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Razzia im Norden: Polizei nimmt Salafisten ins Visier

Lübeck Razzia im Norden: Polizei nimmt Salafisten ins Visier

Beamte durchsuchen 15 Objekte in Lübeck, Hamburg, Pinneberg und Elmshorn. Der Verdacht: Vorbereitung einer schweren Gewalttat. Mehrere Monate lang wurde ermittelt.

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In Lübeck verteilten Salafisten im April 2012 Koran-Exemplare.

Lübeck. Polizeibeamte aus Hamburg und Schleswig-Holstein haben der Salafistenszene im Norden bei einer groß angelegten Durchsuchungsaktion einen schweren Schlag versetzt. Wie gestern erst bekannt wurde, durchsuchten rund 80 Beamte in der vergangenen Woche 15 Gebetsräume und Wohnungen in Lübeck, Pinneberg, Elmshorn und Hamburg. Dabei ging es auch um den Verdacht der Vorbereitung einer „staatsgefährdenden Gewalttat“.

Der Polizeiaktion am Donnerstag der vergangenen Woche seien mehrmonatige Ermittlungen vorausgegangen, sagte Mirko Streiber, Sprecher der Polizei Hamburg. „Es gab den Anfangsverdacht, dass es Vorbereitungen auf eine terroristische Gewalttat gebe“, erklärte Streiber. Dieser Verdacht habe sich jedoch nicht erhärtet. „Bislang jedenfalls nicht“, schränkte Streiber ein. Die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen. Festnahmen habe es aber bislang nicht gegeben.

„Wir haben umfangreiches Beweismaterial sichergestellt“, sagte Oberstaatsanwältin Nana Frombach. Dazu gehörten verschiedene Dokumente, Propagandamaterial und Datenträger. Die Auswertung werde noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Verdächtig, einen Terrorakt vorzubereiten, waren zwei junge Männer aus Pinneberg und Hamburg. Ob sich aus den gesammelten Beweisen möglicherweise Erkenntnisse über tatsächlich geplante Anschläge ergeben, will Frombach indes nicht ausschließen.

Die 15 Beschuldigten sollen allesamt zur Millatu-Ibrahim-Bewegung gehören, die vor einem Jahr in Deutschland von Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) verboten worden war. Deren untergetauchter Anführer Denis Cuspert, auch bekannt als Rapper Deso Dogg, hatte in einer Videobotschaft zum Heiligen Krieg für den Islam aufgerufen und auch Deutschland zum „Kriegsgebiet“ erklärt. Cuspert soll sich inzwischen mit einigen Gefolgsleuten in Ägypten aufhalten.

Nach Angaben von Polizeisprecher Streiber hätten die Verdächtigen aus Hamburg und Schleswig-Holstein geplant, Cusperts Bewegung wieder aufzubauen. Es werde deshalb wegen des „Fortsetzens einer verbotenen Vereinigung“ gegen die Männer ermittelt. Weit seien ihre Pläne aber wohl nicht fortgeschritten gewesen. Es habe allerdings einige konspirative Treffen gegeben.

Die Salafisten-Szene wächst in Schleswig-Holstein weiter an. Etwa 200 Personen rechnet der Verfassungsschutz dieser radikalen Strömung des Islam zu, 30 von ihnen gelten als gewaltbereit. Als einer der Schwerpunkte der Szene im Norden gilt Lübeck, wo es zuletzt im Mai einen Zwischenfall gegeben hatte. 15 Salafisten hatten liberale Muslime des Al-Amanah-Vereins attackiert und bedroht. Ob die Angreifer auch zur Millatu-Ibrahim-Bewegung gehören, wollte die Polizei gestern nicht bestätigen.

Rapper und Fanatiker
Deso Dogg, mit bürgerlichem Namen Denis Mamadou Cuspert, wurde 1975 als Kind eines ghanaischen Vaters und einer deutschen Mutter in Berlin geboren. Als Jugendlicher war Cuspert im kriminellen Milieu aktiv. Aus dem Gefängnis heraus startete er 2002 eine Karriere als Gangster-Rapper. Im Jahr 2010 wandte sich Cuspert dem radikalen Islam zu. Als „islamischer Prediger“ nahm er verschiedene Songs auf, in denen er zum Dschihad aufruft und Osama bin Laden verehrt. Zusammen mit dem Österreicher Mohamed Mahmoud gründete Cuspert die Millatu-Ibrahim-Bewegung.

Oliver Vogt

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