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Norddeutschland Prozess um angebliche Vergewaltigung: Zeugenaussagen ohne Beweiswert
Nachrichten Norddeutschland Prozess um angebliche Vergewaltigung: Zeugenaussagen ohne Beweiswert
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16:08 07.09.2016
Das Logo des Erlebnisbad Arriba, aufgenommen am 04.03.2016 auf dem Dach des Schwimmbads in Norderstedt (Schleswig-Holstein). Quelle: Lukas Schulze/dpa
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Im Prozess um eine angebliche Vergewaltigung in einem Norderstedter Schwimmbad sind die Aussagen der beiden Hauptbelastungszeuginnen nach Einschätzung des Gerichts nicht verwertbar. Nach der Vernehmung einer 18-Jährigen sagte am Mittwoch die Vorsitzende Richterin am Amtsgericht, Claudia Naumann, der Aussage komme kein Beweiswert zu. Die gleiche Feststellung hatte das Schöffengericht bereits nach der Anhörung einer 14-Jährigen Ende August getroffen. Die Richter hatten daraufhin keinen dringenden Tatverdacht mehr gegen die beiden Angeklagten aus Afghanistan im Alter von 14 und 34 Jahren gesehen. Der Haftbefehl gegen den Älteren wurde aufgehoben, der Jüngere war bereits zwei Wochen nach seiner Verhaftung wieder freigekommen.

Die Anklage lautete auf sexuelle Nötigung in einem besonders schweren Fall. Die beiden Beschuldigten sollten demnach Ende Februar die 14-Jährige im Bereich einer Wasserrutsche vergewaltigt haben. Der Fall hatte zwei Monate nach den Silvester-Ereignissen in Köln und Hamburg für großes Aufsehen gesorgt. Das Arriba-Erlebnisbad hatte daraufhin sein Sicherheitskonzept überarbeitet.

Als Zeugen berichteten am Mittwoch zwei Bademeisterinnen und ein Sicherheitsmann übereinstimmend, die 14-Jährige sei nach dem Vorfall zusammen mit der 18-Jährigen auf sie zugekommen und beide hätten von sexuellen Übergriffen berichtet. Sie seien völlig aufgelöst gewesen, die 14-Jährige habe fast geweint. Ob die Mädchen die Übergriffe dabei schon als Handlungen beschrieben, die Juristen als Vergewaltigung werten, blieb unklar.

Der 34-Jährige sei vom Personal direkt festgehalten worden, berichteten die Zeugen weiter. Er habe dabei immer wieder „Entschuldigung. Es tut mir leid“, gemurmelt. Den 14-Jährigen hätten die Mädchen an einem Kleiderspind erkannt, woraufhin auch er von der inzwischen alarmierten Polizei festgenommen worden sei. Eine der Bademeisterinnen sagte, ihr seien die beiden Mädchen schon Stunden vorher aufgefallen. Sie hätten mehrfach an der Rutsche wartende Männer mit der Schulter, dem Arm oder dem Brustbereich „gerempelt“ und danach gelacht.

Vor der Vernehmung der 18-Jährigen erklärte deren Anwältin als Nebenklagevertreterin, ihre Mandantin leide unter einer Borderline-Erkrankung. Sie habe bereits traumatische sexuelle Erfahrungen gemacht. Die beiden Mädchen hätten sich in einer Klinik kennengelernt. Die 14-Jährige, das angebliche Vergewaltigungsopfer, zog ihre Nebenklage zurück. Das habe ihr Anwalt per Fax mitgeteilt, gab die Richterin zum Auftakt der Verhandlung am Mittwoch bekannt.

Die Verteidiger warfen der Staatsanwaltschaft schwere Fehler vor. Schon nach der ersten polizeilichen Vernehmung der 14-Jährigen hätte jedem klar sein müssen, dass die Vergewaltigungsvorwürfe nicht stimmen. „Die Aussage war meiner Meinung nach abstrus“, sagte Rechtsanwalt Jacob Schwieger vor Journalisten. Sein Kollegen Suad Omanovic ergänzte: „Es wäre nach Auffassung der Verteidigung Aufgabe der Ermittlungsbehörde gewesen, frühzeitig ein Glaubwürdigkeitsgutachten einzuholen.“

Schwieger bestätigte jedoch, dass sein Mandant eingeräumt habe, die 18-Jährige auf die Hüfte geküsst zu haben. Das müsse aber keine Straftat sein. Er kündigte dazu eine schriftliche Erklärung für den nächsten Prozesstag an. Im Anklagepunkt der Vergewaltigung werde er Freispruch beantragen. Auch Omanovic geht fest davon aus, dass sein 14 Jahre alter Mandant freigesprochen wird. Die Plädoyers sollen am Freitag gehalten werden, im Anschluss will das Gericht sein Urteil verkünden.

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