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Reh-Rettung: Stille auf der Autobahn

Dummerstorf Reh-Rettung: Stille auf der Autobahn

Zwölf Jäger und 25 Helfer haben vier Tiere an der A 20 aufs Feld geleitet. Die Fahrbahnen waren dafür mehr als sechs Stunden gesperrt.

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Kein Auto weit und breit, dafür aber ein Reh. Vier der Tiere, die wochenlang am Rand der A 20 gegrast hatten, wurden zwischen Dummerstorf und Sanitz auf Felder geleitet.

Quelle: Stefan Tretropp

Dummerstorf/Sanitz. . Glück gehabt! Vier Rehe, die monatelang am Rand der Ostseeautobahn A 20 bei Rostock grasten, sich nicht vertreiben ließen und deshalb schon geschossen werden sollten, leben. Gestern sind sie in einer großangelegten Aktion hinter einen Wildschutzzaun getrieben worden, der den gut 15 Kilometer langen Abschnitt zwischen den Anschlussstellen Dummerstorf und Sanitz zu beiden Seiten sichert.

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Zwölf Jäger und 25 Helfer haben vier Tiere an der A 20 aufs Feld geleitet. Die Fahrbahnen waren dafür mehr als sechs Stunden gesperrt.

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„Das gemähte Gras an der Autobahn ist zart und wegen des Winterdienstes salzig. Das lieben die Tiere.“ Martin Rackwitz, Umweltministerium

Den beteiligten Treibern standen die Erleichterung und die Erschöpfung gleichermaßen ins Gesicht geschrieben: Sie hatten bei bis zu 26 Grad Celsius rund 20 Kilometer auf dem Asphalt zurückgelegt. Die Autobahn war über sechs Stunden lang gesperrt.

Drei Böcke und ein einjähriges Weibchen, ein sogenanntes Schmalreh, hatten Wildbiologen zuvor mit Wärmebildkameras ausgemacht. Gestern morgen um kurz nach 9 Uhr wurde dann zur waffenlosen Treibjagd geblasen. Quer zur Autobahn wurden Zäune errichtet. Nach Angaben von Teilnehmern – Journalisten durften die Aktion aus Sicherheitsgründen nicht aus der Nähe beobachten – gingen 18 Treiber die Straße ab. Sie sollten versuchen, die Tiere durch eine etwa 40 Meter lange Lücke, die in den Wildschutzzaun geschnitten worden war, auf freies Feld zu treiben. Das Verkehrsministerium in Schwerin sprach von insgesamt rund 40 Einsatzkräften. Die Aktion war nötig geworden, weil sich das Umweltministerium gegen den ursprünglich geplanten Abschuss der Rehe gesperrt hatte.

Zwei Rehböcke wollten aber wohl nicht ohne weiteres von ihrem paradiesischen Futterplatz lassen – oder sie gerieten angesichts der anrückenden Menschenkette in Panik. Am Vormittag sprang einer auf die Treiber zu und durchbrach ihre Kette. Später tat es ihm ein zweiter Rehbock gleich. Das bedeutete jeweils, dass die Helfer zurück an den Zaun quer zur Autobahn gebracht werden mussten, um erneut hinter dem Tier herzugehen und es zur Lücke zu dirigieren. Dies sei sanft und ohne hektische Bewegungen der Helfer geschehen, betonte eine Teilnehmerin.

Schließlich waren alle vier Tiere auf freiem Feld und die Autobahn konnte gegen 15.45 Uhr wieder freigegeben werden. Arbeiter der Autobahnmeisterei flickten noch am selben Tag die Löcher im Wildschutzzaun, die bei der Aktion entdeckt worden waren. „Kleintiere wie Fuchs, Marder oder Dachs buddeln und kriechen durch, dann kommt vielleicht ein Wildschwein und gräbt und dann passt auch ein Reh durch“, sagte Martin Rackwitz vom Umweltministerium. Die Stellen seien jetzt wieder dicht.

Ob die Vertreibung der Rehe von Dauer ist, bleibt dennoch abzuwarten. „Die Autobahn-Böschung hat eine Sogwirkung“, sagte Rackwitz. Rehe seien „Nascher“ und fräßen nur das Beste, was sie bekommen können. „Das regelmäßig gemähte Gras an der Autobahn ist zart und wegen des Winterdienstes auch salzig. Das lieben die Tiere.“

Es könne passieren, dass die Rehe am Autobahn-Zaun entlang bis zur nächsten Anschlussstelle gehen, ihn dort umgehen und wieder auf dem Randstreifen grasen, sagte Rackwitz. Von diesem Verhalten hatte schon zuvor die Autobahnmeisterei berichtet. Ob mit den Rehen dann noch einmal so tierlieb umgegangen wird wie jetzt, ist offen.

LN

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