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Polizei überwacht die Regionalzüge

Lübeck Polizei überwacht die Regionalzüge

Nach Anschlägen auf die Zugstrecke Lübeck — Lauenburg drosseln die Regionalbahnen dort das Tempo. Das führt zu Verspätungen.

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Die Eisenbahnbrücke bei Basedow (Herzogtum Lauenburg) steht nach den Anschlägen unter besonderer Beobachtung durch die Bundespolizei. Auch ein Hubschrauber überflog zeitweise das Terrain. Foto (M.): Jens Burmester

Lauenburg. Der Zug ist ziemlich voll. In Büchen steigen am Freitagmittag noch jede Menge Schüler ein. Viele müssen stehen. Alltag im Abteil. Doch auf dem weiteren Weg Richtung Lauenburg bremst die rote Regionalbahn ab und wechselt ins Schritttempo. Links und rechts stehen Bäume, es scheint, als seien die roten Früchte des Cotoneasters mit den Händen zu greifen.

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Stefanie Gehrke (22): „Die Bahn ist zuverlässig; ich habe keine Angst.“

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Mehr sieht man zunächst nicht. Dann sind wir plötzlich auf der Eisenbahnbrücke bei Basedow (Herzogtum Lauenburg), auf die gleich zwei Mal innerhalb von 24 Stunden ein Anschlag verübt worden ist.

Unbekannte hatten Holzbohlen auf die Gleise gelegt. Beide Züge waren mit einer Geschwindigkeit von über 100 Stundenkilometern auf das Hindernis geprallt. Jetzt dürfen die Lokführer nur noch „auf Sicht“ fahren, maximal 40 Kilometer pro Stunde.

„Durch Vandalismusschäden und Schäden an den Gleisen kommt es zu Verspätungen auf der Strecke zwischen Lübeck und Lüneburg“, informiert eine Durchsage. Die Fahrt über die Brücke dauert rund zwei Minuten länger als gewöhnlich. Inzwischen haben sich die Verspätungen summiert — am frühen Nachmittag ist der Zug fast eine Viertelstunde zu spät dran. „Das wird knapp“, murmelt ein Fahrgast, offenbar in Sorge um seinen Anschlusszug.

Die meisten aber nehmen die Fahrt mit dem „Bummelzug“ gelassen hin. Nur wer genau hinschaut, bemerkt den grünen Bus der Bundespolizei, der direkt an der Brücke steht. Das gibt einem schon ein mulmiges Gefühl. Zum Glück kreist in diesem Moment gerade kein Hubschrauber über uns, der würde für noch mehr Dramatik sorgen. Die Bundespolizei überwacht das Gelände jetzt auch aus der Luft.

Rot-weißes Flatterband versperrt den Fußweg neben der Brücke. Von dort hatten Unbekannte die Holzbohlen genommen. Inzwischen sind die restlichen Bretter aus Sicherheitsgründen entfernt worden.

Dann sind wir schon wieder runter von der Brücke, der Zug nimmt Fahrt auf. Es geht mit der üblichen Geschwindigkeit weiter, vielleicht mit gut 100 Kilometer pro Stunde, immer links am Elbe-Lübeck-Kanal entlang. Mais und Spargelfelder ziehen vorbei. Die Schüler geben sich unbeeindruckt. Sie hören Musik, essen und reden. Eine Gruppe von Radfahrern bespricht ihre weitere Tour. Die Menschen haben offenbar Vertrauen in die Bahn. „Ich habe trotz der Vorfälle keine Angst, auch weiterhin mit der Bahn zu fahren“, sagt Darian Czichotzki (17). „Die Bahn ist zuverlässig; ich habe keine Angst“, erklärt Stefanie Gehrke (22).

Anders ist es Britta Burmeister (49) ergangen. Als Pendlerin zwischen Mölln und Lüneburg hatte sie am Morgen im Zug schon ein „komisches Gefühl“. „Wenn man überlegt, was hätte passieren können, ist man schon ein bisschen beklommen“, sagt sie später. „Entsetzlich“ nennt Mathilde Igler (62) die Anschläge. Es sei schlimm, dass Menschen so etwas machen. Inge Dreier (69) hofft, dass die Täter schnell gefasst werden.

Zwei Mal hatten die unbekannten Täter die 80 Zentimeter langen Holzbohlen auf die Gleise gelegt, wo sie vom heranrasenden Zug zu Splittern zerfetzt wurden. Die Fahrgäste mussten auf Busse umsteigen, verletzt wurde niemand. In einem Fall entstand aber Sachschaden in Höhe von 50 000 Euro.

Intensive Suche nach den Tätern
Wer steckt hinter den Anschlägen auf die Bahntrasse zwischen Lübeck und Lüneburg? Die Bundespolizei arbeitete weiter mit Hochdruck daran, den Fall aufzuklären. Ein Hubschrauber flog gestern über der Strecke. Auch mit Personenspürhunden wurde nach den Tätern gefahndet. „Wir versprechen uns auch neue Erkenntnisse von Zeugenbefragungen“, sagt Bundespolizei-Sprecher Gerhard Stelke. Noch in den nächsten Tagen würden Spaziergänger und Wanderer in der Gegend um den Lanzer See nach verdächtigen Beobachtungen befragt. Zeugen können sich auch telefonisch unter 0800/6 888 000 oder 0431/9 807 10 bei der Bundespolizei melden.

Das Motiv der Täter, die am Mittwoch und Donnerstag Holzbohlen auf den Gleisen einer Eisenbahnbrücke aufgeschichtet hatten, ist ebenfalls noch unklar. Ein einzelner „Bahn-Hasser“ gilt derzeit ebenso als möglich wie ein ausgearteter Dummer-Jungen-Streich.

Für ihr Hindernis hatten die Unbekannten Holzbohlen von einem Arbeitsweg direkt neben der Brücke verwendet. Um den Tätern weitere Anschläge zu erschweren, wurden die Bohlen gestern entfernt. Ein Gitterrost soll jetzt den Holzweg an der Brücke ersetzen. ov

J. Paulat und J. Burmester

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