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Norddeutschland Quad-Fahrer leben gefährlich
Nachrichten Norddeutschland Quad-Fahrer leben gefährlich
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23:44 24.10.2013
Gefährlicher Abflug: Ein Dummy prallt bei einem simulierten Bremsmanover gegen ein Hindernis.
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Neumünster

Das extrem hohe Unfallrisiko von Quads mit schweren Verletzungen und Todesfällen wird erstmals belegt durch eine breit angelegte Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV). „Das Risiko, bei einem Unfall schwer verletzt oder getötet zu werden, ist mit einem Quad rund zehn Mal höher als mit dem Auto“, sagte der Leiter der wissenschaftlichen Einrichtung, Siegfried Brockmann, bei der Präsentation der Ergebnisse in Neumünster. „Dabei verursachen Quad-Fahrer gut 85 Prozent der Unfälle, in die sie verwickelt sind, selbst.“ Das Unfallrisiko ist pro gefahrenem Kilometer doppelt so hoch wie beim Auto, ergab die Studie.

Ein Crashtest auf der örtlichen Dekra-Anlage zeigte, wie schlecht die motorrad-ähnlichen Fahrzeuge mit vier dicken Reifen Kurven nehmen können und deshalb oft verunglücken. Dabei schaffte bereits ein 52 km/h schnelles Quad eine Kurve nicht, das 330 Kilo schwere Fahrzeug prallte gegen Baumpfähle, überschlug sich mehrfach und der „Fahrer“ — ein Dummy — schleuderte weit durch die Luft. Rund 40 Prozent aller Quad-Unfälle passieren laut Studie ohne jede Fremdeinwirkung, meistens einfach deshalb, weil die Maschinen von der Straße abkommen oder wegen Fahrfehlern.

Gleich mehrere Gründe sind für das schlechte Fahrverhalten und die schwierige Handhabung der schätzungsweise rund 150 000 Quads in Deutschland verantwortlich. So haben viele Quads kein Differenzial, Innen- und Außenrad sind in Kurven also gleich schnell. Hinzu kommt, dass der Fahrer Gas mit dem Daumen gibt wie bei einer Klingel. „Das ist ein verdammt kurzer Weg, die Maschinen schießen bei ruckartigem Gasgeben förmlich ab“, sagte Brockmann. „Und das Lenken ist extrem schwergängig, ich habe mir am Vortag bei einer Fahrt eine Schulterzerrung geholt.“ Der Experte sprach von einer „unheiligen Allianz“: „Es fehlt ein Differenzial, die Schubkräfte sind sehr hoch, und bei einer Vollbremsung gibt es kein ABS.“

Ein gravierendes Problem sieht der Experte auch in den bestehenden Regelungen, wer überhaupt aufs Quad darf. So können bereits 16-Jährige mit Mopedführerschein (Klasse S beziehungsweise AM) kleine Quads bis 4 kW mit 45 km/h Höchstgeschwindigkeit fahren. Solche Maschinen würden aber oft schneller gemacht, sagte Brockmann. Wer einen Autoführerschein hat, darf mit Quads (bis 15 kW) losbrettern, die an die hundert Sachen fahren können. „Ich halte es für ein Unding, dass man mit ungeeigneten Führerscheinen Quads fährt“, sagte Brockmann.

LN

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