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Norddeutschland Rätsel um tote Pottwale auf Wangerooge
Nachrichten Norddeutschland Rätsel um tote Pottwale auf Wangerooge
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20:22 09.01.2016

Die dunklen Kolosse liegen auf einer Sandbank am Ostzipfel der Nordseeinsel Wangerooge: Dort wurden die rund 12 und 13 Meter langen Pottwale am Freitag angeschwemmt. Am Tag danach strömen bei strahlendem Sonnenschein und milden Temperaturen Touristen, aber auch Inselbewohner zur Fundstelle, die außerhalb der Deiche liegt und zum Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer gehört. „Viele sind seit 20 Jahren nicht mehr an der Ostspitze gewesen“, sagt ein Sprecher der Naturschutzgemeinschaft Mellumrat.

Auch Niedersachsens Umweltstaatssekretärin Almut Kottwitz hat am Nachmittag die toten Wale in Augenschein genommen, gemeinsam mit Inselbürgermeister Dirk Lindner. „Das war ein sehr beeindruckendes Bild“, sagt sie anschließend. „Das rumorte richtig im Inneren der Wale, und Flüssigkeiten liefen aus.“ Kottwitz ist besorgt: Diebe könnten versuchen, die Elfenbeinzähne der Tiere zu stehlen. Deshalb habe man beschlossen, so schnell wie möglich die Unterkiefer fachgerecht abzutrennen und zu sichern, sagt sie.

Gestern Vormittag wurden den Tieren im Auftrag des Veterinäramtes Proben entnommen. Sie sollen helfen, die Todesursache zu ermitteln, sagt Bürgermeister Lindner, der die Pottwale schon aus der Nähe begutachtet hat. „Wie es sich darstellt, sind die Tiere schon tot angetrieben worden“, betont er. „Sie haben sich wohl verschwommen. Sobald sie in die Nordsee abbiegen, haben sie keine Chance.“

Dies bestätigt Manfred Knake vom Wattenrat Ostfriesland. Seit 20 Jahren beschäftige er sich mit Walen, fast alle Arten habe er schon in der Natur erlebt, sagt er. Vor allem in den Wintermonaten gelangen demnach immer wieder Pottwale über die 700 Meter tiefe Norwegische Rinne in die sehr viel flachere Nordsee. „In der nur bis 100 Meter tiefen Nordsee funktioniert das Echolot der Tiere nicht mehr richtig“, erläutert Knake. Der Experte glaubt nicht, dass Unterwasserlärm etwa durch Windkraftanlagen zum Tod der Tiere beigetragen hat. „Das Phänomen der Pottwal-Strandungen ist seit Jahrhunderten bekannt.“ Es seien immer nur wenige Tiere, die sich verirrten, und stets Männchen.

Auf Wangerooge war zuletzt in den 1950er Jahren ein Orka-Wal gestrandet. Nach Angaben der Nationalparkverwaltung wurde 1994 auf Baltrum ein Pottwal angeschwemmt. Sein Skelett ist in Wilhelmshaven ausgestellt. 1996 hatte Norderney einen toten Pottwal. 2012 wurde auf Juist ein toter Zwerg- oder Minkwal entdeckt. Was mit den beiden 12,80 und 11,70 Meter langen Wangerooger Pottwalen passiert, ist noch offen.

Ein ausdauernder Schwimmer
Pottwale können eine Körperlänge von 20 Metern und ein Gewicht von bis zu 50 Tonnen erreichen. Seinen deutschen Namen hat der Zahnwal von seinem Kopf, der wie ein „Pott“
(niederdeutsch für „Topf“) aussieht.
Besonders die Männchen legen oft lange Strecken zurück. Sie stoßen auf ihren Wanderungen bis in die Polarmeere vor. Die Weibchen schwimmen mit ihren Jungtieren eher in tropischen und subtropischen Gewässern.

LN

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