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Norddeutschland Regen kommt jetzt zu spät für die Landwirte
Nachrichten Norddeutschland Regen kommt jetzt zu spät für die Landwirte
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12:23 11.07.2018
Bauer Heinrich Kröger im Weizenfeld. Auch hier ist der Bestand zu dünn gewachsen, er wird wohl 20 Prozent weniger Ertrag bringen. 
Wulfsdorf

Pralle Sonne, wogende, gelbe Gerstenfelder – es sieht so schön aus. Doch die Staubwolke, die der Claas-Mähdrescher auf dem Feld von Bauer Heinrich Kröger aus Wulfsdorf hinter sich herzieht, ist bedenklich groß. Die Trockenheit der letzten Wochen fordert ihren Tribut.

„Das Mähen geht viel zu leicht.“ Mähdrescherfahrer Thomas Wehde merkt das beim Ernten. „Es kommt nix an. Die Maschine ist nicht ausgelastet.“ Die Körner seien zu klein, die Ähren fast leer. „30 Prozent zu wenig Ertrag“, schätzt Wehde bei dem 15 Hektar großen Feld. Außerdem hat die Ernte fast zwei Wochen zu früh begonnen. „Normalerweise wäre die Gerste Ende Juli reif gewesen“, erklärt Heinrich Kröger, der sich gerade auf dem Feld ein Bild vom Erntestand macht.

Pralle Sonne, wogende, gelbe Gerstenfelder – es sieht so schön aus. Doch die Staubwolke, die der Claas-Mähdrescher auf dem Feld von Bauer Heinrich Kröger aus Wulfsdorf hinter sich herzieht, ist bedenklich groß. Die Trockenheit der letzten Wochen fordert ihren Tribut.

Dennoch sehe es bei ihm vergleichsweise gut aus, glaubt Kröger. „Wir haben hier einen guten Standort.“ Etwa 50 Bodenpunkte seien nicht übel, sagt der Landwirt, der auf 600 Hektar Weizen, Raps, Wintergerste, Ackerbohnen und Zuckerrüben anbaut. Mit der schlechten Ernte habe er sich abgefunden. Die Fruchtbildung sei unbefriedigend, aber weitgehend abgeschlossen. „Ob es jetzt noch regnet, spielt keine Rolle mehr.“

Anderen gehe es weit schlechter. „Die Stimmung unter den Landwirten ist in den letzten Wochen ganz mies“, hat Kröger mitbekommen. „Viele neigen zu einer depressiven Richtung.“ Immerhin sei es das dritte schlechte Jahr in Folge.

Das beschäftigt auch Lutz Schlünzen, den Kreisvorsitzenden des Bauernverbandes in Ostholstein. Die Not in den Landwirts-Familien bereite ihm große Sorge. „Das geht vom Burnout bis hin zu existenziellen Problemen.“ Viele Milchviehbetriebe beispielsweise hätten in schlechten Zeiten Mitarbeiter entlassen müssen, um Geld zu sparen. „Die Arbeit haben die Landwirte selbst übernommen.

Darunter leidet jetzt die Familie. Der Druck nimmt zu.“ Gerade in Ostholstein sei dies „extrem“.

Grund für die erwartete Missernte ist aus Krögers Sicht der Klimawandel. „Ich kann mich nicht entsinnen, dass es früher eine vergleichbar schlechte periodische Wetterlage gegeben hätte.“ Es gelte, die Fruchtfolge zu verändern, über Gerste, Weizen und Raps hinaus. Das sieht auch Peter Levsen Johannsen so, der Geschäftsführer der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein. „Was nicht heißt, dass wir hier Topinambur und Kokosnüsse anbauen, so weit ist es noch nicht.“ Kröger wünscht sich, dass die Umstellung vom Land entsprechend gefördert werde, was in anderen Ländern bereits geschehe. Zumal immer weniger Pflanzenschutzmittel und Dünger erlaubt seien, was die herkömmliche Wirtschaft zunehmend erschwere. „Eine große Herausforderung.“ Die Umstellung seines Betriebes auf Ökolandbau kommt für den Landwirt aber nicht in Frage. „Das ist eine Nische für wenige Leute.“ Für ihn eine Sackgasse.

„Es ist ein ganz schwieriges Jahr“, sagt Kröger. Und es könnte noch schwieriger werden, wenn die Afrikanische Schweinepest sich, wie zu befürchten, in Schleswig-Holstein ausbreiten würde. „Das hätte auch auf die Landwirtschaft enorme Auswirkungen.“ Wenn ganze Bestände von Schweinemastanlagen geschlachtet würden, werde auch kein Futter mehr gekauft. „Nicht auszudenken.“

Dennoch glaubt der Landwirt, dass er die Krise überstehen wird. Mindestens 300 Jahre ist seine Familie schon auf dem Hof. „Wahrscheinlich länger.“ Die alten Gebäude und ihre Umgebung sind für ihn mehr als nur ein Arbeitsplatz. „Ich habe die Hoffnung, dass es irgendwann besser wird.“

Von Marcus Stöcklin

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