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Norddeutschland Reinigung der Schlei wird Monate dauern
Nachrichten Norddeutschland Reinigung der Schlei wird Monate dauern
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20:38 14.03.2018
Schleswig

Anfang vergangener Woche war bekannt geworden, dass aus der Kläranlage in Schleswig in den vergangenen Monaten große Mengen an Kunststoffteilchen in die Schlei gelangt sind. Die Plastikteile stammen vermutlich aus verunreinigten Speiseresten, die dem Faulschlamm zugemischt wurden, um Energie zu gewinnen. Diese bekamen die Stadtwerke von einem Zulieferer aus Nordfriesland.

Schleswig. Die Säuberung der Schlei von Plastikteilchen ist eine Mammutaufgabe, die sich über Monate erstrecken kann. Das Ausmaß der Verschmutzung ist noch unklar. Die Menge der Kunststoffpartikel, die aus einer Kläranlage in die Schlei gelangten, soll bis Mitte April ermittelt werden.

Seit Februar haben die Stadtwerke die Annahme der geschredderten Speisereste gestoppt. „Daher nimmt die Belastung der Kläranlage mit Kunststoffpartikeln sukzessive ab“, sagte Geschäftsführer Wolfgang Schoofs. Durch einen Siebfilter würden noch vorhandenen Plastikpartikel aus dem Ablauf der Kläranlage entfernt. Nur Mikro-Plastik kleiner als zwei Millimeter könne den Filter passieren.

Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne) sagte, „die Verschmutzung mit diesen Mengen an Plastik ist unfassbar. Der konkrete Fall zeigt, dass wir als Gesellschaft ein grundlegendes Problem haben.“ Nach bisherigen Erkenntnissen sei die Kläranlage regelmäßig von der unteren Wasserschutzbehörde kontrolliert worden. „Dabei gab es keine Auffälligkeiten.“ Es würden aber auch andere mögliche Verursacher geprüft. „Liegt es nur an der Kläranlage oder gibt es noch an irgendeiner Stelle unerkannte andere Möglichkeiten?“ Die Schlei sei ein sensibles Schutzgebiet, insbesondere für die Vogelwelt.

Die Schlei hat eine Uferlänge von 150 Kilometern, darunter auch Bereiche, die nicht zugänglich sind, sagte Thorsten Roos vom Umweltamt. Vier Techniker seien seit Montag – unterstützt von einem Boot und einer Drohne – mit der Kartierung der Plastik-Belastung beschäftigt. Erste Ergebnisse zeigen, dass die Ufersäume der Schlei bis nach Arnis betroffen sind.

Seit Dienstag reinigen 50 städtische Mitarbeiter und Helfer die Uferstreifen der Schlei. Da die von einem Hammerwerk zerschredderten Plastikteile an abgestorbenem Schilf, Reet und Binsen haften, sind die Helfer mit Harke, Schaufel und Schubkarre unterwegs. Unterstützt werden sie von Tauchern.

Problematisch wird die Reinigungsaktion ab 30. März, da dann offiziell die Brutzeit der Vögel startet. So brüteten in einem besonders stark belasteten Gebiet im vergangenen Jahr drei Blaukehlchen – „eine absolute Rarität“, sagte Thorsten Roos. Es gilt, diese und andere Brutvögel bei den Reinigungsarbeiten nicht zu stören.

Wer letztendlich schuld an der Schlei-Veschmutzung ist, müsse noch geklärt werden, sagte Schleswigs Bürgermeister Arthur Christiansen. Es stehe ein Rechtsstreit mit dem Anlieferer bevor. Babel gehe es auch darum, wer die Säuberung der Schlei bezahlen muss. „Die Kosten können siebenstellig werden“, sagte der Bürgermeister. Parallel ermitteln die Staatsanwaltschaft Flensburg und das Landeskriminalamt wegen des Verdachts der Gewässerverunreinigung.

LN

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