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Norddeutschland Polizei jagt kinox.to-Macher - Anwalt: „Sie sind nicht gefährlich“
Nachrichten Norddeutschland Polizei jagt kinox.to-Macher - Anwalt: „Sie sind nicht gefährlich“
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10:26 31.10.2014
Kastriot (25, l.) und Kreshnik (21) Selimi aus Pansdorf. Quelle: Polizei Sachsen
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Lübeck

Die Polizei in Sachsen hat die beiden untergetauchten mutmaßlichen Betreiber der illegalen Streaming-Dienste kinox.to und movie4k.to gestern Abend öffentlich zur Fahndung ausgeschrieben. Kastriot (25) und Kreshnik (21) Selimi stünden im Verdacht, „Gründer und Rädelsführer einer kriminellen Vereinigung“ zu sein, heißt es auf der Internetseite der Polizei Sachsen. Die Verdächtigen würden „mit internationalem Haftbefehl gesucht und als gewaltbereit eingestuft. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass sie im Besitz von Schusswaffen sind“.

Die Generalstaatsanwaltschaft in Dresden wirft den Brüdern aus dem ostholsteinischen Pansdorf tausendfachen Verstoß gegen das Urheberrecht, Steuerhinterziehung, Nötigung, räuberische Erpressung und Brandstiftung vor. Sie sollen Konkurrenten bedroht, erpresst und in einem Fall ein Auto angezündet haben.

Der Lübecker Strafverteidiger Stefan Tripmaker, der die beiden jungen Männer vertritt, zeigt sich irritiert. Er kenne seine Mandaten sehr gut. „Und ich habe keine Anhaltspunkte, dass die beiden in irgendeiner Weise gefährlich sein sollten“, erklärt Tripmaker. Für ihn sei daher auch der Einsatz der Polizei am Mittwoch vor einer Woche unverhältnismäßig gewesen. Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) der Polizei hatte das Elternhaus der Verdächtigen in Pansdorf gestürmt. Beide Brüder wurden dort aber nicht angetroffen. Sie sollen sich laut Staatsanwaltschaft bereits im Sommer ins Ausland abgesetzt haben. „Zum Zeitpunkt des Einsatzes war nur der Vater der beiden zu Hause“, sagt Tripmaker. Nach seiner Darstellung habe das SEK frühmorgens die Haustür aufgebrochen und den Vater mit vorgehaltener Waffe aus dem Bett gezerrt. Die Mutter sei nicht zu Hause gewesen. „Beide Elternteile haben mit den Tatvorwürfen objektiv absolut nichts zu tun“, erklärt Tripmaker. Sie seien durch den Einsatz psychisch mitgenommen und traumatisiert.

Verwundert zeigt sich Tripmaker auch über die Darstellung der Staatsanwaltschaft, seine Mandaten sollen ein Millionenvermögen angehäuft und dabei mehr als 1,3 Millionen Euro Steuern hinterzogen haben. „Beide haben noch im Elternhaus in ihren Kinderzimmern gewohnt“, berichtet der Lübecker Jurist. Und es handele sich dabei mitnichten um einen Palast, so Tripmaker weiter. „Wo die Millionen gewesen sein sollen, erschließt sich mir nicht.“

Wie es jetzt weitergeht, ist offen. Nach eigenen Angaben wisse er selbst nicht, wo sich seine Mandaten derzeit aufhielten, versichert Stefan Tripmaker. Ob sich beide der Justiz stellen werden, hänge auch davon ab, ob die Haftbefehle in Kraft bleiben. Für beide sei es wichtig, sich zumindest frei bewegen zu dürfen. Oliver Vogt

LN

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