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Norddeutschland Razzia gegen mutmaßliche Rechtsterroristen
Nachrichten Norddeutschland Razzia gegen mutmaßliche Rechtsterroristen
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20:10 17.04.2018
Karlsruhe/Kiel

Wegen des Verdachts auf Gründung einer rechtsterroristischen Vereinigung hat die Bundesanwaltschaft in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Bremen Wohnungen von Verdächtigen durchsuchen lassen. Von den vier Beschuldigten wurde niemand festgenommen, teilte gestern die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mit. An der Aktion im Harz, Emsland, im Großraum Bremen sowie in Schleswig- Holstein, die am Morgen begonnen hatte, waren Spezialeinsatzkommandos der Landeskriminalämter beteiligt. Durchsucht wurde auch eine Wohnung in Thüringen. Die weiteren Ermittlungen leitet das LKA Niedersachsen.

Die Bundesanwaltschaft wirft den Verdächtigen vor, sich spätestens Anfang des vergangenen Jahres unter dem Namen „Nordadler“ zusammengeschlossen zu haben. Ihr Ziel sei ein Wiedererstarken des Nationalsozialismus in Deutschland. Dazu habe die Gruppe auch Anschläge auf politische Gegner in Erwägung gezogen, jedoch noch nicht näher geplant.

Die Beschuldigten haben sich nach Angaben der Bundesanwaltschaft bemüht, Waffen, Munition und Baumaterial für Brand- und Sprengvorrichtungen zu beschaffen. Zunächst hatte die Generalstaatsanwaltschaft Celle die Ermittlungen aufgenommen, die Bundesanwaltschaft übernahm im Januar.

In Niedersachsen richtete sich die Razzia nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur unter anderem gegen den im Internetauftritt der Organisation „Nordadler“ genannten Hauptverantwortlichen. Es handelt sich dabei um einen 22-Jährigen aus Katlenburg- Lindau im Kreis Northeim. Das Landgericht Braunschweig hatte ihn im Dezember als Helfer eines 27-jährigen IS-Sympathisanten zu einer Geldstrafe und gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Der 22 Jahre alte Mann hatte nach Überzeugung des Gerichts dem verurteilten Islamisten Sascha L. geholfen. Dieser war wegen der Vorbereitung eines Sprengstoffanschlags auf Polizisten oder Soldaten zu mehr als drei Jahren Haft verurteilt worden. Sascha L. soll vor seinem Übertritt zum Islam in der Neonazi-Szene aktiv gewesen sein.

Im Internet beschwört die Gruppierung „Nordadler“ einen „alten germanischen Geist“ und redet von einem „weltanschaulichen Kampf“ um die „kommende Zukunft dieses alten Landes“. Propagiert wird eine „deutsche Führung im eigenen Land ohne fremden Geist“. In Schleswig-Holstein hatten die Ermittler nach Informationen des Südwestrundfunks im Kreis Pinneberg zugeschlagen. Gefunden hätten sie nach Angaben des Senders jedoch nicht viel.

Kiels CDU-Innenminister Hans- Joachim Grote lobte die professionelle Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden. Zur Sicherheitslage in Schleswig-Holstein wollte er sich auf LN-Anfrage nicht äußern. Der SPD-Landtagsabgeordnete Tobias von Pein sagte, die Gruppe „Nordadler“ wecke Erinnerungen an den „Nationalsozialistischen Untergrund“. Die Ermittlungsergebnisse zeigten, dass die Gefahr der Rechtsterrorismus nicht gebannt sei. Razzien bei Neonazis seien „das richtige Zeichen an die gewaltbereiten Feinde der Demokratie“.

LN

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