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Norddeutschland Reiter warnen vor einer Pferdesteuer
Nachrichten Norddeutschland Reiter warnen vor einer Pferdesteuer
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20:18 23.06.2016
„Die Pferdesteuer trifft vor allem Reitbetriebe, die Schulpferde haben.“Ingeborg Galow (43)

Mit Tangstedt will erstmals eine Gemeinde in Schleswig-Holstein eine Pferdesteuer einführen. „Bisher war das immer weit weg“, sagt Ingeborg Galow, zweite Vorsitzende des Pariner Reit- und Fahrvereins. Jetzt aber ist es im Pensionsstall „C & M“ in Bad Schwartau ein Thema. „Das ist ja wohl der erste Sport, für den eine Steuer verlangt wird“, sagt Reitstallbesitzerin Martina Böbs (52). Wofür denn eine Steuer? „Die Reitwege hier sind schlecht“, findet Reidun Grimm (52), die ihre Hannoveraner-Stute „Ricola“ striegelt. Das sieht Galow als Pferdewirtschaftsmeisterin ähnlich. Auch sei das Reitwegenetz im Laufe der Jahre stark eingekürzt worden.

Viel Kritik für die Tangstedter Pläne – Sind Reitschulen in Gefahr?.

Galow fürchtet, dass vor allem die Jugend davon betroffen ist. „Da wird es bald keine Reitschulen mehr geben“, meint die 43-Jährige. Die Tiere verdienten mit dem Reitunterricht ihren Unterhalt. Das sei kein Gewinngeschäft, so Galow. Als abschreckendes Beispiel dient laut Deutscher Reiterlicher Vereinigung Bad Sooden-Allendorf. Dort stehe ein Reitverein, bei dem 100 Kinder Unterricht hatten, vor der Auflösung, weil die Schulpferde nun besteuert würden, sagt Thomas Ungruhe, Leiter der Verbands-Abteilung Breitensport. Bisher erheben nur drei Orte in Hessen eine Pferdesteuer. Tangstedt will nachziehen. 100 bis 200 Euro könnten pro Pferd verlangt werden.

Die CDU bezeichnet das als „Unsinn“. ,,Eine Pferdesteuer richtet mehr Schaden an als sie nützt“, meint die sportpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion, Barbara Ostmeier. Die Steuer werde weder die Gemeinde-Finanzen noch die Reitwege retten. Die FDP fürchtet, dass eine Pferdesteuer viele Sportangebote gefährde – insbesondere auch das therapeutische Reiten.

Andere Kommunen im Norden sind zurückhaltend. In Ahrensburg (Kreis Stormarn) ist von Pferdesteuer noch nicht die Rede. Dabei gibt es im Ortsteil Ahrensfelde gleich sechs Reitställe. „Bisher stört sich keiner daran“, sagt Stadtsprecherin Imke Bär. Es handele sich ohnehin um einen ländlich geprägten Ortsteil. Auch in der Gemeinde Göhl (Kreis Ostholstein) sind einige Pferde zu Hause. Sie werden überwiegend auf Flächen geritten, für die die Gemeinde nicht verantwortlich ist, erklärt Bürgermeister Thomas Bauer. „Ich sehe keinen Anlass für eine Pferdesteuer, weil wir nichts für die Reiter tun“, sagt er. „Das wäre ungerecht.“ Für Hundebesitzer würden immerhin Hundekotbeutel vorgehalten und Mülleimer geleert.

Anders ist die Stimmung in Wakendorf I (Kreis Segeberg). Schon im Herbst hatte Bürgermeister Kurt Böttger angekündigt, über eine Pferdesteuer nachzudenken, wenn die Besitzer den Kot einfach liegenlassen. „Es ist ganz normal, dass ein Pferd äppeln muss. Aber man muss das auch wegmachen“, meint er. Von Hundehaltern werde das schließlich auch verlangt.

Julia Paulat

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