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Norddeutschland Prozess: Mutter lässt Kind allein
Nachrichten Norddeutschland Prozess: Mutter lässt Kind allein
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21:13 09.05.2016
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Flensburg

Sie wollte feiern gehen. Eine Nacht lang. Doch dann bleibt eine alleinerziehende Mutter rund drei Wochen lang weg. Und lässt ihren vierjährigen Sohn allein in der abgeschlossenen Wohnung zurück. Die 38-Jährige hat gestern vor dem Landgericht Flensburg gestanden, ihren Sohn im August und September 2012 wochenlang eingesperrt zu haben. Sie ist wegen versuchten Totschlags angeklagt.

Sie bereue zutiefst, lässt die Angeklagte über ihren Anwalt verlesen. Sie habe ihr Kind alleine gelassen, um zu einer Party zu gehen und habe eigentlich in der Nacht oder am nächsten Morgen zurückkommen wollen. Auf dem Heimweg habe sie in einer Kneipe einen Mann kennengelernt und sei mit diesem in dessen Wohnung gegangen. Während der Feier und auch in den Wochen danach ist den Angaben zufolge getrunken und Rauschgift konsumiert worden. Die Wohnung des Mannes habe sie die ganze Zeit nicht verlassen. „Wir haben die Zeit mit Drogen, Alkohol, Geschlechtsverkehr und Gesprächen verbracht.“ Sie habe zwar an ihren Sohn gedacht, sei aber nicht fähig gewesen, klare Gedanken zu fassen.

Die Angeklagte habe ihren Sohn vernachlässigt, ihre Fürsorgepflicht verletzt und durch ihre Tat die seelische und körperliche Entwicklung des Jungen gefährdet, sagte Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt. Durch Zufall wird der kleine Junge nach rund drei Wochen gefunden. Sie habe im Kindergarten eine Maßnahme mit dem Kind beginnen sollen, sagte eine Heilpädagogin als Zeugin vor Gericht. Da der Junge so lange nicht in der Kita gewesen sei, habe sie nachsehen wollen. Sie sei zur Wohnung gefahren und habe dort mit dem Jungen durch die Wohnungstür gesprochen.

Weil sie dachte, seine Mutter sei in einem hilflosen Zustand, sei sie mit einer Erzieherin, die der Junge kannte, Polizei und Feuerwehr zurückgekommen. Die Feuerwehr brach das Schloss auf. Das Bild, das sich bot, war erschreckend. Die Wohnung sei in einem desolaten Zustand gewesen, berichten die Polizeibeamten, die bei der Wohnungsöffnung dabei gewesen waren. Verschimmelte Lebensmittelreste hätten herumgelegen. Der Junge hatte sich eingekotet, der Gürtel seiner Hose ließ sich nicht öffnen. „Es war schon sehr traurig ihn so zu sehen“, sagt die Heilpädagogin. Als die Frauen ihn baden, stellt sie fest, dass er am Gesäß, den Genitalien und an den Beinen wund ist. Die Zeugen berichten aber auch, dass der Junge in einem erstaunlich gutem Zustand gewesen sei.

Es ist bereits der zweite Prozessanlauf. Die Frau war im Dezember 2015 zu den ersten zwei Verhandlungsterminen nicht erschienen. Gegen die Frau, die mittlerweile in Nordrhein-Westfalen wohnt, wurde Haftbefehl erlassen. Ihr Kind lebt bei einer Pflegefamilie.

LN

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