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Norddeutschland Plastiktüten im Überfluss: Kunden würden Verbot begrüßen
Nachrichten Norddeutschland Plastiktüten im Überfluss: Kunden würden Verbot begrüßen
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22:31 04.11.2013
„Höhere Preise würden mich und andere erziehen.“ Hans-Dieter Nagel (58)

Irmgard Sulzer schiebt ihren vollen Einkaufwagen durch die Obst- und Gemüseabteilung im Lübecker Citti-Markt. Sie greift ein paar Kartoffeln und packt diese in eine Folien-Plastiktüte. Einen Gang weiter verstaut sie Feigen, einen Salatkopf und eine Hand Bananen jeweils in einer Tüte. Ganze vier Einweg-Tüten nimmt sie allein aus dieser Abteilung mit nach Hause.

„Eine Papiertüte wäre mir lieber, diese Plastikdinger reißen mir zu schnell kaputt“, sagt die 57-Jährige, „aber die gibt es ja hier nicht, sondern meist nur auf dem Markt.“

Ginge es nach der EU-Kommission, würden Hände und Einkaufswagen voller Plastiktüten bald der Vergangenheit angehören. Die Behörde will die enorme Umweltbelastung reduzieren und die EU-Staaten zu neuen Steuern, Abgaben oder sogar zu einem Verbot von Plastiktüten ermutigen. In Deutschland könnten somit die Plastiktüten verboten oder sehr viel teurer werden. Der Einzelhandelsverband Nord und Edeka Nord lehnen dies strikt ab, auch unter Verweis auf die Konsumenten. Diese würden durch höhere Preise für Plastiktüten belastet und ein Verbot ablehnen. Eine Umfrage unter Verbrauchern im Citti-Markt ergab jedoch ein anderes Bild. Viele Supermarktkunden würden sogar ein Verbot von Plastiktüten der Umwelt zuliebe begrüßen.

„Ich würde lieber Papiertüten aus Altpapier nutzen, auch für das Obst und Gemüse“, sagt Stefan Holz. „Eine Alternative müsste nur so konstruiert werden, dass sie die gleiche Traglast aushält wie eine Plastiktüte“, gibt er allerdings zu bedenken. Auch Carolin Körnich sieht das ähnlich: „Mit Blick auf die Umwelt fände ich ein Verbot gut“, sagt die 25-Jährige. „Ich benutze eh kaum Plastiktüten, sondern nur Jutebeutel.“

Viele Kunden, die bewusst Plastiktüten vermeiden wollen, können dies aber gar nicht: „Man wird ja förmlich mit Plastiktüten bombardiert“, ärgert sich Heidrun Saalmann. „Ich versuche sie zu vermeiden, aber ob im Schuhladen oder beim Bäcker, ich werde ja gezwungen, eine zu nehmen“, sagt die 70-Jährige. Wenigstens beim Einkauf von Lebensmitteln könne sie es durch das Mitbringen von Stoff-Einkaufskörben vermeiden.

Auch Britta Knoke und ihre Tochter Jule konnten gerade nicht verhindern, die gekauften Kleidungsstücke in einer Plastiktüte mitzunehmen: „Sie können die Tüten ruhig verbieten“, sagt Britta Knoke, „Hauptsache, sie bieten dann auch eine Alternative wie kompostierbare Plastiktüten für manche Obstsorten oder Stinkekäse“, sagt sie. Ihr pflichtet Barbara Wentzlaff bei, in deren Einkaufskorb Gurken und Orangen in Einweg-Tüten liegen. „Dann muss man uns eine alternative Tüte bieten“, sagt die 70-Jährige. Das Obst und Gemüse ohne Verpackung abzuwiegen und zu transportieren sei jedenfalls unhygienisch. Hans-Dieter Nagel hätte sogar nichts gegen höhere Tütenpreise. „Ich nehme mir immer vor, darauf zu achten, weniger Plastiktüten mitzunehmen, aber es dann doch viel zu oft nicht so genau“, sagt der 58-Jährige. Ein höherer Preis hätte bei ihm und vielen anderen eine erzieherische Wirkung, glaubt er.

Janine Richter

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