Republik.

Spendenkonto: Pferdeklappe e.V.; Iban: DE59217500000164407272

Mehr Infos im Internet unter www.erste-pferdeklappe.de

Und die Tiere werden von überall gebracht. Aus ganz Deutschland sowieso, aber auch aus Dänemark, Schweden, Norwegen und den Benelux-Ländern. Ein Tier kam auf mysteriöse Art und Weise sogar aus Afghanistan nach Saustrup. Ein Soldat gab es ab. „Wir hatten 20 Grad und das Tier fror bitterlich“, erinnert sich Petra Teegen und muss dabei lachen.

Im Kreis Schleswig-Flensburg können Pferde auch anonym abgegeben werden.

Lange Warteliste für die Vermittlung der Pferde

Die Tiere der Pferdeklappe vermittelt sie weiter. 80 Prozent der Pferde hätten nur eine Verweildauer von drei bis vier Tagen, erzählt sie stolz. Die Warteliste für eines der Pferde ist lang, 300 Tierfreunde inzwischen warten auf einen Anruf aus Saustrup. Wer ein Pferd haben möchte, muss sich bei Teegen kurz „bewerben“, wird dann in die Kartei aufgenommen. Wer noch nie ein Pferd hatte, hat keine Chance. „Das erste Pferd gibt es bei uns nicht“, sagt Teegen. Sie nimmt kein Geld für die Tiere. „Wir sind keine Händler, aber die entstandenen Kosten für den Tierarzt zum Beispiel lassen wir uns erstatten.“ Zwischen 100 und 450 Euro bezahlen die Tierfreunde am Ende.

Die Pferdeklappe ist kein Gnadenhof. Und doch werden Tiere abgegeben, die nach dem Tierschutzgesetz zum Beispiel wegen Krankheiten nicht mehr vermittelbar sind. Alleine 77 in diesem Jahr. Im Schnitt leben 30 Pferde gleichzeitig auf dem Hof. Eines von ihnen ist immer noch „Fabro“. Der Holländer, der am ersten Tag der Klappe kam, ist inzwischen 22 Jahre alt ist, hatte Hufgeschwüre, wurde operiert, hält sich aber wacker. Teegen: „Ich hab die Pferde alle lieb, als wären es meine eigenen.“

Seht nur, wie schön die damals Dreck- und Blut verkrustete Mette geworden ist. Nochmal Danke, Claudia Rating für die schnelle Hilfe bei der Rettung 😄 Gut gemacht, Birte!!! 💜💜💜

Gepostet von Pferdeklappe / Notbox Schleswig-Holstein am Montag, 20. März 2017

Jan Wulf

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