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Rekordeinnahmen bei der Kirchensteuer

Hamburg/Schwerin Rekordeinnahmen bei der Kirchensteuer

Nordkirche investiert das Extra-Geld in die Flüchtlingshilfe – Katholiken beheben Sanierungsstau bei maroden Gebäuden.

Hamburg/Schwerin. Die evangelische Nordkirche steckt mehr Geld in die Flüchtlingshilfe, das katholische Erzbistum Hamburg kann lange aufgeschobene Bausanierungen angehen. Ein Rekord bei den Steuereinnahmen macht es möglich. Denn trotz sinkender Mitgliederzahlen können Evangelische und Katholische Kirche in Deutschland aus dem Vollen schöpfen. Zusammen nahmen sie im vergangenen Jahr nach Angaben des Statistischen Bundesamts 11,5 Milliarden Euro ein. Was für ein Segen: Mit 5,4 Milliarden Euro profitierten die Protestanten, 6,1 Milliarden Euro erhielt die Katholische Kirche.

In der Nordkirche belaufen sich die Einnahmen auf netto 463,9 Millionen Euro. Das entspricht gegenüber dem Vorjahr einem Plus von 4,65 Prozent. Nach Abzug der Versorgungsleistungen wird das meiste Geld, mehr als 80 Prozent, auf die 13 Kirchenkreise und mehr als 1000 Kirchengemeinden im Norden verteilt. Die Mehreinnahmen ermöglichen, sich stärker in der Flüchtlingsarbeit zu engagieren. „Die Nordkirche wendet 1,8 Millionen Euro mehr in diesem Bereich auf“, teilte Kirchensprecher Stefan Döbler mit. 1,1 Millionen Euro davon gingen an kirchliche Entwicklungsdienste, um die Lebensbedingungen der Menschen in ihren Heimatländern zu verbessern. Darüber hinaus würden für fünf Jahre Flüchtlingsbeauftragte in den Kirchenkreisen finanziert.

Das Erzbistum Hamburg, zu dem Schleswig-Holstein zählt, durfte sich im vergangenen Jahr über Kirchensteuereinnahmen in Höhe von 97 Millionen Euro freuen. „Die zusätzlichen Einnahmen dienen vor allem dazu, die Pensionsverpflichtungen gegenüber Lehrern an katholischen Schulen besser abzusichern“, sagte Sprecher Manfred Nielen. Im Übrigen könnten jetzt Bausanierungen durchgeführt werden, die länger aufgeschoben worden waren. Dazu zählt das Dach der denkmalgeschützten Bonifatius-Kirche in Lübeck. Dort werden 180000 Euro eingesetzt.

Unterdessen gewinnt die Debatte um die Rechtmäßigkeit von Kirchensteuern seit dem Skandal um die Limburger Bischofsresidenz an Fahrt. „Wir betrachten eine Reform der Steuer und der Kirchenstaatsverträge für längst überfällig“, sagte Wolfgang Dudda von der Piraten-Fraktion im Kieler Landtag. Das „staatliche Inkasso für die Kirchen auf dem Steuerweg“ müsse schleunigst beendet werden. Ähnlich äußerte sich Rasmus Andresen (Grüne). Die Kirchensteuer sei nicht mehr zeitgemäß, sie gehöre reformiert.

Die Kirchensteuer ist eine verpflichtende Abgabe der Kirchenmitglieder an ihre Kirche. Die Höhe des Satzes ist regional verschieden. In Bayern und Baden-Württemberg liegt er bei acht Prozent, in den übrigen Bundesländern bei neun Prozent der Einkommens-, Lohn- und Kapitalertragssteuer. Die Kirche finanziert sich außerdem über Staatsleistungen, das sind historisch bedingte Pflichten.

Ein Pakt mit dem Staat

Die Entstehung der Kirchensteuer geht auf den Anfang des 19. Jahrhunderts zurück. Aufgrund der Enteignung und Säkularisierung kirchlicher Güter durch den Reichsdeputationshauptschluss von 1803 hatten die Fürsten sich verpflichtet, für den Unterhalt von Kirche und Geistlichen zu sorgen. Gesellschaftliche und politische Veränderungen führten schließlich zur Einführung der Kirchensteuer, geregelt in der Weimarer Reichsverfassung von 1919. Die Steuer wird von den Finanzämtern der Länder eingezogen, die dafür eine Aufwandsentschädigung bekommen.

 Curd Tönnemann

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