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Radfahrer im Norden begrüßen eine 1,1-Promille-Grenze

Lübeck Radfahrer im Norden begrüßen eine 1,1-Promille-Grenze

LN-Umfrage: Betroffene befürworten die geplante Absenkung des alten Grenzwertes. Manchen Lübeckern geht sie aber nicht weit genug. „Ein Radler hat keine Knautschzone.“

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„Von mir aus könnte beim Radfahren auch die Null- Promille-Grenze gelten.“ Corina Egerer (35) aus Lübeck

Lübeck. Das Rad bleibt stehen. Wenn Corina Egerer (35) Alkohol getrunken hat, setzt sie sich nicht auf ihren Drahtesel oder hinter das Steuer. „Ob mit dem Auto oder mit Rad, Straßenverkehr ist Straßenverkehr“, sagt die Fahrrad-Verkäuferin, die bei B.O.C. im Lübecker Citti-Park arbeitet. Deshalb geht ihr der Vorstoß der Verkehrsministerkonferenz auch nicht weit genug. Die Ressortchefs von Bund und Ländern wollen heute im thüringischen Suhl eine deutlich niedrigere Promillegrenze für Radfahrer beschließen. Ein Grenzwert von 1,1 Promille für Radfahrer gilt als möglicher Kompromiss. Bislang waren für Radler bis zu 1,6 Promille Alkohol im Blut straffrei.

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„Ich fahre kein Fahrrad mehr, wenn ich etwas getrunken habe.“ Eileen Schablowski (20) aus Lübeck

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„Von mir aus könnten sie das auch auf Null absenken“, sagt Corina Egerer. Die 35-Jährige sieht in betrunkenen Radfahrern ein generelles Problem. „Aber gerade in der dunklen Jahreszeit ist eine unsichere Fahrweise noch gefährlicher“, sagt die Lübeckerin. Thomas Paarmann, der mit seiner Frau Bianka Specht-Paarmann den Fahrradladen MTB-Market in Lübeck betreibt, begrüßt den Plan der Verkehrsminister. „Die Räder werden immer schneller“, sagt er. Eine geringere Promille-Grenze sei schließlich auch für die eigene Sicherheit von Bedeutung. Das sieht einer seiner Kunden ganz anders.

Der 40-jährige Mann, der seinen Namen nicht nennen möchte, denkt vor allem an die eigene Mobilität. „Wenn ich nicht mehr Auto fahren kann, nehme ich das Rad“, sagt der Lübecker. „Das ist ein Notanker.“ Natürlich müsse sich der Alkoholkonsum dabei aber im Rahmen halten.

Jessica Kreklau aus Klein Wesenberg fährt nach einem Sekt noch mit dem Fahrrad. Wenn es jedoch mehr werden sollte, würde die 36-Jährige zu Fuß gehen. Myriam Pflughaupt ist in der Vergangenheit auch das eine oder andere Mal mit Alkohol im Blut aufs Rad gestiegen. „Als Radfahrer nimmt man das nicht so genau“, sagt die 51-Jährige aus Lübeck. Die Absenkung der Promillegrenze findet sie mittlerweile sinnvoll. „Je weniger, desto besser.“ Gerade in Lübeck mit seinen engen Radwegen, die man in beide Richtungen passieren kann, könne es schnell zu einer gefährlichen Situation kommen. Das verdeutlichen auch die Unfallzahlen aus der Hansestadt. Im vergangenen Jahr verursachten alkoholisierte Radfahrer in Lübeck 39 Unfälle mit 32 Verletzten.

Bundesweit waren 2011 rund 3700 alkoholisierte Radfahrer an Unfällen mit Personenschaden beteiligt — meistens waren die Radler selbst die Leidtragenden. Sie gelten unter den Verkehrsteilnehmern neben Fußgängern ohnehin als schwächstes Glied: 13 Radfahrer starben im vergangenen Jahr in Schleswig-Holstein bei Unfällen, 484 wurden schwer verletzt, 2972 leicht. Alkoholbedingt verlor kein Radfahrer sein Leben. Die Zahl von alkoholisierten Radfahrern, die an Unfällen beteiligt waren, ging deutschlandweit zwar leicht zurück. Gleichzeitig sank die Zahl aller Alkoholunfälle aber deutlich.

Kai Marksteiner hat schon mehrere brenzlige Situationen mit sturzbetrunkenen Radfahrern in Lübeck erlebt. Deshalb würde er eine Absenkung der Promillegrenze gutheißen. „Lübeck ist eh schon so dicht befahren“, sagt der 34-Jährige. „Da muss man die Konzentration bewahren. Schließlich hat ein Radfahrer keine Knautschzone.“

Julia Konerding

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