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21:17 08.04.2016
LN-Leser Marco Pape hat das Polarlicht nach eigenen Angaben auf der Hermannshöhe fotografiert. Quelle: Leserbild
Lübeck

Offenbar waren in der letzten Nacht Polarlichter über Norddeutschland zu sehen. Die LN-Leser Marco Pape und Sebastian Kartheuser haben uns via Facebook tolle Aufnahmen von der Hermannshöhe und dem Pariner Berg zugeschickt. Marco Pape schreibt: "Mit bloßem Auge waren die Polarlichter kaum zu sehen, aber die zeigt uns, was sich dort abspielt."

Polarlichter über Schleswig-Holstein - hier zeigen wir die besten Leserbilder!

Auf der Webseite www.polarlicht-archiv.de werden die Sichtungen bestätigt. Demnach war die Aurora Borealis besonders gut von Nutzern in Travemünde, Kiel, Oldenburg in Niedersachsen und Wolfsburg wahrgenommen worden.

Eigentlich wollte Marco Pape schon schlafen gehen. Doch als er noch einmal in die Lübeck-Fotografie-Gruppe auf Facebook schaute, schrieb ein Mitglied: „Heute Abend soll es in Lübeck Polarlichter geben.“ Eine Chance, die sich der Hobbyfotograf nicht entgehen lassen wollte. „Also fuhr ich nachts um halb zwei ans Brodtener Steilufer“, erzählt Pape. „Denn schließlich gibt es da wenig Beleuchtung, die vom Polarlicht ablenken könnte.“ Trotz der späten Stunde war der 46-Jährige bei Ankunft an der Ostsee auf einmal hellwach. Vor allem grün, und auch ein wenig violett-rot leuchtete es am Himmel. „Das war ein unglaubliches Schauspiel“, sagt Pape begeistert. „Das bekommt man ja nicht allzu oft hier zu sehen.“

Manche lauern geradezu auf diesen Moment — wie Sebastian Kartheuser, der sich vorgestern Nacht ebenfalls mit Kamera ausgerüstet auf den Weg zum Pariner Berg (Ostholstein) machte. Denn: „Es gibt ein Polarlicht-Frühwarnsystem“, sagt der 31-Jährige. Immer, wenn die besondere Leuchterscheinung in den hiesigen Breitengraden zu erwarten ist, bekommt er eine E-Mail vom Arbeitskreis Meteore, einem Verein, der sich mit Erscheinungen in der Erdatmosphäre beschäftigt. Aber auch eine Webseite mit einer Polarlicht-Vorhersage zeigt, wo gerade die Wahrscheinlichkeit für das Naturspektakel besonders groß ist.

In der Nacht zu gestern war dies über der Lübecker Bucht sowie der Ostseeküste entlang bis hoch nach Kiel der Fall. Die Ausprägung stuften die Experten als „deutlich visuell“ ein. Normalerweise tritt das Phänomen vor allem in der Nähe der Magnetpole der Erde, also zum Beispiel in Nordnorwegen oder Island auf. Das letzte Mal konnten die Schleswig-Holsteiner es hierzulande im März vergangenen Jahres erleben, als die Wolken noch rechtzeitig verschwanden und den Blick auf den Himmel freigaben.

Die Entstehung des Leuchtphänomens ist komplex. Torsten Lohf von der Sternwarte Lübeck beschäftigt sich schon seit mehreren Jahrzehnten damit. Und erklärt es in der Kurzform so: „Die Sonne sendet permanent einen Strom elektrisch geladener Teilchen aus“, sagt der Astronom. „Trifft dieser Sonnenwind auf die Erde, wird er durch das Erdmagnetfeld zu den Polen geleitet.“ In der Atmosphäre, etwa in einer Höhe von 80 bis 400 Kilometern, reagieren diese Teilchen schließlich mit Sauerstoff und Stickstoff und erzeugen meist grünes und rotes Polarlicht. „Das Leuchten wird ähnlich erzeugt wie in einer Leuchtstoffröhre“, sagt Torsten Lohf.

Wenn das Phänomen aber nicht nur in den Polarregionen, sondern auch in den hiesigen Breitengraden zu beobachten ist, müssen laut Lohf drei Eigenschaften gegeben sein: Zum einen müssen sowohl die Geschwindigkeit als auch die Dichte des herrschenden Sonnenwinds besonders hoch sein, zum anderen muss das Teilchen-Magnetfeld eine südliche Ausrichtung haben, damit es angezogen werden kann.

Pink eingefärbter Himmel über Kiel, grün-lila Farbbänder über Travemünde und Malente: Die Polarlicht-Beobachter hatten an dem Spektakel ihre helle Freude und posteten ihre Fotos in sozialen Netzwerken und auf der Webseite der Polarlicht-Vorhersage. Schon sehnlichst warten die Hobbyfotografen auf ihren nächsten Einsatz.

Von Lena Modrow

Bereits im März 2015 konnte man tolle Polarlichter über Schleswig-Holstein sehen. Diese Leservideos wurden uns damals zugeschickt:

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