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Pilotenfehler vermutlich Ursache für Hubschrauber-Absturz

Bimöhlen/Braunschweig Pilotenfehler vermutlich Ursache für Hubschrauber-Absturz

Laut Unfallforschern reagierte der Copilot falsch auf eine ungewollte Drehung des Polizei-Helikopters. Seine mangelnde Erfahrung und die falsche Reaktion haben mutmaßlich zum Absturz des Bundespolizei-Hubschraubers bei Bimöhlen (Kreis Segeberg) geführt.

Der Copilot überlebte den Absturz am 22. Februar als Einziger schwerverletzt.

Quelle: Roeßler

Bimöhlen/Braunschweig. Mangelnde Erfahrung des Copiloten gepaart mit einer falschen Reaktion haben vermutlich zum Absturz des Bundespolizei-Hubschraubers bei Bimöhlen (Kreis Segeberg) geführt. Das geht aus einem Zwischenbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Braunschweig hervor. Wie erst jetzt bekannt wurde, hatte der 32-jährige Copilot die Maschine der Bundespolizei geflogen. Der Copilot überlebte den Absturz am 25. Februar als Einziger schwerverletzt. Besonders tragisch: Der hinter dem Piloten sitzende 42-jährige Bordtechniker war erst durch einen Diensttausch am Unfalltag Mitglied der dreiköpfigen Besatzung.

Bei seitlichem Schwebeflug begann sich der Hubschrauber plötzlich unkontrolliert nach rechts um die Hochachse zu drehen. „Oh, ups“ reagierte der Copilot nach Auswertung des Stimmenrekorders. „Fahrt, Fahrt, Fahrt“ habe der verantwortliche Pilot (33) danach mehrfach geschrien. Innerhalb von zwölf Sekunden habe der Hubschrauber viereinhalb Umdrehungen um die Hochachse ausgeführt, so die Unfallforscher. Mit hoher Geschwindigkeit schlug er um 20 Uhr auf einem Feld südwestlich von Bimöhlen auf, dicht an Bebauung.

Nach dem Zwischenbericht könnte eine falsche Reaktion des Copiloten für das Unglück verantwortlich sein. Der Hersteller der Maschine vom Typ Eurocopter EC 135 empfiehlt bei einer ungewollten Rechtsdrehung im Schwebeflug, das linke Pedal des Hubschraubers bis zum Anschlag zu treten. Laut BFU-Bericht tat der Co-Pilot das nicht kräftig genug, er trat danach zudem ins rechte Pedal.

Am Unfalltag hatte die Besatzung um 19.12 Uhr zur gemeinsamen Übung von Bundespolizei und Sondereinsatzkommando (SEK) der Landespolizei abgehoben. Die beiden Piloten trugen Nachtsicht-Bildverstärker auf den Helmen. Mithilfe einer Wärmebildkamera sollte eine „Freund-Feind-Erkennung“ aus der Luft durchgeführt werden. Nach BFU-Angaben kommunizierte der Pilot mit einer Erfahrung von 1247 Flugstunden aktiv mit dem Bordtechniker und der Bodenstation. Die Hubschrauber-Besatzung sollte überprüfen, ob aus der Luft spezielle Blinklichter an der Kleidung der SEK-Beamten erkennbar sind. Der den Helikopter führende Copilot hatte den Lehrgang für das Fliegen mit Nachtsicht-Bildverstärkerbrille erst im Januar absolviert. Seine Gesamtflugerfahrung mit Bildverstärkerbrille betrug 19 Stunden – inklusive Ausbildung. Die gemeinsame Flugerfahrung der Piloten lag gerade einmal bei sechseinhalb Stunden.

Oder lag es doch am Helikopter? Ein Zwischenfall mit einem Eurocopter 135 der Landespolizei („plötzliche Drehung um die Hochachse“) nur drei Wochen vor dem Unglück hatte ein Pilotenbriefing aller Polizeihubschrauberstaffeln zur Folge. An das Personal der EC 135 war der Hinweis ergangen, sich eingehend mit der Meldung auseinanderzusetzen: Schwebeflüge sollten möglichst unterbleiben.

Die Kieler Staatsanwaltschaft ermittelt. Unabhängig vom BFU-Zwischenbericht seien Gutachten in Auftrag gegeben worden, teilte ein Behördensprecher mit. Es werde dabei geprüft, ob ein Hubschrauber-Insasse fahrlässig gehandelt hat. Der Abschlussbericht der Braunschweiger Unfallforscher liegt erst in einigen Monaten vor.

 

Ein leichter Mehrzweckhubschrauber

Der zweimotorige Eurocopter EC 135 (Foto) des Herstellers Airbus Helicopters ist ein leichter Mehrzweckhubschrauber (Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h) für bis zu acht Insassen. Als Mindestbesatzung ist ein Pilot auf dem rechten Sitzplatz im Cockpit vorgeschrieben. Der Unglücks-Hubschrauber wurde 2002 gebaut. Zum Unfallzeitpunkt hatte er eine Betriebszeit von 5536 Stunden. Es bestand am 25. Februar Sprechfunkkontakt zwischen der Hubschrauber-Besatzung und Bremen Radar sowie mit dem Personal der Fliegerstaffel am Boden. Die Gespräche wurden von dem Cockpit Voice Recorder (CVR) und der Wärmebildkamera aufgezeichnet und standen der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) zur Verfügung.

Von Curd Tönnemann

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