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Norddeutschland Erster Fahndungserfolg in Wismar
Nachrichten Norddeutschland Erster Fahndungserfolg in Wismar
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19:48 30.08.2018
Die Polizei vermeldet eine Festnahme. Quelle: FOTO: FRiSO GENTSCH/DPA
Wismar/Lübeck

Die Staatsanwaltschaft Schwerin vermeldete am Donnerstagnachmittag einen ersten Fahndungserfolg: Die Polizei hatte einen 26-jährigen Deutschen festgenommen, der im Verdacht steht, am Mittwoch in Wismar (Nordwestmecklenburg) mit Komplizen einen Syrer zusammengeschlagen zu haben.

Noch sind die Bilder aus dem sächsischen Chemnitz präsent, wo nach der Ermordung eines Deutschen am Wochenende – mutmaßlich durch zwei Asylbewerber – die Hetzjagd auf Ausländer eröffnet worden war. Entsprechend groß war das Entsetzen in Mecklenburg-Vorpommern und im nahen Schleswig-Holstein. In Wismar war ein 20-jähriger Syrer nach eigenen Angaben auf dem Heimweg von drei deutsch sprechenden Männern überfallen worden. Mit einem Nasenbeinbruch, Hämatomen im Gesicht und am Oberkörper musste er in einem Krankenhaus behandelt werden. Das Amtsgericht Wismar will am Freitag über einen Haftantrag gegen den 26-jährigen Tatverdächtigen entscheiden. Das Polizeipräsidium Rostock werde eine Sonderkommission (SoKo) bilden, teilte Innenminister Lorenz Caffier (CDU) mit. Der Rechtsstaat toleriere keine Gewalt.

„Die Menschenwürde darf niemals relativiert werden“, sagte Nordkirchen-Bischöfin Kirsten Fehrs. Auch Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau meldete sich zu Wort. Jede und jeder sei aufgerufen, sich gegen Gewalt und Hetze zu positionieren. „Wir dürfen die Augen vor den aktuellen Geschehnissen nicht verschließen“, forderte Lindenau. Jene Kräfte, die – auch im Deutschen Bundestag – solche Stimmungen anheizten oder mit falschen Behauptungen und nationalistischer Hetze weiter förderten, „machen sich mitschuldig und beschädigen unsere Demokratie nachhaltig“.

„Wir haben immer davor gewarnt: Worte werden zu Taten, aus Hass und Hetze wird schnell Gewalt“, sagte Ingo Schlüter, Vizechef des DGB Nord. Sollten sich die Informationen verdichten, könne man nur sagen: „Diese feige und schändliche Tat in Wismar geht wie viele andere Gewaltexzesse auch auf das Konto derjenigen, gerade auch in der AfD, die besonders im Internet keine Gelegenheit auslassen, Ausländer zu Sündenböcken und Feindbildern zu machen.“ Die Gewerkschaft fordert, Polizei und Präventionsgremien so auszustatten, „dass wirksam gegen das Zusammenrotten von Nazis und deren Propaganda agiert werden kann“.

Gewalt dürfe nicht geduldet werden, egal von wem und gegen wen, sagte SPD-Landeschef Ralf Stegner. Wie sich die AfD dazu verhält, sei für ihn keine Überraschung, sagte Stegner. Bedenklich sei in seinen Augen, wenn Vertreter demokratischer Parteien wie der FDP glaubten, „mit einem Schlingerkurs nach Rechts politisch absahnen zu können“. Das trage dazu bei, eine Stimmung zu erzeugen, die Täter ermutige, Grenzüberschreitungen zu wagen.

Das in diesen Tagen eskalierende Problem von Ausgrenzung und Gewalt stehe in einer unheiligen Tradition rassistischer Vorfälle, sagte Martin Link vom Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein. Die Mehrheit der Gesellschaft sei in der Verantwortung, „sich lautstark gegen diesen Rassismus zu Gehör zu bringen“, fordert Link. Nächste Gelegenheit sei am kommenden Montag eine Kundgebung „Für Respekt und Menschenwürde“ auf dem Kieler Rathausplatz. Viele weitere Kundgebungen gegen Rassismus und schleichende Rechtsextremisierung müssten folgen, so Link.

Curd Tönnemann

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