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Norddeutschland Pokémon Go: Datenschützer warnen vor Smartphone-Spiel
Nachrichten Norddeutschland Pokémon Go: Datenschützer warnen vor Smartphone-Spiel
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10:50 06.08.2016
Der Spieler hat einen „Rattfratz“- Pokémon gefunden. Quelle: AFP
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Kiel

Das Spiel verlange nicht nur Zugriff auf Kamera und Mikrofon des Handys, sondern speichere auch „sehr genau und detailliert“ Geo-Daten seiner Nutzer. Das Smartphone-Spiel, erst vor einem Monat in Deutschland an den Start gegangen, ist derzeit die beliebteste App. Dabei müssen die Spieler kleine, virtuelle Monster fangen. Sie werden an verschiedenen Orten auf dem Smartphone-Display in die reale Umgebung eingeblendet.

LN Online hilft bei der Monsterjagd!

Der Hype um „Pokémon Go“ hat längst auch Lübeck erreicht. Damit das Sammeln der kleinen, bunten Monster leichter fällt, helfen die Lübecker Nachrichten mit. Auf einer offenen Google Maps-Karte können Spieler jetzt sehen, wo sich wichtige Orte für das Spiel wie „Pokéstops“ und Arenen befinden. Das Projekt steht aber gerade erst am Anfang und lebt vor allem von der Mitarbeit der Nutzer: Jeder kann die Karte bearbeiten und neue Orte eintragen oder Daten korrigieren.

Karte und Pokémon-News unter www.LN-online.de/PokemonGo

Dabei würden die Bewegungsprofile der Nutzer gesammelt – und an den Spielentwickler, die US-Firma Niantic übermittelt. „Da es sich um einen außereuropäischen Anbieter handelt, fehlt uns bislang der juristische Hebel, da aktiv zu werden“, sagt Hansen. Die Spiel-Macher könnten mit Pokémon Go die Nutzer „regelrecht lenken“, warnt sie. In Japan kooperiere die Fastfoodkette McDonald’s bereits mit dem Spiele-Entwickler; vor jeder Filiale locke ein sogenannter Poké stop. Pokémon Go beweise „eindrücklich, wie man heute mit wenig Aufwand große Kundenströme steuern kann“.

Kommentar zum Thema: Spielverderber

Auch die Verbraucherzentrale rät zur Vorsicht: „Potenziell hat das Unternehmen Zugriff auf sehr viele Daten“, erklärt Boris Wita, Referent für Recht bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Die Macher der App wollten zukünftig damit Geld verdienen, dass sie Treffpunkte gegen Zahlung bei Firmen einrichten, die dann zum Einkaufen in ihre Geschäfte locken. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) hat bereits 15 Klauseln aus den Datenschutzbestimmungen abgemahnt, da sie „nach deutschem Recht unzulässig“ seien. Gibt die Entwicklerfirma keine Unterlassungserklärung ab, will der Bundesverband ein Klageverfahren prüfen.

Die Piraten im Landtag fordern, dass Schulen über die Hintergründe aufklären. „Pokémon Go ist der beste Aufhänger, um mit jungen Leuten über Datenschutz ins Gespräch zu kommen“, meint Fraktionschef Patrick Breyer. Das müsste heute eigentlich wie selbstverständlich dazugehören. Zugleich appellierte er an die Landesregierung, die Mitarbeiter aufzuklären. So würde beispielsweise das Bewegungsprofil von Polizisten oder Finanzbeamten im Außendienst, die die Anwendung während der Arbeitszeit in der Tasche laufen lassen, aufgezeichnet und in den USA gespeichert.

„Während der Dienstzeit sollte man die App nicht nutzen“, rät Henry Krasemann vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz (ULD). Zudem könne man sich einen extra Google-Account für das Spiel zulegen. „Dann ist es für den Hersteller schwieriger, die Bewegungsdaten direkt auf eine Person zurückzuführen. Es ist aber nicht unmöglich.“

Von Julia Paulat

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