Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 4 ° Regenschauer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Premiere in Lübeck: Flüchtling arbeitet als Bufdi

Lübeck Premiere in Lübeck: Flüchtling arbeitet als Bufdi

Der Bund hat 10 000 Plätze im Freiwilligendienst bewilligt, einen davon hat Abdu Lrhman Halowh.

Voriger Artikel
Erste „Tornados“ zu Syrien-Einsatz gestartet
Nächster Artikel
Der Norden startet in den Syrien-Einsatz

Im Büro der „Alternativen“ arbeitet Abdu Lrhman Halowh mit Hilde Baumann zusammen.

Lübeck. Abdu Lrhman Halowh steht mit einer neongelben Warnweste am Bahnhof und beobachtet konzentriert den einlaufenden Zug. Die Türen öffnen sich, und ein Schwall Menschen strömt hinaus. Zusammen mit Eva-Marie Gabriel beginnt er, hektisch den Bahnhof abzusuchen. „Vielleicht haben wir sie übersehen und sie sind schon die Treppen hoch gelaufen“, sagt er auf Englisch. Die beiden rennen hoch zur Bahnhofshalle und sehen sich dort um. Ein junger Mann führt sie schließlich zu zwei Frauen. Halowh soll sie zum Jugendzentrum „Alternative“ bringen. Das gehört zu seinen Aufgaben. Der Syrer ist „Bufdi“, absolviert beim Lübecker Flüchtlingsforum seinen Bundesfreiwilligendienst.

Seit Dezember haben geflüchtete Menschen die Möglichkeit, mit dem Sonderprogramm der Bundesregierung einen „Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug“ zu machen. Der Bund hat dafür 10000 zusätzliche Plätze bewilligt. Halowh gehört zu den ersten Flüchtlingen, die diese Chance wahrnehmen. Die Mitarbeiter des Flüchtlingsforums haben ihn und einen weiteren Flüchtling nach dem Beschluss der Bundesregierung sofort gefragt.

Am Bahnhof kann der junge Syrer die beiden Frauen beruhigen. Sie erzählen ihm, dass sie nach Schweden oder Finnland wollen. Deshalb bringt er sie sofort zum Büro der „Alternative“, in dem die Buchungen für die Überfahrten gemacht werden. Auch Halowh sitzt hier während seiner Arbeitszeit häufig hinter dem Computer und bespricht mit den Menschen auf der Flucht ihre weitere Reise. In dem Büro arbeitet auch Hilde Baumann. „Normalerweise brauchen Flüchtlinge eine Arbeitserlaubnis und einen geklärten Aufenhaltsstatus. So sind sie hier offiziell beschäftigt“, sagt sie. Sonst würden Flüchtlinge häufig ehrenamtlich und ohne Bezahlung arbeiten. Halowh bekomme zumindest wie die anderen Bundesfreiwilligen eine Aufwandsentschädigung. 37 Stunden pro Woche muss er dafür arbeiten.

Während Halowh Aufgaben für das Flüchtlingsforum erledigt, wird er immer wieder gebraucht. Ein kleines Mädchen ist hingefallen und hat sich verletzt. Die Eltern wollen aber nicht, dass Alkohol auf die Wunde gegossen wird. Halowh spricht mit ihnen und bringt ihnen schließlich ein Desinfektionsspray aus der Apotheke. Kurz darauf ruft schon wieder jemand nach einem Helfer, der arabisch spricht.

Er wolle den Bundesfreiwilligendienst hier machen, weil er das Flüchtlingsforum unterstützen möchte, erklärt Halowh. „Sie tun viel für die Flüchtlinge.“ Gabriel, die gleichzeitig mit ihm ihren Bundesfreiwilligendienst angefangen hat, sagt: „Wir brauchen bei unserer Arbeit unbedingt Leute, die arabisch sprechen.“ Halowh erklärt, dass er froh sei, eine Aufgabe zu haben. Auf die Zusage für das Freiwillige Jahr habe er etwas länger warten müssen.

Denn für die Stadt Lübeck war ein Flüchtling im Bundesfreiwilligendienst Neuland. „Diesen Fall hatte die Stadt zum ersten Mal“ , erklärt Sozialarbeiterin Maria Brinkmann. Daher hätten alle Beteiligten erst einmal überprüfen müssen, was beachtet werden muss. Wie das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben in einem Merkblatt erklärt, ist die Voraussetzung für das Sonderprogramm, dass der Flüchtling eine Person mit internationalem Schutz ist oder eine Aufenthaltsgenehmigung zu erwarten ist. Zudem muss eine Beschäftigungserlaubnis von der zuständigen Behörde vorliegen.

Halowh besucht zwischendurch die Flüchtlingskinder in ihrer Spielecke. Die Kleinen kennen ihn schon, umklammern seinen Hals und geben ihm Küsschen. Der junge Syrer muss laut lachen. Ein Jahr dauert sein Bundesfreiwilligendienst. Danach würde er gerne sein Informatikstudium beenden, welches er in Syrien begonnen hat.

Bundesfreiwilligendienst
42 324 Personen haben 2014 einen Bundesfreiwilligendienst absolviert. Das Freiwillige Jahr wurde von der Bundesregierung mit der Abschaffung der Wehrpflicht und damit auch des Zivildienstes im Jahr 2011 eingeführt. Seit dem 1. Dezember können auch Flüchtlinge an einem Sonderprogramm teilnehmen. Das Programm ist bis zum 31.
Dezember 2018 befristet.

Alessandra Röder

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Reporter vor Ort

In einer fortlaufenden Galerie zeigen wir Ihnen jeden Tag die wichtigsten Bilder aus Lübeck und den umliegenden Kreisen. An dieser Stelle finden Sie die Galerie für den April 2017.

  • Hochzeitszauber
    Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwochen, Catering - hier finden Sie Informationen und kompetente Ansprechpartner in und um Lübeck für Ihre Traumhochzeit.

    Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwochen, Catering - hier finden Sie Informat... mehr

  • Reisetipps
    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber.

    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber. mehr

  • Events & Veranstaltungen
    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe.

    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe. mehr

  • Lifestyle

    Unser Lifestyle-Portal mit nützlichen News und Tipps: Informieren Sie sich über Mode, Beauty und aktuelle Trends. Mehr Schwung, mehr Spaß... mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Termine

Ausstellungen, Theater, Konzerte und mehr in Lübeck und Umgebung.

Tatort-Blitzkritik

Immer sonntags, direkt nach dem Tatort gibt es die Kritik auf LN Online. Reden Sie mit!

TV-Vorschau

Unsere Kolumne zeigt, wo sich das Einschalten lohnt.

Beltquerung

Politik und Bahn planen die Hinterlandanbindung zur Beltquerung. Alle Infos hier.

Schulen

Wir stellen Ihnen Schulen vor - damit Sie die richtige Wahl für Ihr Kind treffen.