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Polizist bei Einsatz verletzt: Stiftung ermöglicht eine Kur

Scharbeutz Polizist bei Einsatz verletzt: Stiftung ermöglicht eine Kur

Eine Verfolgungsjagd auf der A 1 hatte für Uwe Götsch (59) schlimme Folgen.

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Polizeihauptmeister Uwe Götsch arbeitet beim Autobahnpolizeirevier Scharbeutz. Der 59-Jährige ist jetzt wieder im Dienst.

Quelle: Foto: Wolfgang Maxwitat

Scharbeutz. Uwe Götsch feiert im Jahr drei Mal Geburtstag. Am 22. Juli, da wurde er 59. Am 3. Juli, das war der Tag vor 15 Jahren als ein 40 Tonnen schwerer Geister-Lkw direkt auf seinen Streifenwagen zuraste. Und am 12. Dezember. An diesem Tag im vergangen Winter wurde der Lübecker bei einer Verfolgungsjagd mit einem betrunkenen Verkehrschaoten auf der A 1 schwer verletzt und traumatisiert. Zur Erholung darf er jetzt in eine Kur fahren — gesponsert aus einem speziellen Hilfsfonds für Polizisten.

Der Polizeihauptmeister mit dem grauen Zwirbelbart erinnert sich an die Ereignisse der Dezembernacht. „Mein Kollege und ich hatten in diesem Moment schon mit dem Leben abgeschlossen.“ Die beiden Beamten waren an die Autobahnabfahrt Dänischburg gerufen worden. In Lübeck hatte sich ein Mann aus Grevesmühlen einer Verkehrskontrolle entzogen und war mit Vollgas Richtung Travemünde geflüchtet.

Götschs Streife sollte den Raser abfangen. Als sie den grauen Ford Tourneo sahen, nahmen die Beamten die Verfolgung in Richtung Lübeck auf, versuchten, mit ihrem Streifenwagen vor das Auto des Flüchtenden zu kommen. „Als er links von uns war, hat er uns gerammt“, sagt Götsch. Da habe er „den ersten Schlag abbekommen“. Götsch war bei der Verfolgungsjagd nur Beifahrer. Das sei aber problematisch. „Das Dumme ist, dass man nicht genau sieht, was um einen herum passiert“, erklärt der Autobahnpolizist. Während der Fahrer, der die Geschehnisse über Seiten- und Rückspiegel beobachte, auf einen Aufprall rechtzeitig reagieren, die Muskeln im richtigen Moment anspannen kann, habe der Beifahrer diesen Vorteil nicht.

Uwe Götsch blättert in der Ermittlungsakte und schlägt ein Foto auf. Darauf ist das demolierte Heck eines Streifenwagens zu sehen. „Da ist er uns mit 120 Stundenkilometern reingefahren.“ Sein Ton verrät, dass es ihm immer noch ein bisschen schwer fällt, über die Ereignisse zu reden. Als es seinem Kollegen gelungen war, sich vor den Raser zu setzen, sollte das Fluchtauto heruntergebremst werden. Doch der 28-Jährige ließ sich nicht ausbremsen; er fuhr mit 120 auf den Tempo 70 fahrenden Streifenwagen auf. „Da dachte ich, das war‘s jetzt, der haut uns von der Autobahn.“

Dazu kam es nicht, aber der Einsatz war für die beiden Polizisten an dieser Stelle zu Ende. Der flüchtende 28-Jährige und sein 27 Jahre alter Beifahrer konnten an der Abfahrt Moisling gestoppt werden. Elf Streifwagen waren ihnen auf den Fersen, mehrere wurden beschädigt, vier Beamte verletzt.

Uwe Götsch erwischte es am schlimmsten. Er stauchte sich die Wirbelsäule, erlitt stumpfe Verletzungen an Kopf und Bauch. Drei Tage verbrachte er in der Uni-Klinik, war danach mehrere Wochen krankgeschrieben. Während die körperlichen Wunden relativ schnell auskuriert waren, dauerte es bei den seelischen länger. „In der ersten Zeit konnte ich nicht einmal mehr nachts über die Autobahn fahren“, erzählt der 59-Jährige, der seit 35 Jahren bei der Polizei ist. Nachts sei er schweißgebadet aufgewacht, sei nervös und fahrig gewesen. Auch die Familie habe gelitten. „Denn so eine Sache verarbeitet man leider nicht für sich allein“, sagt der Vater und Großvater. „Zu Hause bin ich in dieser Zeit oft ungerecht gewesen.“

Mittlerweile ist das vorbei. „Seit einigen Wochen kann ich von mir sagen, ich bin jetzt endgültig durch damit.“ Götsch macht wieder normalen Schichtdienst beim Autobahnpolizeirevier in Scharbeutz.

Und auch auf dem Abschnitt der Autobahn, auf dem der Unfall vor acht Monaten passierte, könne er wieder vorbeifahren, ohne dass die alten Ängste hochkämen. „Ich möchte so etwas trotzdem nicht noch einmal erleben.“ Das Gefühl, hilflos in einem fahrenden Kasten eingesperrt zu sein und dem Tod ins Auge zu sehen, „so was braucht man in meinem Alter nicht mehr.“

Gegen die beiden Männer aus dem Fluchtauto soll demnächst Anklage erhoben werden. Die Ermittlungen seien abgeschlossen, sagt Oberstaatsanwalt Günter Möller aus Lübeck. Götsch darf sich jetzt zusammen mit seiner Frau noch ein paar Tage erholen: Landtagspräsident Klaus Schlie überreichte dem Beamten in der vergangenen Woche den Gutschein für eine elftägige Kur in Oberstdorf im Allgäu. Das Geld dafür stammt aus dem „Hilfs- und Unterstützungsfonds für Polizeibeschäftigte und deren Familien“. „Wir freuen uns auf die Fahrt“, sagt Uwe Götsch.

Im kommenden Jahr wird der Polizeihauptmeister in Pension gehen. An seinem Geburtstag. Dem zweiten im Jahr.

Hilfe für Beamte
77 Polizisten und Angehörigen hat der „Hilfs- und Unterstützungsfonds für Polizeibeschäftigte und deren Familien in Not e.V.“ seit Gründung im Jahr 2001 bereits mit Zuwendungen geholfen. Der Verein unterstützt Beamte, die Opfer von Gewalt wurden. Spendenkonto bei der PSD Bank Kiel: Nummer 290 298 3600, Bankleitzahl 210 909 00.
„Wir hatten

in diesem Moment schon mit dem Leben abgeschlossen.“
Uwe Götsch (59)

Oliver Vogt

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