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Norddeutschland Piloten-Streik trifft 55 000 Passagiere
Nachrichten Norddeutschland Piloten-Streik trifft 55 000 Passagiere
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20:10 09.08.2018
Sechs Starts und sechs Landungen von Ryanair fallen im Hamburg heute aus. Quelle: Foto: Ulf-Kersten Neelsen
Frankfurt/Main

In Deutschland, Belgien, Schweden, Irland und den Niederlanden haben die jeweiligen Pilotengewerkschaften ihre Mitglieder zu 24-Stunden-Streiks aufgerufen. Die Auswirkungen des auf 24 Stunden begrenzten Streiks werden an den deutschen Flughäfen voraussichtlich vor allem am frühen Morgen und ab dem Nachmittag zu spüren sein. So wurde beispielsweise an der größten deutschen Ryanair-Basis in Frankfurt das komplette Frühprogramm gestrichen. Der Hunsrück-Flughafen Hahn hatte gestern Vormittag auf seiner Webseite fünf Flugstreichungen gezeigt.

In Hamburg fallen jeweils sechs Ankünfte und Abflüge aus. „Ryanair-Flüge von und nach Sevilla, Verona, Oslo, Kattowitz und London sind betroffen“, berichtet Katja Bromm, Sprecherin des Hamburger Flughafens. Bei der Abfertigung werde das aber keine großen Auswirkungen haben, da die Fluggesellschaft die Passagiere rechtzeitig informiert habe, meint sie. Ryanair gehört mit rund 30 Starts und Landungen täglich zu den größeren Fluggesellschaften, die von Hamburg abheben. Der Airport bewältigt im Jahresdurchschnitt 230 Starts und Landungen pro Tag.

Ryanair habe offenbar mit massiven Ausfällen gerechnet und daher lieber gleich das gesamte Programm der deutschen Crews abgesagt, erklärte ein Sprecher der Gewerkschaft „Vereinigung Cockpit

(VC). Das sei für das Unternehmen offenbar einfacher. Morgen soll der Betrieb wieder wie gewohnt laufen, hatte Ryanair angekündigt. Der Streik endet offiziell um 2.59 Uhr. Weitere Arbeitskämpfe hat die VC nicht ausgeschlossen, will sie aber weiterhin mit einem Vorlauf von mindestens 24 Stunden ankündigen.

In den Niederlanden versuchte das Ryanair-Management noch, den dort geplanten Pilotenstreik mit juristischen Mitteln zu verhindern. Gegen die deutsche Gewerkschaft hatte man hingegen auf juristische Schritte verzichtet.

Die abgestimmte Aktion ist der bislang größte Pilotenstreik in der Geschichte der größten Billig-Airline Europas, die erst seit Ende 2017 Gewerkschaften anerkennt. Vor zwei Wochen hatten zudem Flugbegleiter in Portugal, Spanien und Belgien über zwei Tage zusammen rund 600 Flüge mit knapp 100000 betroffenen Passagieren ausfallen lassen. Unter den europäischen Piloten haben bisher einzig die Iren an vier einzelnen Tagen die Arbeit niedergelegt. Ryanair hatte daraufhin den Abzug von sechs Jets samt 300 Arbeitsplätzen nach Polen angekündigt.

Gewerkschaften und Ryanair beschuldigen sich gegenseitig, die seit sechs Monaten laufenden Verhandlungen zu blockieren. Die VC will erstmals ein System aus Vergütungs- und Manteltarifvertrag etablieren und zieht dafür andere Fluggesellschaften als Muster heran.

Ryanair verweist auf vergleichsweise hohe Endgehälter der Kapitäne und Copiloten. Das Unternehmen will keine Vereinbarungen treffen, die sein Niedrigkostenkonzept in Frage stellen würden.

Billigere Flüge, niedrigere Einkommen

Ein Jahr nach der Insolvenz von Air Berlin hat sich für die Passagiere nach Branchengaben die Lage weitgehend normalisiert. Die Lücken im Flugplan seien größtenteils geschlossen und Tickets im Durchschnitt günstiger als zuvor, teilte der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) mit. Anders sieht es für die 8000 früheren Angestellten der Air Berlin aus: Viele haben sich beruflich verschlechtert, verdienen im neuen Job weniger oder sind arbeitslos. Davon geht die Gewerkschaft Verdi aus.

„Für die Beschäftigten ist es nicht gut gelaufen“, sagte Verdi- Bundesvorstandsmitglied Christine Behle. „Aus meiner Sicht war es eine ziemliche Katastrophe.“ Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft hatte nach jahrelangen Verlusten am 15. August 2017 Insolvenz angemeldet.

Nach dem letzten Flug im Oktober stiegen die Preise für innerdeutsche Flüge zwar zunächst kräftig an. Inzwischen lägen sie aber um 1,3 Prozent unter dem Oktober-Wert und damit auf dem Niveau von 2012, sagte BDL-Präsident Klaus-Dieter Scheurle. Ein Grund ist, dass besonders Billigflieger wie Eurowings, Easyjet und Ryanair in die Lücke stießen.

jup

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