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Qualvoller Tod eines Trittauers: Prozess wird neu aufgerollt

Karlsruhe/Dessau Qualvoller Tod eines Trittauers: Prozess wird neu aufgerollt

Ulf M. starb nach Überfall auf einem Rastplatz — Familie des Opfers war in Revision gegangen.

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Der Informatiker Ulf M. aus Trittau wurde nur 39 Jahre alt.

Karlsruhe. Ulf M. freut sich auf die nächsten Monate. Der Münchner Informatiker hat sich für eine Asien-Reise beruflich eine Auszeit genommen. Sein Sprinter ist vollgepackt mit Umzugskartons, die er bei seinen Eltern in Trittau unterstellen will. Am Abend des 9. Januar ist er auf der Autobahn 9 unterwegs. Er tankt in Sachsen-Anhalt und telefoniert gegen 21.30 Uhr mit seiner Mutter. Es wird etwas später, sagt er. Doch er kommt nie an. Als er beim Rastplatz „Rosselquelle“ von der Toilette zurückkehrt, beginnt ein unvorstellbares Martyrium: Ulf M. wird von vier Männern überwältigt, verschleppt und über Stunden so schwer misshandelt, dass er am Ende — gefesselt mit Klebeband — qualvoll in seinem Transporter stirbt. Seine Leiche wird sechs Tage später, am 15. Januar 2012, gefunden.

Coswig

Haben die Täter den Tod ihres Opfers in Kauf genommen oder sogar gewollt? Und wer genau ist für den Tod verantwortlich? Das muss nun ein neuer Prozess herausfinden. Der Bundesgerichtshof (BGH) hebt gestern in Karlsruhe ein Urteil des Landgerichts Dessau-Roßlau (Sachsen-Anhalt) auf und verweist es an eine andere Kammer zurück (Az.: 4 StR 72/15). Es hatte die insgesamt fünf Täter 2014 zu langen Haftstrafen verurteilt — wegen erpresserischen Menschenraubs und Raubs mit Todesfolge sowie gewerbsmäßigen Computerbetrugs. Erfolgreich sind mit ihren Revisionen kurioserweise beide Seiten: Die Familie des Opfers, die auf eine Verurteilung wegen Mordes pocht, und auch vier der Täter, die auf mildere Strafen hoffen. Nur im Fall eines Angeklagten, der nicht am Gewaltexzess beteiligt gewesen sein soll, ist das Urteil rechtskräftig.

„Die Karten werden neu gemischt“, sagt ein Täter-Anwalt. Das muss nicht unbedingt zum Vorteil der Täter sein. In einem neuen Prozess ist auch eine Verurteilung wegen Mordes möglich, räumt er ein.

Falsch ist laut BGH schon, dass das Landgericht „nur von einer fahrlässigen Herbeiführung des Todes“ ausging. Angesichts der festgestellten Umstände hätte das Gericht sich „mit der naheliegenden Möglichkeit auseinandersetzen müssen, dass den Angeklagten der Tod des Opfers gleichgültig war, mag er von ihnen auch nicht gewünscht oder gewollt gewesen sein“. Festgestellt wurde die ungeheure Brutalität, mit der die Männer ihr Opfer malträtierten: Die Schläge, die Sprünge auf den am Boden liegenden Mann, es brechen Brustbein und Halsknorpel, im Verlauf von etwa 24 Stunden stirbt Ulf M. an einer Lungenfett- Embolie.

Die erst wenige Tage zuvor aus Litauen nach Deutschland eingereisten Räuber gehen nach der Tat einkaufen. Ihnen kommt man später — nach einem ähnlichen Überfall in Brandenburg — durch Überwachungsbilder auf die Spur. Das dortige Opfer überlebt. Weil es die Täter wegen eines Überzugs über den Kopf nicht erkennen konnte? Das meinen zumindest die Anwälte der Familie von Ulf M..

Laut Verteidigung wollten die Männer das Opfer nicht töten. Bei laufendem Motor haben sie es zurückgelassen und die Heizung angeschaltet. Doch warum zerstören sie die Sim-Karte aus dem Mobiltelefon von Ulf M.? Er kann zu dem Zeitpunkt jedenfalls nicht mehr telefonieren. Im Landgerichts-Urteil wird die zerschnittene Sim-Karte „mit keinem Wort erwähnt“, moniert der Anwalt der Familie. Klar ist allen Seiten: „Es wird noch mal umfangreich verhandelt werden müssen“, drückt es der Täter-Anwalt aus. „Es wird sehr aufwendig werden und schwierig an vielen Fronten.“

LN

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