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Norddeutschland Anpacken vor dem Abflug
Nachrichten Norddeutschland Anpacken vor dem Abflug
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17:14 12.08.2018
Hans-Hermann Holst-Oldenburg, Spitzname H3O, bringt mit seinem Schleppwagen Flugzeuge zu den Rollfeldern. Besonders gefallen ihm die Sonnenuntergänge über dem Flughafen. Quelle: ULF-KERSTEN NEELSEN
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Hamburg

Die Luft ist stickig. Funken sprühen. Männer tragen Schutzbrillen und Ohrstöpsel. Hammerschläge dröhnen. Wer die 35 Meter hohe Halle gleich neben der Weser betritt, muss Schuhe mit Stahlkappen und einen Schutzhelm tragen. Alltag für Axel Sürmann. Der Diplom-Ingenieur zeigt auf das rostbraune Heck eines der Schiffe, erklärt, dass lediglich die Brücke und der Mast aus Aluminium gefertigt werden. Der Rest der Hülle besteht aus 800 Tonnen Stahl. Sürmann sowie etwa 60 weitere Ingenieure und Konstrukteure arbeiten seit Monaten an dem Großprojekt. „Es sind die längsten Schiffe in unserer Werftgeschichte“, sagt er. Allein 1300 Zeichnungen seien am Computer erstellt worden. 103 Kilometer Kabel und 55 Tonnen Rohrleitung (3290 Einzelstücke) müssen verlegt werden.

Die Fassmer-Werft gilt als feste Größe, wenn es um den Bau von Behördenfahrzeugen geht. Sie liefert weltweit. Für die Bundespolizei See arbeitet das Unternehmen erstmals. Laut Oberregierungsrat Gero von Vegesack, Sprecher der Bundespolizei, hat Fassmer das wirtschaftlichste Angebot gemacht und sich gegen mehrere Wettbewerber durchgesetzt. Die reine Bauzeit beträgt nicht einmal zwei Jahre. Für die Werft ist das eine logistische Höchstleistung. Axel Sürmann erklärt, dass der Neubau mit der Nummer „7040“ komplett in Deutschland gebaut wird. Die beiden anderen Stahlkörper („7050“ und „7060“) würden aus Kapazitätsgründen im litauischen Klaipeda zusammengesetzt und anschließend nach Berne geschleppt. „7050“ ist schon da. Der Innenausbau hat begonnen. „7060“ soll im September folgen. Der Zeitplan ist eng.

Klicken Sie hier, um gemeinsam mit unserem Fotografen hinter die Kulissen des Hamburger Flughafens zu blicken und zahlreiche Fotos von dem Großbetrieb zu sehen.

Schiffe können international eingesetzt werden

Am 14. Dezember steht die erste Taufe an. Das Schiff wird den Namen „Potsdam“ erhalten. In der brandenburgischen Landeshauptstadt befindet sich der Hauptsitz der Bundespolizei. Die beiden anderen werden „Bad Düben“ und „Bamberg“ heißen. Sie alle bekommen Neustadt in Holstein als Heimathafen. Das ist Tradition. Anschließend sollen die Schiffe „nach einsatztaktischen Gesichtspunkten auf der Nord- und Ostsee eingesetzt“ werden, sagt von Vegesack. Internationale Missionen seien möglich. In der Vergangenheit beteiligte sich die Küstenwache unter anderem an Aktionen im Mittelmeer zur Rettung von Flüchtlingen.

Die Anforderungen an die 13,40 Meter breiten und maximal 48 Personen fassenden Schiffe sind enorm. Auf ihnen sollen nicht nur Hubschrauber (Super Puma) landen. Auch diverse Umweltauflagen müssen eingehalten werden. Diese seien insbesondere im Wattenmeer der Nordsee sowie in den norwegischen Fjorden hoch. Die 2017 ausgemusterten Schiffe, die teils aus DDR-Beständen (Volksmarine) stammten, hätten entsprechende Zertifizierungen nicht mehr bekommen, sagt Matthias Menge, Sprecher der Bundespolizeidirektion Bad Bramstedt. Die Neubauten hingegen können laut Ingenieur Sürmann von Diesel- auf Elektroantrieb umschalten. Wobei dies lediglich bei Kontrollfahrten, aber nicht bei Höchstgeschwindigkeiten von mehr als 21 Knoten (39 km/h) möglich sein dürfte.

Wassertank soll Schwanken minimieren

Durch den Einbau eines speziellen Wassertanks soll die neue Generation der Küstenwache deutlich ruhiger im Wasser liegen. Die Folge: Die Crew wird seltener seekrank und Hubschrauber können bei starkem Wellengang landen. „Bislang mussten unsere Leute per Seil runter“, sagt Menge. Neu ist auch die Innenausstattung. Ein Sportbereich ist ebenso eingeplant wie eine größere Messe. Auch soll es einen Extra- Raum für medizinische Behandlungen und eine Gewahrsamszelle geben. „Für den täglichen Dienst ist das komfortabler. Bislang wurde die Messe häufig als Notfallraum genutzt“, sagt Menge. Mit an Bord sein werden auch zwei Kontrollboote.

Um die Schiffe möglichst benutzerfreundlich zu fertigen, werden Einsatzkräfte eingebunden. „An welche Seite kommen Türgriffe? Wo hängen Lampen am besten? Es geht darum, Praxiserfahrung einfließen zu lassen“, erläutert Diplom-Ingenieur Jan Henning Günther (Mareval AG). Zugleich sollen sie das Schiff schon in der Bauphase kennenlernen und das dabei gesammelte Wissen später an die Crews weitergeben.

Bevor es auf Streife geht, stehen umfangreiche Fortbildungen an. In Neustadt soll für bis zu zwei Millionen Euro ein Schiffsimulator installiert werden. Wann der kommt, ist unklar. „Die Nutzung der Schiffe ist jedoch vorher möglich. Die Einweisung der ersten Besatzungen durch die Fassmer-Werft erfolgt auf einem Simulator der Hochschule Bremen“, sagt von Vegesack.

Pistole gegen Vögel

Neben dem 53-Jährigen liegt auch eine Pistole. „Aber nur mit Platzpatronen, um Vögel aufzuscheuchen, damit sie nicht in die Turbinen fliegen“, sagt Bieniek.

Mit dem Wagen fährt er über die Vorfelder, Zwischenwege und Pisten. Dabei kontrolliert er den Zustand der Straßen, Gebäude oder Zäune. Seine Aufträge bekommt er über Funk. Manchmal darf er auch die Flugzeuge einwinken. Dafür hat er seine feuerroten Kellen extra neu lackiert. „Ein Kollege hat sie mir geschenkt, als er in Rente gegangen ist“, sagt er stolz. Arbeiten am Flughafen ist sein Traumjob. „Mich fasziniert das Fliegen“, sagt Bieniek. Zu seinem 50. durfte er mit der Fluglehrerin über den Platz kreisen. „Das war das beste Geschenk, das ich jemals bekommen habe“, sagt er.

Das Gefühl zu fliegen, kann er auch bei der Kontrolle der Piste simulieren. Wenn er über die Startbahn braust, stellt er sich vor, dass er gleich selbst abhebt.

Flughafen-Feuerwehr

Von ihrem Gebäude aus haben die 80 Männer der Flughafenfeuerwehr den besten Blick. Schließlich müssen die Löschfahrzeuge innerhalb von drei Minuten vor Ort sein. „Kerosin brennt schnell, und Aluminium fällt in sich zusammen“, erklärt Zugführer Daniel Pals. Für diesen Fall hat die Wehr spezielle Löschwagen wie das Rettungstreppenfahrzeug mit zwei Leitern. Glücklicherweise ist bisher noch kein Flugzeug verbrannt. Trotzdem hat die Wehr 1300 Einsätze im Jahr. Am häufigsten helfen sie Menschen, die einen Kreislaufzusammenbruch haben. Dass es für die Wehren auf dem Flughafengelände ruhiger zugeht als in der Großstadt, ist Pals recht. „Ich habe schon viel erlebt und muss nicht mehr nachts die Kandidaten vom Kiez abholen“, sagt der 39-Jährige. Er hat sich daher auf den Posten beworben. „Der Flughafen ist wie eine eigene kleine Stadt“, sagt er.

Die Wetterberater

Wenn die Piloten wissen wollen, ob es in der Luft brenzlig wird, rufen sie im vierten Stock an. Dort sitzt die Luftfahrtberatungszentrale. Auf Bildschirmen und Monitoren sind Landkarten geöffnet, über die sich bunte Farbflecken bewegen. René Kist und seine Kollegen wissen, was die Farben bedeuten und können bis zu 50-stellige Wetter-Codes entschlüsseln. Die Meteorologen sind vom Deutschen Wetterdienst. Ihr Gebiet reicht von Hamburg über Bremen bis nach Hannover. Flugsicherung, Berufs- und Hobbypiloten lesen ihre Berichte. „Bei unklarer Lage rufen bis zu 40 Piloten an“, sagt Kist. Drei Faktoren seien besonders wichtig: Sichtweite, Wolkenuntergrenze und Wetterlagen wie Gewitter. Mit der Kurzwahltaste „Blitzschlaggefahr“ können sie auch empfehlen, den Flugverkehr einzustellen.

Das Team arbeitet eng mit der acht Kilometer entfernten Flugwetterwarte am anderen Ende des Feldes zusammen. Dort muss Wetterbeobachter Marc Wenthe alle halbe Stunde einen aktuellen Bericht rausschicken, bei gefährlichem Wetter sogar alle zwei Minuten. Der erfahrene Experte erkennt per Augenmaß, wie sich das Wetter entwickelt. Er informiert nicht nur den Flugverkehr, sondern schickt auch den Wetterbericht an die Medien. „Ich mache das gern, weil ich für mehr Sicherheit für Flugverkehr und Umwelt sorgen kann“, sagt er.

Vom Balkon der Wetterwarte beobachtet Wenthe, wie ein Flugzeug beschleunigt, abhebt und am Himmel langsam kleiner wird. „Ich bin immer wieder fasziniert, dass das wirklich funktioniert“, sagt er.

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